Immer sachte voran: Mercedes B-Klasse F-Cell

Von: Sabine Neumann, dapd
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Die Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell: Der Brennstoffzellenantrieb gilt als eine Alternative zu konventionellen Motoren. Foto: dapd

Stuttgart. Der Brennstoffzellenantrieb gilt als eine Alternative zu konventionellen Motoren. Um die technische Reife dieser Technik zu demonstrieren, startete Mercedes Ende Januar eine weltweit bislang einmalige Langstreckenfahrt, den F-Cell World Drive. Anfang Juni ist der Zieleinlauf in Stuttgart.

Mit der B-Klasse F-Cell, dem ersten in Serie gefertigten Brennstoffzellenfahrzeug, sollte die Welt umrundet werden: 125 Tage lang, über vier Kontinente, durch verschiedenste Klimazonen und auf unterschiedlichsten Strecken - von Asphalt bis hin zu unbefestigten Straßen. Bereits vor dem Ziel steht fest, dass sich die Zukunftstechnologie als überraschend alltagstauglich erweist. Praktisch gibt es nur ein Problem: die Treibstoffversorgung.

Die Ansage von Konvoi-Führer Jürgen Banken duldet keinen Widerspruch: „Regelmäßig die noch verbleibende Distanz kontrollieren. Das Tank-Volumen im Auge behalten und vor allem eines - sanft mit dem Gaspedal umgehen.” Doch das sind auch die einzigen Vorgaben, die Banken den drei neuen Testteams für die bevorstehende Durchquerung Kasachstans vorgab.

Sicherlich werden die Wagen die eine oder andere Schramme als Erinnerung an australischem, chinesischem oder kasachischem Verkehr zurückbehalten. Keine Schramme hat sich jedoch der Brennstoffzellenantrieb (F-Cell) geleistet: Die Kombination aus einem Brennstoffzellen-Modul - dem sogenannten Stack -, einer Lithium-Ionen-Batterie, drei Drucktanks für insgesamt vier Kilogramm des auf 700 bar komprimierten Wasserstoffs sowie dem Elektromotor an der Vorderachse stellte ihre Serienreife unter Beweis.

Nach gut 300 Kilometern an die Zapfsäule

Die B-Klasse bietet aufgrund ihrer Bauweise gute Voraussetzungen für den Einsatz der Zukunftstechnik. So liegen die Tanks in einem sogenannten Sandwichboden des Fahrzeugs. Der darin befindliche Wasserstoff wird in einer chemischen Reaktion mit Sauerstoff in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt. Dieser Strom treibt den Elektromotor an und wird bei Bedarf in eine Lithium-Ionen-Batterie gespeist. Diese hält Strom für etwa zwei Kilometer rein elektrisches Fahren bereit oder steuert beim Beschleunigen Kraft bei. Die Batterie wiederum ist im Kofferraumboden untergebracht.

Gleichwohl bleibt noch ein Volumen von 416 Litern fürs Gepäck. Der lokal emissionsfreie E-Motor mit Brennstoffzelle ist verbrauchstechnisch mit einem Diesel vergleichbar, der 3,3 Liter Kraftstoff benötigt. Mit einem Kilo Wasserstoff (Preis: etwa 8,50 Euro) und ruhiger Fahrweise sollte man laut Mercedes maximal etwa 100 Kilometer weit kommen. Je nach Fahrweise, Anzahl von bergigen Streckenabschnitten, Straßenbeschaffenheit oder auch Gegenwind muss die B-Klasse während der Tour nach gut 300 Kilometern wieder an die Zapfsäule.

Mindestens 1000 Tankstellen sind flächendeckend nötig

Und genau hier liegt das Problem, das einstweilen dem Einsatz der Brennstoffzelle massiv im Weg steht: Weltweit gibt es gerade einmal 200 Wasserstoff-Tankstellen, in Deutschland gar nur sieben der Öffentlichkeit zugängliche. Unter diesen Umständen kann von wirklicher Alltagstauglichkeit also keine Rede sein - dazu bedürfte es laut Mercedes-Fachleuten allein zwischen Kiel und Konstanz mindestens 1000 Tankstellen.

Für die F-Cell-Werbetour konstruierte Mercedes gemeinsam mit einem Treibstofflieferanten eine fahrbare Füllstation, an der innerhalb von 20 Minuten die Tanks wieder gefüllt werden konnten. Unter normalen Umständen würde das Tanken nur etwa drei Minuten in Anspruch nehmen und wäre auch in keiner Weise gefährlicher als mit herkömmlichem Sprit. Doch in der Mitte von Irgendwo ist eben ein höherer Aufwand notwendig.

Ebenfalls keinen Unterschied zu einem Verbrennungsmotor gibt es in Sachen Fahrverhalten der Brennstoffzellen-Fahrzeuge. Der 136 PS starke Elektromotor erwies sich bei ersten Fahreindrücken sich als durchzugsstark und ausgesprochen agil, macht 170 km/h Spitzen Geschwindigkeit möglich. Doch dann würde auch auf bundesdeutschen Autobahnen wieder Regel Nummer Eins von Konvoi-Führer Jürgen Banken gelten: Auf die Tankuhr achten.

Der Elektromotor arbeitet praktisch lautlos

Doch egal wie schnell die Fahrt verläuft, eines ist auf jeden Fall anders: Der Elektromotor meldet sich praktisch unhörbar zur Arbeit, und gegen Vibrationen aus dem Motorblock oder ein Pfeifen, das beim Ansaugen der Luft aufkommen könnte, haben die Mercedes-Techniker wirkungsvolle Strategien zur Dämpfung gefunden. Selbst stundenlange Fahrten haben auf diese Weise etwas sehr Entspannendes und Beruhigendes.

Einige Unternehmen haben sich bereits entschieden, eines der Kleinserien-Fahrzeuge für ihren Fuhrpark zu leasen. Deren Nutzer müssen sich allerdings bis zu einer flächendeckenden Ausbreitung des Tankstellen-Netzes wohl noch eine ganze Weile in einem üben: behutsam mit dem Gaspedal umzugehen.
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