Hilfsmittel mit Fallstricken: Der Kfz-Versicherungswechsel im Netz

Von: Tobias Hanraths, dpa
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KFZ-Versicherung im Netz wechseln
Der Markt für Kfz-Versicherungen ist für Verbraucher oft eher unübersichtlich. Den Weg durch den Tarifdschungel weisen Vergleichsportale im Internet - deren Benutzung hat aber ihre Tücken. Foto: dpa

Berlin/Magdeburg. Die Kfz-Versicherung könnte dieses Jahr für viele Autofahrer deutlich teurer werden als bisher. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet damit, dass die Beiträge bis Ende des Jahres um 3,4 Prozent steigen werden. Grund dafür sind unter anderem die harten Winter, durch die die Unfallzahlen deutlich gestiegen seien, erläutert Verbandssprecher Christian Lübke.

Nicht nur deshalb könne sich ein Wechsel der Versicherung lohnen, sagt Jochen Oesterle vom ADAC: „Es kommen ständig neue Tarife und Angebote dazu. Gerade für Fahranfänger und Familien hat sich im vergangenen Jahr einiges getan.”

Allerdings braucht die Suche nach einer neuen Versicherung etwas Zeit. „Ein paar Stunden würde ich mir schon nehmen”, sagt Siegfried Karle vom Verein Geld und Verbraucher. Die meisten Verbraucher greifen zum Tarifvergleich auf entsprechende Seiten im Internet zurück, darunter Finanzscout24, Toptarif oder Check24. Bewaffnet mit Fahrzeug- und Führerschein und den Versicherungspapieren sind die entsprechenden Formulare in 10 bis 20 Minuten ausgefüllt.

Verbraucherschützer Karle rät aber, nicht jedes Ergebnis für bare Münze zu nehmen: „Nicht alle Vergleichsdienste berücksichtigen wirklich alle Anbieter.” Dahinter stecken manchmal technische Hürden, manchmal aber auch kommerzielle Interessen der Betreiber. Deshalb sollten Autobesitzer lieber die Ergebnisse mehrerer Tarifrechner einbeziehen - auch wenn die Suche dann etwas länger dauert. „Bei manchen Diensten lassen sich die Suchergebnisse zwischenspeichern”, sagt Karle. Das erleichtere das Vergleichen.

Auch Sven Kretzschmar von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Magdeburg empfiehlt, den Online-Preisvergleich nicht als Allheilmittel zu sehen: „Für den Nutzer ist nur schwer nachvollziehbar, wie diese Systeme genau arbeiten.” Allerdings sagt er auch: Ohne Computerunterstützung gehe es nicht mehr, weil die Tarifsysteme in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden seien. „Es geht heute nicht mehr nur um Teil- oder Vollkasko, sondern um viel mehr Fragen.”

Einen guten Online-Tarifvergleich erkennt man unter anderem daran, dass er diese Komplexität abbildet. „Wenn der Computer sie nur nach Automodell und jährlicher Kilometerleistung fragt, ist das zu wenig”, sagt Kretzschmar. Eine Rolle beim Versicherungstarif spielen auch andere Faktoren - zum Beispiel die Frage, ob das Auto in der Garage steht, wer es neben dem Fahrzeughalter noch fährt und sogar, ob der Besitzer eine Bahncard hat. Gleichzeitig warnt der Verbraucherschützer aber davor, unbesorgt zu viele persönliche Daten ins Internet einzugeben. Rausrücken sollte man nur, was wirklich gebraucht wird: „Die Postleitzahl braucht der Tarifrechner schon, die genaue Anschrift auf keinen Fall.”

Sind alle Daten eingegeben, empfehlen Tarifrechner häufig sogenannte Direktversicherer. Bei denen werden die Policen nicht mehr mit Außendienstlern abgeschlossen, sondern direkt mit der Versicherung. Beratung und Kundenservice laufen über Internet und Telefon. „Da muss sich jeder selbst entscheiden, ob ihm das reicht”, findet Kretzschmar.

Aber nicht nur auf die Art der Beratung sollten Autofahrer vor dem Versicherungsabschluss achten. Für Siegfried Karle ist der Preis längst nicht das Wichtigste an der Kfz-Versicherung: „Entscheidend ist nicht, ob ich 20 Euro mehr oder weniger bezahle, sondern dass ich im Schadensfall anständig geschützt bin.”

Welches der richtige Schutz ist, hängt immer von den eigenen Lebensumständen ab: „Wenn das Auto nicht in der Garage steht, lohnt sich eine Versicherung gegen Marderbisse und die entsprechenden Folgeschäden”, gibt Karle ein Beispiel. Bei vielen Versicherungen lassen sich solche Zusatzoptionen nach dem Bausteinprinzip hinzubuchen - darunter zum Beispiel spezielle Policen für Fahrten ins Ausland, Entschädigung für Wildtierschäden oder länger geltende Neuwertentschädigungen. Bei vielen Online-Suchmaschinen können Nutzer gezielt nach Tarifen mit solchen Optionen suchen.

Stichtag 30. November: Wechsel rechtzeitig planen

Wer seine Kfz-Versicherung wechseln will, hat dafür noch bis zum 30. November Zeit. An diesem Tag endet in der Regel die Kündigungsfrist für das laufende Jahr. Jochen Oesterle vom ADAC empfiehlt, mit der Kündigung bis zur Unterzeichnung des neuen Vertrags zu warten. Denn Versicherer können Anträge für den Kaskoschutz ablehnen.

Die entsprechenden Schreiben werden am besten per Einschreiben mit Rückschein verschickt. Eventuell können Autobesitzer sich den Stress aber auch sparen, sagt Oesterle: „Wenn Sie mit Ihrem Versicherer zufrieden sind, sollten sie sich vor der Kündigung erstmal nach einem besseren Tarif erkundigen.” Denn der Wechsel innerhalb einer Versicherung sei oft weniger kompliziert.

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