Autoreparatur: Nicht jeder Kostenvoranschlag ist bindend

Von: amv
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München. Im Zusammenspiel zwischen Kunden und Autowerkstätten „gibt es immer wiederkehrende Streitpunkte“, weiß Klaus Heimgärtner, Jurist beim ADAC in München. Zu den Evergreens der verzichtbaren Art gehört beispielsweise der Ärger um einen Kostenvoranschlag. Ist der verbindlich? Darf er überschritten werden?

„Es ist richtig, dass der Unternehmer gemäß Paragraf 650, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) regelmäßig nicht an den veranschlagten Kostenbetrag gebunden ist“, skizziert Heimgärtner die grundsätzliche Rechtslage. Doch das bedeutet nicht, dass sich der Kunde alles gefallen lassen muss.

Wann eine - zur Kündigung berechtigende - wesentliche Überschreitung vorliegt, lässt sich allerdings nicht in Prozenten ausdrücken, Das ist vom Einzelfall abhängig. „Als Richtschnur wird man bei etwa 15 bis 20 Prozent von einer wesentlichen Überschreitung ausgehen, aber auch von dieser Faustformel kann es begründete Ausnahmefälle geben, wobei die Grenze jedoch bei maximal 25 Prozent zu ziehen sein dürfte“, zeigt Petra Schmucker vom Automobilclub AvD die Grenzen falsch verstandenen Unternehmertums auf.

„Wer den Vertrag kündigt, müsse jedoch in der Regel der Werkstatt die bis dahin geleisteten Arbeiten und Auslagen erstatten“, betont die Juristin. War die Kostenüberschreitung im Vorhinein nicht erkennbar - beispielsweise, wenn erst ein Motor demontiert werden muss und sich der Schaden dann ganz anders darstellt - muss die Werkstatt dem Auftraggeber die Überschreitung mitteilen und seine Genehmigung einholen.

Der Kunde kann den Vertrag mit der Werkstatt also kündigen, wenn der Kostenvoranschlag sich als falsch herausstellt oder wesentlich überschritten wird. Ganz anders liegt der Fall bei verbindlichen Kostenvoranschlägen, bei denen die Werkstatt dem Kunden einen bestimmten Preisansatz garantieren will. Das Kostenrisiko liegt hier bei der Werkstatt, die den vereinbarten Höchstpreis grundsätzlich nicht überschreiten darf.

„Um Unklarheiten zu vermeiden, sollte eine Verbindlichkeit daher in jedem Fall schriftlich und konkret im Kostenvoranschlag vereinbart werden“, rät die AvD-Juristin Petra Schmucker. Ganz oben auf der Skala der Pleiten, Pech und Pannen stehen zudem Missverständnisse über den gewünschten Umfang der Arbeiten. Muss der Wagen in die Werkstatt, dann sollte man ihn persönlich hinbringen.

„So schützen Sie sich gegen Missverständnisse beim Reparaturauftrag und damit verbundenen Kosten", rät ADAC-Fachmann Heimgärtner. „Geben Sie den Wagen nicht zwischen Tür und Angel ab. Besser ist es, für die Auftragserteilung genügend Zeit einzuplanen.“ Die Mängel sollten mit dem Kfz-Meister persönlich am Auto durchgesprochen werden. Schon bei einer optischen Prüfung kann er sagen, wo es hakt und was die Reparatur ungefähr kostet.

Außerdem schützt eine möglichst genaue Auftragserteilung vor ungewollten Reparaturen. Bei kleineren Reparaturen vereinbart man zweckmäßigerweise schriftlich eine Höchstsumme für den Auftrag. Die Überschreitung dieser Summe und weitere Reparaturen müssen dann abgesprochen werden. Hilfreich ist auch, eine Telefonnummer zu hinterlassen samt der klaren Anweisung um Rückruf, falls unvorhergesehene Mängel beseitigt werden müssen oder sich der vereinbarte Preis erhöht.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Deshalb sollte man mit dem Meister anhand der Rechnung die geleisteten Arbeiten durchgehen und umgehend reklamieren, wenn man bei der Abnahme unzufrieden ist. Erfahrungsgemäß lassen sich solche Fälle an Ort und Stelle besser klären als im Nachhinein. Für Reparaturen, die nicht im Auftrag enthalten sind und die ohne Absprache vorgenommen wurden, muss der Kunde nicht aufkommen.

Ist man trotz allem mit der Rechnung oder dem Ergebnis nicht einverstanden, sollte nur unter dem schriftlichen Vermerk „unter Vorbehalt“ bezahlt werden. „Das verdeutlicht den Streitfall zum Zeitpunkt der Abnahme und hält eine Rückforderung offen“, erläutert die AvD-Juristin, „denn bei einer vollkommenen Zahlungsverweigerung des Auftraggebers, kann die Werkstatt von ihrem gesetzlichen Pfandrecht Gebrauch machen und die Herausgabe des Wagens verweigern.“

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