Aachen/Amman - „Allgäu Orient Rallye“: Aachener Studenten gehen an den Start

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„Allgäu Orient Rallye“: Aachener Studenten gehen an den Start

Von: Robert Baumann
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Ungewöhnlicher Schlafplatz: Auf den Dächern ihrer Autos übernachten die Studenten während der Rallye. Foto: Robert Baumann

Aachen/Amman. Der erste Platz wäre tierisch. Buchstäblich. Überqueren sie als erstes Team die Ziellinie, winkt der Hauptpreis – ein echtes Kamel. Lange würde die Freude der sechs Aachener Studenten an ihrem Preis aber nicht währen. Das Kamel mit nach Deutschland nehmen? Unmöglich!

Sie würden es daher lieber einer bedürftigen Familie in Jordanien schenken. Aber soweit ist es noch nicht. Noch ist das Team „2Fast 2Curious“ (frei übersetzt: zu schnell, zu ausgefallen) gar nicht losgefahren. 6666 Kilometer liegen noch vor ihnen – ein Abenteuer, auf das die RWTH-Studenten seit langem hinfiebern. „So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Wir werden viele Länder bereisen und Orte besuchen, wo ein normaler Tourist nie hinkäme“, sagt Teamchef Lukas Winter.

Die Sechs – das sind neben Lukas Winter, Felix Noßke, Sven Pleines, Markus Kordes, Julius Henke und Jonas Feldkamp – haben sich für die „Allgäu Orient Rallye“ angemeldet, am 3. Mai geht es los. Mit der Startnummer zwei werden sie sich mit ihren drei Autos von Oberstaufen, einer Stadt im Allgäu, nach Jordanien durchkämpfen. 110 weitere Teams werden es ihnen gleichtun.

Doch von Anfang an: 2012 hört Lukas Winter, mit 26 Jahren der Älteste im Team, von einem Kommilitonen, der bei der Rallye mitgefahren ist und begeistert berichtet. Von da an lässt ihn der Gedanke selbst teilzunehmen nicht mehr los. Mit der Anmeldung zur „Allgäu Orient Rallye“ im Sommer vergangenen Jahres wurde das Vorhaben konkret. Seitdem steckt das sechsköpfige Team intensiv in den Vorbereitungen. „Das ist wie in einem kleinen Unternehmen. Jeder muss mit jedem zusammenarbeiten und hat einen bestimmten Aufgabenbereich wie Finanzen oder Planung“, sagt Team-Mitglied Sven Pleines.

Unterbodenschutz

Ihre Autos kauften die RWTH-Studenten über das Internet und bauten die Fahrzeuge um. Zum Schutz vor den zu erwartenden schlechten Straßenverhältnissen – Autobahnen dürfen auf der Rallye nicht benutzt werden (siehe Info) – sind die Autos mit einem Unterbodenschutz verkleidet. Auf jedem Wagendach haben sie einen großen weißen Kasten montiert, der an eine überdimensionierte Skibox erinnert. Er ist für die Dauer der Rallye ihr Schlafplatz. Auf einer Fläche von 2,20 mal 1,20 Metern werden pro Fahrzeug zwei Team-Mitglieder Platz finden, eine Strickleiter erleichtert den Aufstieg ins kleine Schlaflager. In den Autos haben sie Funkgeräte eingebaut, um miteinander kommunizieren zu können.

Natürlich spielt auch das äußere Erscheinungsbild eines Rallye-Wagens eine große Rolle. Dazu haben die Studenten tagelang die Fahrzeuge umlackiert. An der Seite der Kombis verlaufen drei farbige Streifen, an den Fensterscheiben prangen die Namen der Rallye-Teilnehmer, und der Schriftzug „Team 2f 2c.de“ – ein Verweis auf die teameigene Internetseite – ziert die Heckscheibe.

Wenn es im Mai losgeht, müssen die Sechs erst einmal mit ihren Autos nach Oberstaufen in Süddeutschland – dem Startpunkt. Dort sitzen die Ideengeber der Rallye, die diese zum neunten Mal veranstalten. Von Oberstaufen führt die Route die Teilnehmer über den Balkan nach Istanbul, Anatolien, Nord-Zypern und Israel bis nach Amman in Jordanien. 600 bis 700 Kilometer müssen die Fahrer pro Tag zurücklegen.

Auf der Tour müssen sie zudem Aufgaben lösen und Prüfungen bestehen, die in einem so genannten Roadbook stehen. Was das genau sein wird, wissen sie jetzt noch nicht. Einen Vorgeschmack gibt Max Holodynski vom Rallyesportverein an der RWTH Aachen, der im vergangenen Jahr teilnahm. „Wir mussten ein Instrument lernen und dann einem Bürgermeister ein Lied vorspielen“, erinnert er sich. Weitere Aufgaben könnten ein Team-Foto an jedem Grenzübergang sein, das Tauschen von Biersorten in jedem Land oder das Fahren auf der Rennstrecke in Istanbul. „Diese Rallye möchte kulturell verbinden“, sagt Markus Kordes vom Team „2Fast 2Curious“. „Ich freue mich, durch Städte und Dörfer zu fahren, über Marktplätze zu schlendern, Menschen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“

Während der Rallye bekommen die Teilnehmer von den Organisatoren absichtlich Zeit, um sich mit den Menschen und Kulturen einzelner Länder auseinanderzusetzen. Denn darum geht es bei der Rallye im Kern: Völkerverständigung. In Jerusalem haben sie drei Tage Aufenthalt, in der Türkei treffen sich alle Teilnehmer in einem Fahrerlager. Und das an einem ganz besonderen Platz – unmittelbar an der Blauen Moschee. Zwei Nächte verbringen sie dort, es gibt eine Bühne und Programm.

Bei der rund dreiwöchigen Rallye steht neben dem Spaß die humanitäre Hilfe im Vordergrund: Die Teilnehmer fördern gemeinnützige Projekte in der Türkei, Israel und Jordanien. In Amman, dem Ziel der Rallye, müssen die Teilnehmer ihre Fahrzeuge abgeben. Sie werden für einen guten Zweck versteigert. 2013 zum Beispiel unterstützte die Rallye mit den Geldern die Dream Foundation, eine Hilfsorganisation in Jordanien, die sich dem Kampf gegen den Hunger verschrieben hat und die medizinische Versorgung von Armen gewährleistet. 2012 wurde aus den Rallyegeldern eine Schule in Anatolien mit Computern und Technik ausgestattet.

Die sechs Aachener Studenten bleiben nach der Rallye noch eine Woche in Amman, bevor sie mit dem Flugzeug die Heimreise nach Deutschland antreten. Dort wollen sie die Hilfsorganisation „Day“ – Dar Al Yasmin – unterstützen. Das Projekt hilft syrischen Flüchtlingen, die in einer Gemeinschaft in dem jordanischen Dorf Zaatari leben. Sie versorgen die Kinder dort mit Hygienehilfsmitteln, Schulmaterial und vielem mehr. Die Aachener Studenten wollen der Organisation Hilfsgüter, die sie aus Deutschland mitnehmen, übergeben.

Günstig ist das Abenteuer für die Aachener nicht. 222,22 Euro beträgt das Startgeld pro Person, mit 4500 Euro rechnen die Studenten für Benzin, hinzu kommen Kosten für die Fähre und für den Rückflug nach Deutschland. Alles in allem rund 25.000 Euro, schätzt das Team. Daher suchen die Studenten auch immer noch händeringend Sponsoren, die ihr Vorhaben finanziell unterstützen.

Respekt, aber keine Angst

Große Sorgen vor ihrer Reise durch bis zu zwölf Länder machen sich die Studenten nicht. „Es ist von der Organisation festgelegt, dass man nicht durch gefährliche Regionen fährt. Wir haben Respekt vor der Reise, aber keine Angst“, sagt Markus Kordes. Die Abenteuerlust überwiegt bei den Sechs, und sie zählen schon die Tage bis zum Start. „Wir haben jetzt so lange geplant und überlegt, was alles passieren kann. Das wird ein großes Abenteuer“, sagt Lukas Winter mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Jetzt sind es nur noch Kleinigkeiten, die bis Mai erledigt werden müssen. Die eine oder andere Impfung, eine Lichtmaschine fehlt noch für ein Auto, und eine Shisha – eine Wasserpfeife – will das „2Fast 2Curious“-Team auch noch einpacken. „Ich bin schon richtig nervös. Es muss jetzt endlich losgehen“, sagt Markus Kordes mit einem genauso breiten Grinsen wie das seines Teamkollegen.

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