Wenn Pariser über sich selbst lachen

Von: Matthias Sander, dpa
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Paris. Sie sind arrogant, unfreundlich und halten ihre Stadt für den Nabel der Welt - so lautet das Klischee über Pariser. Ein französischer Kabarettist greift diese Stereotypen in seiner Show auf - mit großem Erfolg.

Und jetzt alle zusammen: die linke Augenbraue hochziehen, das rechte Auge zukneifen. Die linke Mundpartie mit Luft füllen. Nun die Luft über die zusammengepressten Lippen mit einem „Pfff” entweichen lassen - fertig ist der typische Laut, mit dem Pariser wortlos Missbilligung ausdrücken. Das internationale Publikum tobt und imitiert jubelnd die Steigerungsform, die der Kabarettist Olivier Giraud vorspielt: „Erst oh, là, là! sagen, dann Pfff machen”. Wieder eine Lektion gelernt in Girauds englischsprachigem Einmannstück „How to become Parisian in one hour”.

„Wie man in einer Stunde Pariser wird” zeigt der 32 Jahre alte Franzose Woche für Woche im ausverkauften Théâtre de la Main dOr im 11. Arrondissement im Pariser Osten. In acht Alltagsszenen demonstriert Giraud anhand angelsächsischer Figuren, wie man sich in Paris nicht verhält: Bloß nicht den Taxifahrer fragen, ob er Paris mag - man riskiert die Antwort: „Nein. Zu viele Touristen hier.” Dann lieber auf die Pariser Art, die Giraud nach den Negativbeispielen demonstriert: Gekonnt fluchen, wenn nicht gleich das erste Taxi anhält. Besserwisserisch dem Fahrer sagen, wo er langzufahren hat. Und schließlich auf den Cent genau bezahlen.

Girauds Spektakel bedient viele altbekannte Klischees über Pariser, ja überhaupt über Franzosen. Der ungeduldige Kellner wartet gar nicht erst auf die Bestellung, sondern ruft schon von weitem: „Hähnchen oder Fisch?” Der Metro-Fahrgast starrt deprimiert vor sich hin. Und in die Nobeldisko kommen Frauen nur rein, wenn sie „den Femme-fatale-Blick aufsetzen und ihre Haare wie in der Parfüm-Werbung zurückwerfen”, erklärt der Kabarettist.

Doch was ist wirklich dran an all dem? Nimmt man die Publikumsreaktionen als Maßstab - eine Menge. Giraud muss nur einen Modeverkäufer als nächste Figur ankündigen, und das Publikum bricht in Gelächter aus. Der Verkäufer entpuppt sich wie erwartet als arrogant und wortkarg. „Es stimmt einfach, dass wir überhaupt keine Dienstleistungsmentalität haben”, sagen zwei Pariser Zuschauerinnen unisono. „Aber es tut gut, mal darüber zu lachen.” Nabil glaubt, dass die Pariser genauso arrogant sind wie andere Hauptstädter auch. Julien hat in London gelebt und widerspricht: „Wir Pariser haben schon ein bisschen die südländische Mentalität. Wir sind einfach schnell gereizt.”

Auch der Kabarettist selbst sagt ernsthaft: „Ich übertreibe kaum. Paris ist einfach so: niedrige Löhne, teure Wohnungen, unfreundliche Leute.” Giraud hat fünf Jahre lang in den USA gelebt. „Dort sind mir diese kulturellen Unterschiede richtig bewusst geworden.” Was auch immer an den Klischees über Pariser dran ist - Giraud scheint einen Nerv getroffen zu haben. Seit 14 Monaten zeigt er sein Stück, die Vorstellungen wurden jüngst bis Dezember verlängert. Nächstes Jahr tourt Giraud in Europa und Nordamerika. „Als ich in Paris nach einer Bühne für ein englischsprachiges Stück gesucht habe, hat man mich für verrückt erklärt. Das war für die Tournee jetzt viel einfacher”, sagt er. Kulturelle Unterschiede eben.
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