Wenn Mäher rasen

Von: Sabine Latterner, dapd
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Dass Menschen auf Rasenmähern um die Wette fahren, hat auch etwas mit dem Geldbeutel zu tun. „Wir brauchen einen bezahlbaren Motorsport, lautet das Motto bis heute”, erklärt Heiko Flensberg, Rennfahrer und Kenner der Szene. Foto: dapd

Castrop-Rauxel. Dieser Rasenmäher ist fast ein Bolide. Die Maschine hat 16 PS und bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Der Besitzer des ungewöhnlich leistungsstarken Gartengeräts ist Christian Rasch.

Der 46-Jährige aus Castrop-Rauxel ist seit einigen Jahren Rasenmäher-Rennfahrer und trifft sich immer wieder mit Gleichgesinnten zum sportlichen Vergleich. „Noch vor drei Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich je auf einem Rasenmäher Rennen fahre”, sagt Rasch schmunzelnd.

Doch irgendwann entdeckte er das Hobby für sich. „Ich habe mal mit Freunden zusammengesessen, als wir plötzlich aus einem Spaß heraus diese Idee hatten.” Eine Schnapsidee sei es damals gewesen, mittlerweile sei es für sie eine ernstzunehmende Freizeitbeschäftigung.

Dass Menschen auf Rasenmähern um die Wette fahren, hat auch etwas mit dem Geldbeutel zu tun. „Wir brauchen einen bezahlbaren Motorsport, lautet das Motto bis heute”, erklärt Heiko Flensberg, selbst Rennfahrer und Kenner der Szene. Mittlerweile sei der Sport in ganz Deutschland verbreitet, sagt Flensberg. Er schätzt die Zahl der Rennen auf jährlich etwa 20 und die Anzahl der Fahrer auf etwa 250 bis 300.

Einer davon ist Christian Rasch. Sein Aufsitzmäher war mal ein ganz herkömmliches Gartengerät aus dem Baumarkt, schaffte ursprünglich nicht einmal zehn Stundenkilometer. Heute sieht das Gerät kaum noch aus wie ein Rasenmäher, sondern viel mehr wie ein kleines Renngefährt. Rasch entfernte das Mähwerk, baute einen leistungsstärkeren Pumpenmotor ein und motzte auch optisch auf.

Ganz wichtig: Er montierte breitere Reifen mit dickem Profil. Bei rasanten Fahrten über unebenen Ackerboden sind die unabdingbar. Schließlich geht es bei einem Rasenmäherrennen ordentlich zur Sache und in die Kurven.

Christian Rasch startete bereits zweimal mit seinem Team bei einem großen Rennen in Waltrop, Kreis Recklinghausen: Auf einem Acker treten die Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen in unterschiedlichen Leistungsklassen gegeneinander an. Ein Safety Car führt sie zunächst an, dann erfolgt der fliegende Start.

Die Kontrahenten drehen Runde um Runde mit einer Länge von je einem Kilometer. Zwischendurch sind Boxenstopps zum Tanken oder zwecks Fahrerwechsel möglich. Rasch: „150 bis 160 Runden können das schon werden.” Das gehe natürlich stark auf die Knochen. Von dem Rennen hat man echt zwei Wochen später noch was„, weiß auch Ingo Otte, Teamkollege von Rasch. Allein die Teilnahme sei durch die enorme körperliche Belastung eine echte Leistung. ”Es macht Spaß„, sagt er.

An ihre Premiere als Rasenmäherfahrer hingegen erinnern sich die beiden nicht so gerne: ”Wir haben das Lenkrad verloren„, berichtet Otte. ”Und nach der zweiten Runde sind uns die Reifen weggeflogen." Im Nachhinein ist die Pannenserie aber schon amüsant. Und lehrreich. Heute kann den Arbeitskollegen Otte und Rasch das auf der Rennstrecke wohl nicht mehr passieren. Sie hegen und pflegen ihren rasenden Mäher, schrauben immer wieder an ihm herum. Schließlich steht in der Saison etwa alle zwei Woche ein neues Rennen an.
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