Dortmund - Vom Rosenverkäufer zum Autor: Bangladeschi schreibt Biografie

Vom Rosenverkäufer zum Autor: Bangladeschi schreibt Biografie

Von: Tim Gabel, dpa
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Der Rosenverkäufer - Golam Khair
Golam Khair hat das Buch „Der Rosenverkäufer” geschrieben. Foto: dpa

Dortmund. Ein großer Strauß roter Rosen schiebt sich durch die Tür der Szene-Kneipe in einem Dortmunder Studentenviertel. Dahinter verstecken sich das breite Lächeln und die funkelnden braunen Augen eines unscheinbaren Mannes. Golam Khair bahnt sich seinen Weg durch die Menge. „Wollen sie eine Rose kaufen?”

An jedem Tisch bleibt er stehen, sagt den gleichen Satz, dutzende Male jeden Abend, seit er im Jahr 2000 aus Bangladesch nach Deutschland kam. Er hat sich nicht vorgestellt, das er einmal mit Blumen „um sein Überleben bettelt.” In seiner Heimat war der 39-Jährige Manager, hatte Wirtschaft studiert.

Als politischer Flüchtling kam Golam Khair nach Deutschland. Jetzt ist er unter die Schriftsteller gegangen. Das Buch mit seiner bewegten Geschichte trägt den schlichten Titel „Der Rosenverkäufer” und ist im Selbstverlag erschienen.

Es war ein schwüler Abend in Bangladesch im Oktober 2000, der seine Welt auf den Kopf stellte. Seine Welt, das war damals ein buntes Familienleben mit neun Geschwistern und seinen Eltern in der Hauptstadt Dhaka. Er war Marketing-Chef einer internationalen Textil- Firma. „Ich wohnte mit meinen Eltern und Geschwistern in einem großen Haus in der Stadt. Jeden Abend haben wir zusammen gegessen und Musik gemacht.”

An dem besagten Abend schickte ihn sein Chef, Bürgermeister eines kleinen Ortes in der Nähe von Dhaka, zu einer Wahlkampfveranstaltung. „Menschen aus einer anderen Partei verprügelten mich dort und drohten, mich und meine Familie umzubringen.” Er flüchtete, zwei Tage später hatte er ein Touristen-Visum für Deutschland, am gleichen Abend setzte er sich in den Flieger nach Frankfurt.

Deutschland hatte sich der Bangladeschi anders vorgestellt, freundlicher. Eine Odyssee durch verschiedene Aufnahmeeinrichtungen ließ der 39-Jährige über sich ergehen. Dort wurde er oft beschimpft. Schließlich landete er in Dortmund, begann den Rosen-Verkauf. An eine feste Arbeitsstelle ist für ihn als Asylbewerber ohne Arbeitserlaubnis nicht zu denken.

„Manchmal sind es nur zwei Rosen am Abend, manchmal verkaufe ich 50, reich wird man jedenfalls nicht”, sagt Khair. Aber er richtete sich ein und fand sich mit seiner Situation ab. „Ich habe eine kleine Wohnung, etwas zu essen und inzwischen viele nette Menschen bei meiner Arbeit kennengelernt.”

Bei seiner Familie konnte er sich zuerst nicht melden, weil das Geld fehlte: „Die dachten, ich melde mich nicht, weil ich hier im Überfluss lebe und jeden Tag im Geld bade.” Um ihnen seine Situation zu schildern, fing er an, einen Brief zu schreiben. Der war plötzlich 200 Seiten lang. Freunde bestärkten ihn, weiter zu machen. „Also hab ich gedacht, schreib ich einfach ein Buch.”

Im vergangenen Jahr erschien es. Inzwischen hat er über 200 Exemplare verkauft, das Stück zu 12,90 Euro. Auch eine Dortmunder Buchhandlung vertreibt sein Erstlingswerk.

Das Buch ist ein authentischer Erlebnisbericht und zugleich eine unterhaltsame Gesellschaftsstudie. Neben seinen Rosen nimmt er jetzt an jedem Abend auch einen Rucksack seiner Bücher mit auf den Weg durch die Kneipen. Seiner Autobiografie „droht” nun allerdings ein weiteres Kapitel: Weil nach zahlreichen Asylanträgen jetzt auch die Härtefallkommission des Landes NRW seinen Verbleib in Deutschland abgelehnt hat, soll Golam Khair in diesem Jahr abgeschoben werden.

„In Bangladesch ist die politische Situation relativ konstant, darum hat man wenig Chancen, als Bangladeschi in Deutschland als politischer Flüchtling unterzukommen”, vermutet Julian Bartels, ein Freund von Golam. Er hatte ihm beim Verfassen der Anträge auf politisches Asyl geholfen - aber ohne Erfolg.

Inzwischen wird Golam Khair nur noch geduldet. „Sobald mein neuer Pass da ist, muss ich raus.” Wahrscheinlich müsse er seine neue Heimat also nach acht Jahren wieder verlassen. „Ich bin dennoch glücklich über die Zeit hier in Deutschland und die vielen Menschen, die mich hier begleitet haben, die immer wieder versucht haben, mir zu helfen.”
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