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Valentinstag: Der weite Weg der roten Rosen

Von: Pierre-Christian Fink und Niklas Schenck, dpa
Letzte Aktualisierung:
Blumengroßmarkt vor Valentinstag
Eine Hand greift am Donnerstag (11.02.2010) auf dem Blumengroßmarkt in Stuttgart nach einer Rose der Marke "Grand Prix". Nicht nur aus Kolumbien kommen vor dem Valentinstag große Lieferungen, sondern auch aus Ecuador und Kenia. Die deutschen Gärtnereien können die Nachfrage bei weitem nicht decken: Über das ganze Jahr hinweg stammt nur ein Fünftel der in Deutschland gekauften Schnittblumen aus heimischem Anbau. Foto: dpa

El Rosal/Stuttgart. Wenn sich die Paare im fernen Deutschland ihre Liebe beweisen wollen, muss Yolanda Puente Überstunden machen. Von 6 Uhr bis 18 Uhr dauert dann ihr Arbeitstag auf der Blumenfarm „Flores Santa Fe” in El Rosal, einem Ort im kolumbianischen Hochland.

Kurz vor dem Valentinstag wird in den einfachen Gewächshäusern aus Brettern und Folien jede Hand gebraucht. „Wir haben in diesem Jahr mehr Rosen verkauft als je zuvor”, sagt Betriebsleiter Edgar Lopéz. Die meisten Blumen aus El Rosal gehen ins Ausland - einer der wichtigsten Abnehmer ist Deutschland.

Die Hochebene um die kolumbianische Hauptstadt Bogotá bietet beste Bedingungen für Blumenplantagen: Der Boden ist fruchtbar, der Regen reichlich und der Lohn niedrig. Nicht einmal 200 Euro verdient Puente im Monat. Dafür muss die 35-Jährige rund 2000 Blumen am Tag schneiden - bis die Finger schmerzen. „Das wird Jahr für Jahr schlimmer, und trotzdem gewöhnt man sich daran”, sagt Puente und blickt verlegen auf ihre Hände, die in Gummihandschuhen stecken und eine sperrige Gartenschere halten. „Mein Mann und meine Söhne müssen mir abends oft die Glieder weichkneten, damit ich am nächsten Tag wieder einsatzfähig bin.” Doch klagen will Puente nicht, immerhin besitzt sie einen festen Arbeitsplatz - im Gegensatz zu vielen Landsleuten.

Auf der Plantage „Flores Santa Fe” bringen zwei Pferde die abgeschnittenen Blumen von den Gewächshäusern zur Verpackungshalle. „Das ist immer noch die beste Methode”, lacht Farm-Berater Costa Ramirez. „Die beiden Pferde vergiften uns nämlich nicht mit Abgasen die Blumen.” In der Verpackungshalle stehen rund 25 Arbeiterinnen an kleinen Tischen. Unter dem Schein von Neonröhren rollen sie Bündel von Blumen in Plastiktüten. Hier beginnt der weite Weg der roten Rosen - von der Plantage in die Blumenvase.

Rund 9000 Kilometer liegen zwischen Kolumbien und Deutschland, doch die Reise der Blumen dauert meist nur zwei Tage. „Das muss schnell gehen”, sagt der Chef des Stuttgarter Blumengroßmarkts, Heiner Lorenz. „Wir handeln schließlich nicht mit Schrauben, sondern mit Blumen - und die sind verderbliche Ware.” Kühl muss es deswegen sein im Flugzeug von Südamerika nach Holland oder Frankfurt, den wichtigsten Umschlagplätzen für Blumen mit Ziel Deutschland.

Nicht nur aus Kolumbien kommen vor dem Valentinstag große Lieferungen, sondern auch aus Ecuador und Kenia. Die deutschen Gärtnereien können die Nachfrage bei weitem nicht decken: Übers ganze Jahr hinweg stammt nur ein Fünftel der in Deutschland gekauften Schnittblumen aus heimischem Anbau, wie der Zentralverband Gartenbau berechnet hat. Vor dem Valentinstag dürfte der Anteil noch niedriger liegen. „Wegen der Kälte ist es im Moment wahnsinnig teuer, das Gewächshaus zu heizen”, sagt Renate Hoffmeister, die in Ludwigsburg eine Gärtnerei besitzt. „Vor Ende März gibt es keine eigenen Rosen.”

Morgens um 5.30 Uhr am Stadtrand von Stuttgart. In der niedrigen, grauen Halle des Blumengroßmarkts herrscht schon Hochbetrieb. Dutzende Floristen eilen über den Betonfußboden, der fast die Fläche eines Fußballfelds bedeckt. Als Einkaufswagen dienen mannshohe Metallregale mit Rollen. Auf fast jedem der Gestelle liegen rote Rosen. „Die Kunden wollen einfach den Klassiker haben”, sagt die Blumenhändlerin Ulrike Hess-Nähr aus Leinfelden-Echterdingen, während sie einen Pappbecher mit Kaffee zum Wachwerden in der Hand hält.

Draußen ist es noch dunkel, drinnen leuchten Neonröhren das riesige Angebot aus: In Zehnerbündeln reihen sich die Rosensorten aneinander - mit Namen wie „Grande Amore”, „Red Naomi”, „Passion” oder „Grand Prix”. Blumen, die um die halbe Welt geflogen wurden, um bald in deutschen Vasen schön auszusehen.

Kurz vor dem Valentinstag schießen die Preise auf dem Großmarkt nach oben. Rote Rosen seien derzeit mehr als doppelt so teuer wie normalerweise, sagt Blumenhändlerin Ilona Ludwig aus Waiblingen. Zudem mache sich die Wirtschaftskrise bemerkbar. „Die Kunden überlegen sich schon, ob sie mit einem riesigen Strauß zu ihrer Frau kommen sollen oder ob es nicht auch ein einzelnes Röslein tut.” Wegen der hohen Preise für Rosen rät die Stuttgarter Floristin Karin Engel, auf Ranunkeln und Tulpen umzusteigen. „Wir versuchen mit allen Mitteln, unsere Kunden auf einen anderen Weg zu bringen - aber ohne Erfolg. Zum Valentinstag müssen es einfach rote Rosen sein.”
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