Urlaubsfotos und eine Netzlawine

Von: Amien Idries
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„Das ist Nelson. Nelson hat mein gestohlenes iPhone”: Katy McCaffrey stellt die fremden Fotos von ihrem iPhone auf ihre Facebook-Seite. Foto: Screenshot

Aachen. Es sind banale Schnappschüsse, wie man sie vermutlich auf jedem Smartphone der Welt findet: junger Mann vor Sonnenuntergang, junger Mann im Kreis von anderen jungen Männer, zwei junge Frauen im Arm von jungem Mann. Da auch die Fotoqualität eher schlecht ist, gibt es auf den ersten Blick also wenig Gründe, warum das Facebook-Album, in dem sich die Fotos befinden, bereits knapp 20.000 Mal auf dem Sozialen Netzwerk geteilt wurde.

Einen Hinweis auf die Gründe der Popularität gibt der Titel: „Stolen iPhone Adventures” hat Katy McCaffrey das Album genannt, das sie am vergangenen Dienstag online gestellt hat und das seitdem Kreise im Internet zieht. Das liegt an der Geschichte hinter den Fotos. Die geht nach Angaben McCaffreys so: Auf einer Kreuzfahrt mit einem Schiff der Disney-Reederei geht das iPhone der Amerikanerin verloren. Ob gestohlen oder verloren ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Nach ihrer Rückkehr entdeckt sie auf ihrer Online-Festplatte iCloud Fotos mit ihr unbekannten Menschen auf einem ihr gut bekannten Schiff. Häufig taucht ein junger Mann in der Uniform der Schiffscrew auf, den sie anhand seines Namensschildes als Nelson identifiziert.

Was der mutmaßliche Telefondieb Nelson nicht weiß: McCaffreys iPhone sendet alle Bilder per Fotostream an ihre iCloud, eine Festplatte in der sogenannten Wolke, auf die McCaffrey mit ihren anderen Geräten Zugriff hat. Eine Funktion, die relativ einfach ausgeschaltet werden kann, wenn man von ihr weiß. Nelson tut das offensichtlich nicht und knipst munter drauf los: die Crewkantine, den Landgang in Mexiko, eine Geburtstagsfeier in einer Kabine. Mit jedem Schnappschuss sendet er Beweise an die Eigentümerin.

„Im ganzen Netz verbreitet”

Die sammelt die Fotos, stellt sie am vergangenen Dienstag um 2.58 Uhr unserer Zeit auf ihre Facebook-Seite und setzt damit eine dieser Internet-Lawinen in Gang, deren Verlauf man durch die Facebook-Kommentare gut nachvollziehen kann. Zunächst sind die Fotos nämlich nur für Katys Freunde zu sehen. Die aber wittern das Potenzial der Geschichte und ermutigen die iPhone-Eigentümerin, die Fotos öffentlich zu machen, so dass sie jeder sehen kann. Die Freunde - McCaffrey hat derzeit rund 300 - teilen den Link, so dass auch deren Freunde auf die Bilder und die Geschichte aufmerksam gemacht werden. Und so weiter. Knapp 20 Stunden später wurde das Album bereits 350 Mal von anderen Facebook-Usern geteilt. Knapp 24 Stunden später greift die Online-Ausgabe des „New York Magazines” die Geschichte auf und auch das Radio wird aufmerksam. Bereits am Mittwoch hat die Geschichte vom mutmaßlichen iPhone-Dieb bereits die kritische Grenze überschritten und ein User schreibt: „Im ganzen Netz verbreitet”.

Neben der Veröffentlichung auf Facebook sendet McCaffrey die Bilder auch an die Disney-Reederei. Die hat Nelson, der sich noch auf dem Schiff befindet, in den Innendienst ohne Kontakt zu Passagieren versetzt und will dem Fall untersuchen. Ein Sprecher des Konzerns betont aber, dass es keine Vorverurteilung geben dürfe.

Und das iPhone von Katy McCaffrey? Das wurde von Disney sichergestellt und soll seiner ursprünglichen Besitzerin demnächst zugestellt werden. Zumindest für McCaffrey also gibt es ein Happy End.
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