Braunschweig - Uhren verstellen sich wie von Geisterhand

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Uhren verstellen sich wie von Geisterhand

Von: dpa
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Zeitumstellung
Am kommenden Sonntag (31.10.) beginnt die Winterzeit. Foto: dpa

Braunschweig. Langschläfer freuen sich, Diebe vielleicht auch, die meisten Menschen werden das Ende der Sommerzeit schlicht verschlafen. In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren um 3.00 Uhr um eine Stunde auf 2.00 Uhr zurückgestellt. „Das ist längst Routine”, versichert Michael Rost von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Die PTB ist laut Gesetz für die Umstellung der Zeit zuständig. Auch in der Wirtschaft gibt es offenbar keine Probleme mit dem jährlichen Prozedere - das meiste läuft dank Technik ohnehin wie von Geisterhand.

„Die Zeitumstellung hat überhaupt keine Bedeutung für VW”, sagt etwa eine Sprecherin des Wolfsburger Autobauers. Das Stammwerk gilt als größtes Automobilwerk der Welt unter einem Dach, knapp 50 000 Menschen arbeiten dort. Die Zeitumstellung stört sie nicht: „Es gibt keinen Aufwand, alles läuft vollautomatisch”, versichert die Sprecherin. Das sei auch schon zum Start der Sommerzeit vor 30 Jahren so gewesen. „Die Unternehmen haben sich eingestellt”, sagt auch Anja Klockenhoff von der Industrie- und Handelskammer Braunschweig. Auch ihr seien keine Klagen bekannt.

Für die PTB selbst gibt es schon gar kein Problem. Damit alle öffentlichen und privaten Funkuhren in der Nacht von 03.00 auf 02.00 springen, wurde schon vor Wochen der Computer der impulsgebenden Atomuhr in Mainflingen bei Frankfurt/Main programmiert. Über den Sender DCF 77 wird dann dafür gesorgt, dass die unzähligen Funkwecker automatisch die neue Zeit anzeigen. Auch über das Internet verbreitet die PTB die Änderung. „In der Regel kümmert sich dann das Betriebssystem eines Computers um die Zeitanpassung”, erläutert der Physiker.

Als die Bundesregierung die PTB zur gesetzlichen Hüterin der Zeit bestimmte, hatte sie anderes im Sinn als pünktliches Wecker-Klingeln. „Die Zeit muss stimmen. Viele Wirtschaftsunternehmen sind ebenso wie die Rundfunkanstalten auf eine genaue Zeitangabe angewiesen”, erläutert Rost. Telefon- und Energieanbieter erstellen damit zum Beispiel Tarifdaten. „Auch mehrere Zehntausend Ampelanlagen sind mit den Signalen synchronisiert werden”, sagt Rost. Nur so funktioniere eine „grüne Welle”.

Die meisten Funkuhren besitzt wahrscheinlich die Deutsche Bahn AG: Rund 120 000 Zeitmesser werden bundesweit in Bahnhöfen, Diensträumen und Automaten automatisch umgestellt. Die Fahrgäste können die Umstellung im stehenden Zug verschlafen: Etwa 40 Nachtzüge bleiben nach Angaben der Bahn eine Stunde in Bahnhöfen stehen, um nach der Umstellung von 3.00 auf 2.00 Uhr den Fahrplan erfüllen zu können.

Eine „Winterzeit” gibt es übrigens streng genommen nicht. Von Sonntag an gilt bis zum letzten Wochenende im März 2011 einfach die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) wieder. Dann wird wieder auf Sommerzeit umgestellt.

Als die Sommerzeit 1980 eingeführt wurde, sollte die gewonnene Stunde Tageslicht Energie sparen helfen. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen: „Die Sommerzeit bringt keine spürbaren oder messbaren Energieeinspareffekte”, sagt ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Es werde durch die längere Helligkeit zwar beispielsweise elektrisches Licht gespart, dafür morgens aber mehr geheizt. Durch das veränderte Freizeitverhalten an den hellen Abenden werde teils sogar mehr Energie verbraucht. Der Anteil des Lichts am gesamten Energieverbrauch liegt ohnehin nur bei einem Prozent und sinkt durch den Einsatz von Energiesparlampen weiter.

Stellt sich nur die Frage: Warum werden die Uhren überhaupt noch umgestellt? Eine Frage, die vor allem Politiker verschiedener Parteien immer mal wieder stellen. Da die Sommerzeit nun jedoch in der Europäischen Union eingeführt ist, würde ihre Abschaffung vermutlich unglaublich viel Zeit kosten.

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