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Turteln trotz Regens: Ursprung des Valentinstags in England

Von: Sebastian Döring, dpa
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Valentinstag
Der Valentinstag hat seine Ursprünge in England. Foto: dpa

London. Zum Valentinstag kurz nach Paris, Rom oder Venedig? Auf der Landkarte der Verliebten gehören britische Reiseziele selten zur Hitliste der romantischsten Städte Europas. Dabei ist England die Wiege des heutigen Liebesbrauchs - nicht nur in Bezug auf Rosen und Ramsch.

Beste Turtelstimmung trotz Regens verbreiten die abermillionen anonymen Liebesbriefe. Ein oder zwei solcher amourösen Karten gelten bei den Engländerinnen als schmeichelhaft, wer mehr als drei erhält, gilt als verrucht.

Die meisten der mehr als zwölf Millionen Valentinskarten erhalten nach Angaben der britischen Post aber Hunde, Katzen, Großeltern und Kinder.

Der alljährliche Ausbruch der Schreibkultur geht auf den Schriftsteller Geoffrey Chaucer zurück. Er entzückte König Richard II. am 14. Februar 1383 mit seinem 5454 Wörter reichen Liebesgedicht „Parlament der Vögel”.

In Allegorien auf den Menschen spricht er von der Paarungszeit der Vögel „am St. Valentinstag, wenn jeder Vogel jeder Gattung, die Menschen sich nur vorstellen können, zu diesem Platze kommt, um sich einen Partner zu suchen”.

Am besten scheint es für Verliebte im nordenglischen Kingston upon Hull derzeit zu laufen. Dort geben die Männer so viel für einen Blumenstrauß aus wie sonst nirgendwo im Königreich. Das nordirische Belfast dagegen sticht in der Statistik des Blumenlieferdienstes Flying Flowers dadurch hervor, dass die Anrufer gleich mehrere Aufträge loswerden - Zweifel über die Partnertreue sind angebracht. Die englischen Männer legen sich aber nicht ohne Eigensinn ins Zeug. Ihre Erwartungen sind der Umfrage einer Supermarktkette zufolge besonders hoch: Zwei Drittel erwarten ein Geschenk.

Auf der Suche nach dem besonderen Geschenk tauchen Verliebte oft gemeinsam in die unterirdische Londoner Silberschatzkammer ab, die mit ihren dicken Tresoren einem Hochsicherheitstrakt gleicht. „Es ist ein wohlgehütetes Geheimnis, noch nicht einmal die Leute über uns wissen, dass wir hier sind”, sagt eine aufgeweckte Schmuckhändlerin. Das Valentinsgeschäft boome am Samstag „mit ganz vielen Leuten aus Europa; das Pfund steht ja so miserabel”. Ihre Fingerkuppen, von denen der Nagellack abbröckelt, zeigen auf ein filigranes Armband für umgerechnet 175 Euro: „Das ist etwas für superschlanke Mädchen - fette können das nicht tragen.” Wer britischen Humor nicht mag und unangenehme Fragen vermeiden will, sollte sich nebenan das 1876 in Birmingham gefertigte, herzförmige Bilderrahmenpaar aus Sterlingsilber für 777 Euro angucken.

Im ganzen Land buhlen die Geschäfte mit einem rot-pink-goldenem „Valentines Wonderland” mit viel Glitter und Plüsch um das Geld der Verliebten. „This Shop Rocks” verspricht ein Szeneladen im Londoner Alternativ-Viertel Spitalfields. Umgarnt von roten Rüschenkleidern und weißen Hüten flankieren im Schaufenster antike Karten aus den Jahren 1900 bis 1940 mit Scherenschnitt, Prägung oder Aufklappüberraschung. Ein Bube mit roten Pausbacken versucht es mit charmantem Wortwitz: „Youre Purr-fect, lets be Valentines”.

Die Auswahl in den Shops ist noch groß. Unternehmer befürchten wegen der Rezession einen Einbruch des Valentinsgeschäfts, das hier so wichtig ist wie der Karneval in Deutschland, und dass die Briten ein Sprichwort zu ernst nehmen: „Money cant buy love” - Geld kann Liebe nicht kaufen.
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