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Türkische Hochzeiten: Traditionell feiern steht hoch im Kurs

Von: Mehmet Ata, dpa
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Türkische Hochzeit
Das Hochzeitspaar Zekiye Mermer und Ali Alcolak aus Bochum. Die beiden haben sich ihre Traumhochzeit verwirklicht: Im engsten Kreis, mit 400 Gästen, feierten sie den Bund der Ehe. Foto: dpa

Bochum. Ali Alcolak und Zekiye Mermer aus Bochum haben sich ihre Traumhochzeit verwirklicht: Im „engsten Kreis”, mit 400 Gästen, feierten sie den Bund der Ehe. Doch der Weg bis dahin war nicht einfach. Die Planung einer türkischen Hochzeit nimmt mehrere Jahre in Anspruch und verlangt viel Geduld und noch mehr Geld. Hier sind Nerven wie Drahtseile gefragt.

Ali und Zekiye können davon ein Lied singen. „Die Vorbereitungen waren der reinste Horror”, sagt Ali (26). „In dieser Zeit haben wir uns oft gestritten - untereinander, mit unseren Eltern und mit Verwandten”, fügt Zekiye (28) hinzu.

Das größte Problem: die Finanzierung der Hochzeit. „Die Planung der Hochzeitsfeier und die Einrichtung der neuen Wohnung haben unglaublich viel Geld gekostet”, erzählt Zekiye. Um den mittleren fünfstelligen Betrag aufbringen zu können, hat das Paar zwei Jahre lang gespart.

„Das normale Leben hört auf, man lebt nur noch für die Hochzeit”, sagt die junge Frau, die im öffentlichen Dienst arbeitet. Ali sei sogar für ein Jahr in die Schweiz gegangen, um in der Gastronomie zu arbeiten. „Die Beziehung hat sehr darunter gelitten”, sagt Zekiye.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Hochzeit zu finanzieren. Das Paar fängt früh an zu sparen oder nimmt einen Kredit auf, der dann jahrelang abgezahlt wird. Eine weitere Option ist, dass die Hochzeit von den Eltern des Bräutigams finanziert wird. Dann muss aber damit gerechnet werden, dass die Eltern über alles bestimmen.

„Viele Eltern sind heute aber nicht mehr in der Lage, eine Hochzeit zu bezahlen”, sagt Zekiye. Früher hätten die Eltern ein Leben lang für die Hochzeit der Kinder gespart. Dies sei heute aber nicht mehr die Regel.

Abgesehen von der Finanzierung war der Organisationsaufwand die größte Herausforderung für das Brautpaar aus Bochum. Bereits eineinhalb Jahre vor dem Hochzeitstermin begannen Ali und Zekiye mit der Planung.

Zunächst musste ein passender Hochzeitssaal gefunden werden. Als die Suche nach mehreren Wochen abgeschlossen war, machten sie sich auf Wohnungssuche. Parallel dazu musste das Paar die Hochzeitsfeier organisieren. Ein Termin jagte den anderen. Stress pur.

Der erste große Streit entzündete sich an der Frage der Gästeliste. „Für meine Eltern ist eine Welt zusammengebrochen, weil wir nur 400 Leute eingeladen haben”, sagt Ali. Viele Bekannte sind heute noch beleidigt, weil sie nicht zur Hochzeit eingeladen wurden. „Aber wir wollten eine kleinere, aber schöne Hochzeit - keine Hochzeit mit schlechtem Saal und schlechtem Essen.”

Obwohl der Aufwand für eine türkische Hochzeit sehr groß ist, wollen viele türkische Paare nicht auf die traditionelle Feier verzichten. Das Hochzeitsgeschäft boomt. Inzwischen lebt eine ganze Industrie davon. Saalbetreiber, Musikgruppen, Hochzeitsberater - es gibt viele, die sich aufs Heiraten spezialisiert haben.

Dazu gehört der in Köln ansässige Fernsehsender „Dügün TV” (Hochzeits-TV). Sein Kerngeschäft besteht in der Live-Übertragung von Hochzeiten. So können dank der Satelliten-Übertragung auch Verwandte in der 3000 Kilometer entfernten Türkei bei dem Großereignis dabei sein.

Selbst strukturschwache Stadtteile profitieren vom türkischen Hochzeitgeschäft - wie beispielsweise Marxloh in Duisburg. Der knapp 18.000 Einwohner zählende Stadtteil ist heute das Zentrum für Brautmoden. Aus ganz Deutschland reisen Heiratswillige an, um sich für den besonderen Tag einzukleiden.

Die Vorbereitungen haben sich gelohnt, sagen Ali und Zekiye heute. Mit ihrer Feier lagen sie voll im Trend. Wo früher türkische Paare mit annähernd 1000 Gästen in alten Industrieanlagen und mit Grillhähnchen gefeiert haben, entscheiden sich immer mehr Paare für kleinere, aber aufwendigere Feiern.

Damit werden türkische Hochzeiten denen der Deutschen ähnlicher. Aber nicht alle deutschen Gepflogenheiten lassen sich so einfach übertragen. „Wir hatten, wie auf deutschen Hochzeiten, allen Gästen Plätze zugewiesen”, erzählt Ali. „Aber niemand hat sich darum geschert.”
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