Tanzen auf Augenhöhe im Klub der Langen Menschen

Von: Petra Knobel, dpa
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Der Frankfurter Christian Bartsch (M) und andere Mitglieder des Klubs Langer Menschen (KLM) tun es am Sonntag in Erzhausen bei Darmstadt ihrem Tanztrainer Hans Hartmann (im Vordergrund rechts) gleich und üben den Cha-Cha-Cha. Sie treffen sich hier alljährlich zu einem Tanzwochenende, um Swing, Wiener Walzer, Quickstep, Rumba oder Cha-Cha-Cha zu lernen.

Erzhausen/Düsseldorf. Eigentlich sieht es aus wie ein ganz gewöhnlicher Tanzkurs. In der Saalmitte führen die beiden Lehrer „Schritt, Schritt, Wechselschritt” vor, und die Kursteilnehmer schwingen ihre Tanzbeine. Ziemlich lange Tanzbeine allerdings. Mit ebenso langen Menschen dran.

Denn im Saal der Sportvereinigung Erzhausen (Hessen) haben sich tanzwütige Mitglieder des Klubs Langer Menschen (KLM) zu einem Wochenendkurs eingefunden, um Swing, Wiener Walzer, Quickstep, Rumba oder Cha-Cha-Cha zu lernen.

„Hier können die Frauen endlich Schuhe mit hohen Absätzen anziehen und müssen ihrem Tanzpartner trotzdem nicht über die Schulter schauen”, sagt die aus Düsseldorf angereiste Brigitte Müller (1,83 m). Die 52-Jährige ist seit 1981 Mitglied und schätzt die familiäre Atmosphäre des Klubs mit deutschlandweit rund 2200 Mitgliedern.

Der Frankfurter Christian Bartsch (1,98 m) hat durch ein zufällig entdecktes Tanzwochenende überhaupt erst von der Existenz des Klubs für lange Menschen erfahren. „Das war für mich die erste Gelegenheit, um mit einer Partnerin auf Augenhöhe zu tanzen”, erinnert sich Bartsch, der inzwischen zu den Mitorganisatoren des Wochenendes gehört. Ursprünglich, so sagt er, sei der KLM in den 50er Jahren in München gegründet worden, um praktische Probleme gemeinsam zu lösen.

„Damals war es fast unmöglich, passende Klamotten zu finden. Es wurden Einkaufstouren oder Sammelbestellungen organisiert, um an Übergrößen zu kommen”, erklärt er. Mittlerweile gibt es bundesweit 23 selbstständige Klub-Bezirke, die regelmäßig Aktivitäten wie Stammtische, Wanderungen, Kegelabende oder eben Tanzwochenenden organisieren. „Es gibt pro Jahr drei Tanzwochenenden in oder bei Bremen, Frankfurt und Düsseldorf”, sagt Brigitte Müller, für die es wie für Bartsch stets schwierig war, einen Tanzpartner zu finden.

Dem Klub sei Dank gehört dieses Problem nun der Vergangenheit an - , und darüber freuen sich auch die anderen rund 60 Teilnehmer der Veranstaltung in Erzhausen. „Es gibt hier Tänzer, die auch privat ein Paar sind, aber auch solche, die durch den KLM ihren Partner für alle Tanzwochenenden gefunden haben, privat aber nicht zusammen sind”, erklärt Müller und gibt lachend zu, dass sich so manche Paare auch im Klub gefunden haben.

„Wir sind aber kein Kuppel-Klub!”, wirft Uschi Beier (1,85 m) ein, die seit ihrer Geburt „KLM-infiziert” ist. Beide Eltern seien lange Menschen, sagt sie, und so sei sie bereits als Kind bei Wanderungen und Veranstaltungen dabei gewesen. Im Alter von 16 Jahren ist sie dann selbst eingetreten, und ihren Ehemann hat sie im Kasseler Bezirk kennengelernt. „Für mich geht es im KLM darum, gemeinsam lang zu sein. Die Größe ist ja auf den ersten Blick meist das einzige, was die Mitglieder verbindet”, sagt Beier, deren Freundeskreis fast ausschließlich aus Langen besteht.

Eine weitere Gemeinsamkeit neben der Körpergröße ist aber an diesem Wochenende das Tanzen, das in drei Gruppen für Anfänger, Fortgeschrittene und Geübte erlernt oder vertieft wird. Beim Swing kommen die groß gewachsenen Paare schon ganz schön außer Puste und der Hunger meldet sich auch bald. „Bei Veranstaltungen muss für uns lange Leute übrigens immer ein extra-großes Buffet bereit stehen, denn wir haben natürlich einen der Körpergröße entsprechend großen Hunger,” erzählt Brigitte Müller.

Und sie erinnert sich an einen Klub-Ball, bei dem das Buffet schon nach kürzester Zeit leer gefegt gewesen sei: „Ich hatte also zwar hochhackige Schuhe und ein Abendkleid an und die bei Tanzwochenenden gelernten Schritte im Kopf, aber vom Buffet bekam ich nur noch zwei Buletten ab.” Das sei aber nur ein Mal passiert, sagt Christian Bartsch, denn inzwischen sage man dem Partyservice immer: „Pro langem Mensch bitte anderthalb Portionen rechnen.”
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