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Seelsorger: Loveparade-Betroffene brauchen noch lange Hilfe

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Loveparade
Kurz vor dem Unglück bei der Loveparade am 24.07.2010 stehen Menschen dicht gedrängt an einem Tunnelausgang in Duisburg. Foto: Daniel Naupold, dpa

Düsseldorf/Duisburg. Viele Betroffene der Duisburger Loveparade-Katastrophe vor eineinhalb Jahren sind mit dem Unglück noch lange nicht fertig. Sie leiden unter posttraumatischen Störungen und unkontrollierbaren Panikattacken, mussten umziehen oder ihren Job aufgeben.

Das sagte der evangelische Landespfarrer für Notfallseelsorge, Uwe Rieske, am Mittwoch in einer Bilanz in Düsseldorf. Bei dem Unglück waren am 24. Juli 2010 21 Technofans in einer Massenpanik erdrückt und Hunderte verletzt worden.

An den regelmäßigen Treffen der Notfallseelsorger mit Verletzten hätten 2010 und 2011 insgesamt etwa 120 Menschen teilgenommen. Etwa die Hälfte dieser Teilnehmer klagten über Störungen, viele hätten Therapien begonnen, berichtete Rieske. Die Dunkelziffer sei sehr hoch. Wie viele Teilnehmer, Ersthelfer am Unfallort, Rettungs- und Sicherheitskräfte insgesamt traumatisiert seien, lasse sich kaum feststellen.

In den Hilfsteams seien auch Ärzte, weil es beim Besuch des Unglücksortes auch Zusammenbrüche gegeben habe, berichtete Rieske. Manche erzählten, dass schon der Anblick eines Bauzauns, wie er an der Unglücksstelle gestanden hatte, bei ihnen bis heute Panik auslöse.

Da weiter Hilfebedarf bestehe, würden die regelmäßigen Treffen bis zum zweiten Jahrestag im Juli 2012 fortgesetzt. Eine begleitete Selbsthilfegruppe für verletzte Überlebende soll bis mindestens Ende 2012 arbeiten. Auch das Beratungsangebot im Internet und eine Telefon-Hotline blieben vorerst offen.

Ein großes Problem der Überlebenden sei ihr Schuldgefühl gegenüber den Angehörigen der Getöteten, sagte Rieske. Bei der Panik im dichten Gedränge hatten Menschen teils zu mehreren übereinandergelegen und miterlebt, wie neben oder unter ihnen andere starben.

Bei den Treffen habe es ergreifende Begegnungen zwischen Überlebenden und Angehörigen Getöteter gegeben, berichtete Rieske. „Ich habe erlebt, wie ihr Sohn starb”, habe ein Überlebender zu der Mutter eines Getöteten gesagt. „Und ich will, dass Du lebst”, habe sie geantwortet und ihm Bilder von ihrem Sohn gezeigt. „Vergebung können einander nur die Betroffenen geben”, sagte Rieske.

Der Unglücksort an einem ausrangierten Güterbahnhof in Duisburg soll erhalten und zu einer Gedenkstätte umgebaut werden. Dazu liefen gute Gespräche mit dem Eigentümer des Geländes, der dort ein Möbelhaus bauen will, sagte Rieske.

Die politische Verantwortung für die Genehmigung der Loveparade und das geplante Abwahlverfahren gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wegen der Katastrophe spielten in den Gesprächen nur am Rande eine Rolle, sagte Rieske. „Es geht vor allem um die Bewältigung des Unglücks.”
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