Hannover - Schornsteinfeger: Der schwarze Glücksbringer

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Schornsteinfeger: Der schwarze Glücksbringer

Von: André Jahnke, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Auf der Suche nach dem Glück findet man Schornsteinfeger(innen) häufiger als ein vierblättriges Kleeblatt oder ein Hufeisen. Foto: dpa

Hannover. Auf der Suche nach dem Glück findet man ihn häufiger als ein vierblättriges Kleeblatt oder ein Hufeisen: den Schornsteinfeger. Die Abergläubischen hoffen, es bringe Glück wenn man die goldenen Knöpfe seiner Jacke reibt, ihn küsst oder ihn anfasst, für Realisten ist dagegen nur eins sicher: Es bringt schmutzige Hände.

Trotzdem stellen frisch Vermählte ihn sich gerne an die Seite und auch bei der Glückslotterie ist er oftmals Pate. Selbst in Gute-Nacht-Geschichten für Kinder taucht der schwarzgekleidete Mann mit Zylinder auf dem Kopf und Bürste über der Schulter auf.

„Es kommt regelmäßig vor, dass ich Lottoscheine ausfüllen muss”, sagt Schornsteinfeger-Meisterin Julia Fritsch aus Lehrte bei Hannover. Zwar erhalte sie dabei das Versprechen, an den Gewinnen beteiligt zu werden, „es hat sich aber noch niemand nach der Ziehung bei mir gemeldet”. Das Attribut des Glücksbringers gehöre einfach zum Beruf dazu, erläutert die 24-Jährige.

Dieses entstand in einer Zeit, als der Kamin in einem Haus nicht schmuckes Beiwerk sondern lebensnotwendig war. War er verstopft oder zog schlecht, konnte weder gekocht noch geheizt werden. Der Kaminkehrer brachte Rettung und damit das Glück zurück und verhinderte zudem Hausbrände. Diesem Umstand ist auch die Kopfbedeckung des Schornsteinfegers geschuldet.

„Aus Dank wurde dem Berufsstand im 17. Jahrhundert in England der Zylinder verliehen”, erläutert der Leiter einer der größten Schornsteinfegerschulen Deutschlands in Langenhagen, Peter Theißen. Nach dem Motto: An dem Hut erkennt man den Stand in der Gesellschaft. Er selbst habe mittlerweile zwei Dutzend im Schrank. Gekauft habe er davon nicht einen einzigen. „Es sind alles Geschenke von Witwen, die keinen Bedarf mehr an den Zylindern hatten.”

Hinzu entwickelte sich im Laufe der mehr als 300-jährigen Geschichte der Schornsteinfeger eine mystische Legende: In einer vom Aberglauben geprägten Zeit glaubten die Menschen, dass der schwarz gekleidete Schornsteinfeger mit dem Teufel im Bunde war. So konnte er Geister und Unglücksbringer bannen und aus dem Hause fernhalten. Eher praktisch ist die Erklärung, dass die Schornsteinfeger früher ihren Lohn zum Jahreswechsel bei den Hausherren abholten. Dabei wünschten sie ihnen viel Glück fürs Neue Jahr.

„Wer mit Menschen nicht umgehen kann, hat in diesem Beruf nichts verloren”, betont Stephan Lange vom Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks Niedersachsen. Freundlichkeit und Sauberkeit seien noch wichtiger als Fachkompetenz. „Schließlich dringen wir in die Privatsphäre der Menschen ein und bekommen oft sogar den Hausschlüssel, um die Messungen durchzuführen.” Daher stehen für die Lehrlinge in der dreijährigen Ausbildung auch Kundennähe und Kommunikationstraining auf dem Stundenplan.

Zukunftssorgen müssen sich angehende Schornsteinfeger derzeit nicht machen. Den Arbeitsmarkt bezeichnet der Berufsverband als ausgewogen. „Vor einigen Jahren mussten die Meister noch bis zu 15 Jahre auf einen Kehrbezirk warten. Heute werden diese öffentlich ausgeschrieben und gelten auch nur noch für sieben Jahre”, erläutert Lange. Bundesweit gibt es etwa 8000 Betriebe mit 20.000 Schornsteinfegern und Lehrlingen.

Wie viele der Kaminfeger selbst an das Glück durch ihren Berufsstand glauben, ist nicht klar. Unter den Lottomillionären sind sie laut Toto Lotto Niedersachsen nicht überproportional vertreten. Abergläubisch sind sie trotzdem. „Nach meiner Gesellenprüfung wurde mir gesagt, den Zylinder kauft man nicht selbst, sondern lässt ihn sich schenken. Das bringe Glück”, sagt Julia Fritsch.
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