Freiburg - Schmale Tür ins letzte deutsche Damenbad

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Schmale Tür ins letzte deutsche Damenbad

Von: Doreen Fiedler, dpa
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Damenbad
Eine Besucherin des Damenbades im Lorettobad in Freiburg steigt in das Schwimmbecken (Foto vom 18.06.2009). Seit 1886 gibt es in Freiburg das Frauenbad im Lorettobad - heute ist es das letzte Damenbad Deutschlands. Im Kaiserreich war es einst die Sorge um Sitte und Moral, die die Trennung der Badebereiche nötig machte. Mehr als 100 Jahre später werden die Frauen von der entspannten Atmosphäre angezogen. Foto: Rolf Haid dpa

Freiburg. Die schmale Tür ins für Männer verborgene Reich öffnet sich immer nur kurz. Ein oder zwei Frauen schlüpfen dann hindurch, bevor die weißen Holzlatten den Blick wieder versperren. Männeraugen werden zurückgehalten von einem schlichten Schild mit dem Aufdruck „Damenbad”.

Dahinter liegt, eingerahmt von langen Reihen aus nostalgisch anmutenden Umkleidekabinen, eine alte Institution. Seit 1886 gibt es in Freiburg (Baden-Württemberg) das Frauenbad im Lorettobad - heute ist es das letzte Damenbad Deutschlands.

Im Kaiserreich war es einst die Sorge um Sitte und Moral, die die Trennung der Badebereiche nötig machte. Mehr als 100 Jahre später werden die Frauen von der entspannten Atmosphäre angezogen. „Hier ist es gepflegter, schnuckliger, und man fühlt sich unbeobachtet”, schwärmen zwei hübsche junge Damen, die ihr Bikini-Oberteil abgelegt haben. „Wir genießen die Zeit ohne Gaffereien.”

Doch ganz ohne Mann geht es nicht: Günter Maier ist nicht nur stellvertretender Betriebsleiter, sondern auch Bademeister im Lorettobad. „Für mich sind das alles Badegäste, ob Männlein oder Weiblein, ob jung oder alt”, sagt Maier. Als gelassener Profi will der 55-Jährige ordentlich seinem Job nachgehen, ob nun im Familienbad auf der einen Seite oder im Frauenbad auf der anderen Seite des Pallisadenzaunes. „Es gibt Personen, die machen ein Problem daraus, dass ich ein Mann bin”, weiß aber auch Maier.

Wenn der Bademeister durch die Tür tritt, sonnen sich zwar die meisten Frauen ungeniert weiter. Andere aber gucken pikiert, einige Muslima verschwinden gleich in die Umkleidekabine. „Die haben mich auch schon nach dem Dienstplan gefragt”, erklärt Maier. Doch selbst wenn seine Kollegin Dienst habe, müsse diese ab und an eine Pause einlegen. Dann ist Maier der einzige Herr unter Hunderten von Damen.

„Am Wochenende liegt man Handtuch an Handtuch, das wäre in einem normalen Bad nicht möglich”, sagt eine gepflegte Dame, die entspannt einen Roman liest. Sie kommt schon seit 30 Jahren hierher. Im Vergleich zu früher sei der Anteil ausländischer Badegästen viel höher, stellt sie fest. Viele Muslimas kämen verschleiert durch die Tür herein und „legen hier ihre Kutten ab”.

Das spezielle Bad ist bei Frauen aller Couleur beliebt. Im 25 auf 10 Meter großen Becken schwimmen türkische Mädchen, die aus religiösen Gründen nicht in gemischte Bäder gehen können. Mütter planschen ruhig mit ihren kleinsten Sprösslingen im Kinderbecken, denn erst wenn die kleinen Jungen das Schulalter erreichen, müssen sie ins Familienbad. Eine Gruppe Schülerinnen - an anderen Tagen laut kreischend mit ihren Freunden im Strandbad - quatschen ruhig unter dem ausladenden Walnussbaum.

„Es ist fast wie ein Sanatorium”, kommentiert Bademeister Maier die abgeschirmte Idylle. Er erzählt von einer Gruppe Rentnerinnen, die jeden Vormittag ihren Stammplatz mit Plastikliegen belegen. Dann packt das Damenkränzchen die Thermoskannen aus und spielt Karten und Halma. Sie plauschen, trinken Tee oder Kaffee und kühlen sich zwischendrin etwas im Wasser ab.

Unruhig wird es nur, wenn sich ein unwissender Badegast in der Tür verirrt hat. „Manchmal schießen die Jugendlichen auch mal einen Tischtennisball rüber und flitzen durch das Damenbad, um ihn sich zu holen”, erzählt Maier. Sonst aber gebe es keine Möglichkeit, die Welt der Damen auszuspionieren. Um vom Familienbad hinüberzuschauen, benötige man mindestens eine Räuberleiter. Astlöcher habe der Zaun nämlich nicht mehr.
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