„Schamlose Luder im Dienst der Macht”

Von: Katie Kahle, dpa
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Silvio Berlusconi (l.) mit dem einstigen Showgirl und Nacktmodell Mara Carfagna in Rom. Foto: dpa

Rom. „Belle Donne” - die Leidenschaft des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi für das weibliche Geschlecht ist bekannt. Bei seinem Amtsantritt 2008 machten Fotos des ehemaligen Nacktmodells, der heutigen Gleichstellungsministerin Mara Carfagna international Furore.

„Mamma mia! Die schönste Ministerin der Welt”, titelte die „Bild”-Zeitung damals. Nun stieß der Charmeur mit Macho- Allüren nicht nur seine Ehefrau mit der Auswahl der Kandidatinnen, die im Juni für seine Regierungspartei bei den Europawahlen antreten sollen, vor den Kopf. Drei junge Schönheiten - eine ehemalige TV- Ansagerin und Teilnehmerin mehrerer Miss-Italia-Wettbewerbe, eine Sängerin und eine Fernsehschauspielerin, allesamt unter 30 - benannte der 72-Jährige für die politischen Posten und erntete damit auch Kritik im eigenen Lager.

„Schamlose Luder im Dienst der Macht”, entrüstete sich die Ehefrau Berlusconis, Veronica Lario, in einer E-Mail an die italienische Nachrichtenagentur Ansa laut Berichten der italienischen Tageszeitung „La Repubblica” vom Mittwoch. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, hatte bereits am Vortag über den zunehmenden „Velinismo” in der Politik geschimpft. Als „Velina” werden in Italien die in zahlreichen TV-Sendungen auftretenden Show- Girls bezeichnet, die zumeist keine weitere Aufgabe haben, als leicht bekleidet auch politische Talkshows „zu dekorieren”.

„Ich will eins klarstellen: Ich und meine Kinder unterstützen diese Machenschaften, die einzig und allein der Unterhaltung des Herrschers dienen, nicht. Wir leiden darunter”, schäumte die 53 Jahre alte Lario vor Ärger. Berlusconi leide unter einem „Napoleon- Syndrom”.

Was die italienische First Lady dabei auf die Palme bringt, ist die auch in die Politik einfließende Don-Giovanni-Manier ihres Mannes, wie sie es nennt. „Die freche und von der Macht gewollte Betonung der weiblichen Kurven und der damit einhergehende Mangel an Respekt ist eine Beleidigung aller Frauen”, vor allem derjenigen, die schon immer an der politischen Front für die Gleichstellung kämpften. Signora Berlusconi ist mit ihrer Kritik nicht alleine.

Schon kurz nach der Vorstellung seines Kabinetts 2008 war der Ministerpräsident von zahlreichen Medien kritisiert worden, nur aufs Äußere zu setzen - für „eine Politik im Fernsehzeitalter”. So monierte damals etwa der konservative „Corriere della Sera”, Umweltministerin Stefania Prestigiacomo sei zwar als Abgeordnete schon einmal zur „Miss Parlamento” gekürt worden, aber nur „qualifiziert in Schönheit, und nicht in Ökologie”.

Schon im Januar 2007 hatte Veronica Lario sich an die Öffentlichkeit gewandt, nachdem Berlusconi bei einer Verleihung von Fernsehpreisen heftig flirtend dem Showgirl Carfagna, die damals noch nicht seine Ministerin war, vor laufender TV-Kamera einen Heiratsantrag gemacht hatte. Ausgerechnet über die linksliberale Zeitung „La Repubblica” forderte Lario eine öffentliche Entschuldigung von ihrem Gatten. Der Medienzar soll dem Nacktmodell zugeflüstert haben: „Ich würde dich sofort heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre.”

Die Entschuldigung kam - ebenso öffentlich wie die Beschwerde. Kommentatoren sprachen von einem „nie dagewesenen Rosenkrieg”. Nur wenige Monate später lichteten „Paparazzi” den Ministerpräsidenten in seiner Luxusvilla auf Sardinien ab - mit fünf jungen Schönen auf dem Schoß. „Berlusconis Harem”, titelte die Boulevard-Presse genüsslich. Silvio Berlusconi ist seit 1980 mit Veronica Lario liiert und seit 1990 in zweiter Ehe mit ihr verheiratet.
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