Nordwalde - Rudolf Fischer lehrt Esperanto an der Universität Münster

Rudolf Fischer lehrt Esperanto an der Universität Münster

Von: Andrea Kutzendörfer, ddp
Letzte Aktualisierung:
Rudolf Fischer/ Esperanto
Großvater Rudolf Fischer (3.v.l.) liest am Sonntag (17.05.09) in Nordwalde für eine Fotoillustration seinen Familienmitgliedern, dem Enkelsohn Martin Vaclavik (l.), Tochter Gudrun (2.v.l.), seiner Frau Hedwig und seinem Sohn Gunnar aus einem Asterix-Comic vor, das in der internationalen Plansprache Esperanto geschrieben ist. Laut dem Deutschem Esperanto-Bund, dessen Vorsitzender Josef Fischer ist, sprechen die Kunstsprache Esperanto in Deutschland rund 3000 Menschen. Esperanto wird in deutschen Schulen nicht gelehrt. So hat Fischer zumindest die Unterrichtung seiner Lieben selbst in die Hand genommen. Esperanto wurde 1887 von dem polnischen Philologen Ludwik Lejzer Zamenhof begründet. Die Idee: Es sollte eine neutrale Sprache zur Völkerverständigung geschaffen werden - aber ohne eine andere zu ersetzen. Foto: ddp

Nordwalde. Rudolf Fischer blättert mit Enkel Martin in einem Kinderbuch. „La Aventuroj de Pinokjo” buchstabiert der 65-Jährige aus dem münsterländischen Nordwalde, und der Zweijährige klatscht begeistert in die Hände.

„Die Abenteuer von Pinocchio” gibt es beim Großvater nur in Esperanto, einer weltweit von 100.000 Menschen verwendeten Kunstsprache. „Martins Aussprache ist schon sehr gut”, freut sich der Informatiker, der einen Lehrauftrag für Esperanto an der Universität Münster innehat.

„Alles begann mit meinem Großonkel”, erinnert sich Fischer. „Er war der erste in unserer Familie, der Esperanto sprach.” Er selbst hat sich die Sprache als junger Mann im Selbststudium angeeignet. „Sie ist leicht zu lernen”, sagt er. Und das wirklich Schöne an ihr: „Man kann sich mit anderen Menschen in Augenhöhe unterhalten. Denn es gibt kein Land, in dem Esperanto beheimatet ist.” Esperanto wird in deutschen Schulen nicht gelehrt.

So hat Rudolf Fischer zumindest die Unterrichtung seiner Lieben selbst in die Hand genommen. „Die Sprache wird in unserer Familie mittlerweile in der vierten Generation gesprochen”, erzählt er. „Unserer Tochter Gudrun war die Erste, die wir zweisprachig erzogen haben. Ich unterhielt mich mit ihr in Esperanto, meine Frau in Deutsch.”

Bei den nächsten beiden Kindern machten sie es genauso. „Und dann habe ich es noch meinem Vater beigebracht.” Laut Deutschem Esperanto-Bund, dessen Vorsitzender Fischer ist, sprechen die Kunstsprache in Deutschland rund 3000 Menschen. Esperanto verzeichnet laut Fischer weltweit eine wachsende Zahl von Nutzern. „Dabei wird das Internet immer wichtiger.

Es wirkt sich positiv auf die Verbreitung aus”, sagt er. Esperanto wurde 1887 von dem polnischen Philologen Ludwik Lejzer Zamenhof begründet. Die Idee: Es sollte eine neutrale Sprache zur Völkerverständigung geschaffen werden - aber ohne eine andere zu ersetzen. „Der Wortschatz von Esperanto basiert vorwiegend auf internationalen, vor allem romanischen Wortstämmen”, erläutert der Nordwalder.

Die Grammatik sei sehr einfach, das System der Verben und die Pluralbildung regelmäßig. So werde der Lernaufwand minimiert, ohne dass die Ausdrucksfähigkeit darunter leide. „Cu vi lastatempe audis ion de Katia?” fragt Rudolf Fischer seinen Sohn Gunnar. „Hast du in letzter Zeit etwas von Katia gehört?” Katia, eine junge Russin, hat der 32-jährige Gunnar über die Sprache kennengelernt.

„Mi telefonis kun si antau du tagoj (Ich habe vor zwei Tagen mit ihr telefoniert)”, antwortet er. „Esperanto ist ein Vehikel, andere Menschen und Länder kennenzulernen”, meint Rudolf Fischer. So verabredet sich die weltweite Esperanto-Gemeinde zu regelmäßigen Kongressen oder privaten Treffen. „Viele runzeln die Stirn, wenn sie uns Esperanto sprechen hören”, sagt Rudolf Fischer, der vor wenigen Jahren noch Sprachwissenschaften studierte und derzeit elf Studenten in Esperanto unterrichtet.

„Dabei haben Esperanto sprechende Kinder viel weniger Mühe, eine neue Sprache zu lernen, als andere”, sagt er. Viele Gespräche mit den deutschen Kultusministerien habe es gegeben, Esperanto als Einstiegssprache an Schulen zu etablieren - ohne Erfolg. So sei es in Nordrhein-Westfalen zwar als Wahlfach zugelassen. „Aber wer bildet die Lehrer dafür aus?” Die Kinder von Rudolf Fischer können jedenfalls nur Positives berichten.

„Mir haben meine Kenntnisse schon beim Lernen von Englisch genutzt”, erinnert sich Tochter Gudrun. Und Gunnar hat derart Spaß am Lernen von Sprachen bekommen, dass er neben Englisch, Französisch, Latein und Italienisch mal eben Chinesisch und Polnisch ausprobiert hat. Dass sie alle ihr Wissen an ihre Kinder weitergeben, ist selbstverständlich.
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