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Melone, Sombrero, Kopfputz: Die Renaissance der Hüte

Von: Anja Hübner, dpa
Letzte Aktualisierung:
Ausstellung "Hut ab"
Eine Frau schaut sich in der Ausstellung „Hut ab! - Reise durch die Kulturgeschichte des Hutes” im Kulturellen Forum in Langenfeld bei Düsseldorf eine nachgebildete Hutmacherwerlstatt an. Foto: dpa

Düsseldorf. Mut zum Hut: Eine breite weiße Krempe umrahmt einen Hut voll von Blümchen aus Stoff und Efeugirlanden. „So ein Hut heißt Wagenrad und war um 1900 total angesagt”, erklärt Katrin Kropp, Kuratorin der Ausstellung „Hut ab! - Reise durch die Kulturgeschichte des Hutes” in Langenfeld bei Düsseldorf.

Die Ausstellung zeigt die wichtigsten Vertreter: vom schwarzen Zylinder, über den Topfhut der 1920er-Jahre bis zum zeitgenössischen Hut mit Federn oder Blumen.

Als das „Wagenrad” im Trend lag, war die Kleidung auf dem Kopf Normalität: „Die große Zeit der Hüte war von 1850 bis 1950, fast jeder trug einen”, sagt Kropp. Nach 1950 erlebte die Mode dann eine weitgehend hutlose Phase. Kopfbedeckung wurde zum alten Hut. Der Grund waren auftoupierte Hippiefrisuren und neue Kleidungsideale. „Aber jetzt gibt es eine Hutrenaissance”, sagt Kropp. Rund 50 historische und zeitgenössische Kopfbedeckungen sind in der Ausstellung im Kulturellen Forum Langenfeld bis zum 6. Februar zu sehen. Sie stammen aus dem Hutmuseum Bad Homburg und von zwei Hutmacherinnen.

In einer Vitrine liegt die „Hutrenaissance”: Sie ist aus Stroh und Filz, dekoriert mit Federn, Perlen und Blumen. „Solche besonders kleinen Hüte heißen Kopfputz”, sagt Kropp. Sie werden mit Klammern oder Reifen am Haupt ihrer Besitzer festgesteckt - und sind nach Meinung der Ausstellungsmacherin die Zukunft der zeitgenössischen Hutmode.

„Früher dienten Hüte den Trägern größtenteils als Schutz - im Sommer vor der Sonne, im Winter vor der Kälte”, sagt Kropp. Diese Einstellung hat sich verändert. „Heute sind sie vor allem Schmuckstücke für Individualisten und ein modischer Gag.” Gerade junge Menschen setzten Hüte auf, um aufzufallen.

Auch der Krefelder Hutmacher Yosef Dadon hat die Erfahrung gemacht, dass zum Hut Mut gehört. „Hutträger sind selbstbewusst”, sagt Dadon. „Mit ihrem Hut auf dem Kopf wollen sie zeigen: Hier bin ich.” Dadon geht seinem Handwerk seit 20 Jahren nach. Seit fünf Jahren stellt er fest: Auch Männer kaufen sich zunehmend Hüte.

Prominente wie der Schauspieler Johnny Depp und der Sänger Pete Doherty treten gerne mit Kopfbedeckung in die Öffentlichkeit. Sie inspirierten viele der Käufer. Insgesamt habe er aber einen durchmischten Kundenstamm: „Meine Kunden kommen aus allen Schichten und sind zwischen 25 und 80 Jahren alt.”

Um das Handwerk des Hutmachers sei es jedoch nicht gut bestellt. „Hutmacherwerkstätten sterben aus”, sagt Kropp. In der Ausstellung ist den Hutmachern eine historische Werkstatt aus den 1950er Jahren gewidmet - mit Druck, Wärme und Feuchtigkeit wurden die Stoffe geformt und zu Hüten verarbeitet.

So werden sie zu kleinen Kunstwerken. An die Ur-Idee des Hutmachens soll mit dem Namen der Ausstellung „Hut ab” erinnert werden: „Wenn ich den Hut ziehe, dann stelle ich mich schutzlos jemandem gegenüber und erweise ihm Ehre”, erklärt Kropp die historische Bedeutung.

Schauplatz vieler Hutträger sind Pferderennen oder Hochzeiten. Schlichte Kopfbedeckungen seien aber auch im Alltag zunehmend zu sehen. Kropp ist sich sicher: „Hüte sind im Kommen.”
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