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Leerer ICE entgleist und landet auf dem Bahnsteig

Von: Eva Krafczyk (Text) und Arne Dedert (Bild)
Letzte Aktualisierung:
Gehüpft
Aufgrund des Aufpralls auf den Prellbock sprang der ICE von den Gleisen auf den Bahnsteig.
Zerstörter ICE-Triebwagen
Der leere ICE war gegen einen Prellbock gefahren, entgleist und zum Teil auf einem Bahnsteig gelandet.
Bergung
Mit zwei Notfallkränen wird im Bahnhof von Frankfurt-Griesheim der zerstörte ICE-Triebwagen vom Bahnsteig gehoben.
Oberleitung entfernt
Um den ICE bergen zu können, werden die Oberleitungen über ihm entfernt.
Trümmerteile
Trümmerteile des ICE liegen auf dem Bahnsteig im Bahnhof Griesheim.
ICE Begutachtung
Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn begutachtet den Schaden am zerstörten Triebwagen im Bahnhof Griesheim in Frankfurt am Main.
Entgleister ICE in Frankfurt
Der Zug fuhr auf einen Prellbock auf und entgleiste. Ein Teil des Zuges blieb intakt.
Beschädigter ICE auf Bahnsteig
Die beschädigte Lok des entgleisten ICE steht auf dem Bahnsteig. Zwei Spezialkräne sind für die Bergung notwendig.
Verkehrsbeeinträchtigungen
Der Unfall beeinträchtigt den S-Bahn-Verkehr in Frankfurt am Main und Offenbach.

Frankfurt/Main. Der Aufprall in den frühen Morgenstunden muss gewaltig gewesen sein. Auf dem Weg ins Wartungszentrum prallt der leere ICE in Frankfurt gegen einen Prellbock und entgleist. Der Lokomotivführer kommt bei dem Unfall um halb zwei morgens mit einem Schock davon.

Wie viel Glück er hat, wird bei Tageslicht deutlich. Teile des Zugs sind auf den Bahnsteig gehoben, ein großes Loch klafft gleich unter dem Firmenlogo der Deutschen Bahn.

Das Glas des rechten Scheinwerfers ist ein Scherbenmosaik, die „Schnauze” des Zuges zerborsten. Statt stromlinienförmiger Eleganz ein Blick in das Innere. Dämmmaterial und verbogene Metallteile liegen auf Bahnsteig und Gleisen.

„Ach du Schreck”, sagt eine Frau sichtlich beeindruckt, als sie mit ihren Einkaufstaschen zum Bahnhof Griesheim abbiegt und an dem mit Flatterband abgesperrten Zugang stehen bleibt. Neben ihr herrscht ein reges Kommen und Gehen - Passanten bleiben stehen, um einen Blick auf den beschädigten Zug zu werfen. Handys werden gezückt, ein paar ältere Männer spekulieren über die Unglücksursache. Anwohner schauen mit Kind und Kegel am Bahnhof vorbei, die Straße davor ist gesperrt.

Wie es zu dem Unfall kam, wissen vorerst auch die Bahnvertreter nicht. „Die Ursache ist noch nicht bekannt”, sagt eine Sprecherin. Der Schaden dürfte sich nach ersten Schätzungen auf über eine Millionen Euro belaufen.

Die Kräfte, die die Zugspitze aus den Gleisen und teilweise auf den Bahnsteig hoben, müssen beträchtlich gewesen sein - und das, obwohl der Zug im Bahnhofsbereich mit reduzierter Geschwindigkeit fährt.

Der S-Bahnverkehr auf der Strecke ruht zunächst. Für die etwa 9000 Pendler, die täglich von Griesheim, Höchst oder Nied in die Frankfurter Innenstadt fahren, ist der Weg in die City immerhin nicht zu umständlich - wenige Hundert Meter entfernt verläuft parallel zur S-Bahn-Strecke eine Straßenbahnverbindung ins Zentrum.

Junge Männer und Frauen in orangefarbenen Schutzwesten stehen auf den Gleisen und vor dem Zug, machen Selfies mit dem Unfallwagen. Sie sind Auszubildende der Bahn, als künftige Fahrdienstleiter werden sie in Stellwerken für die Weichenstellung zuständig sein. „Unser Ausbildungsleiter hat gesagt, wir sollen uns das mal ansehen”, sagt einer von ihnen. „So sehen wir einen ICE zum Glück ja nur selten.”

Der Bahn-Nachwuchs ist beeindruckt. „Das ist schon ziemlich spektakulär.” Es ist gleichzeitig eine ernüchternde Erinnerung daran, was im schlimmsten Fall wegen eines defekten Signals oder einer falschen Weichenstellung passieren könnte. „Was für ein Glück, dass keine Menschen im Zug saßen”, ist immer wieder zu hören.

In den Mittagsstunden treffen zwei Notfallkräne aus Fulda ein. Auch als die beiden Kräne das Zugteil mit armdicken Tauen in die Zange nehmen, geht es nur in kleinen Schritten voran. Mal schwenkt das Zugteil, mal gehen Metallteile laut krachend zu Boden. Am Freitagabend dann ist die Bergung abgeschlossen.

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