Washington - Kleine Mars-Rover ganz groß: Nach fünf Jahren immer noch im Einsatz

Kleine Mars-Rover ganz groß: Nach fünf Jahren immer noch im Einsatz

Von: Gabriele Chwallek, dpa
Letzte Aktualisierung:
Marsroboter/ Spirit
„Spirit” und „Opportunity” sind zwei US-amerikanische Roboter, die über den Planeten Mars kurven. Foto: dpa

Washington. Klein und doch ganz groß. Als die Roboterzwillinge „Spirit” und „Opportunity” im Januar 2004 im Abstand von 21 Tagen auf dem Mars landeten, da wurde von ihnen eine Lebensdauer von gerade mal 90 Tagen erwartet. Heute, fünf Jahre später, laufen und laufen sie immer noch.

Die vierrädrigen Rover begeistern die Wissenschaftler weiterhin mit aufregenden Fotos und Daten über die Beschaffenheit des Roten Planeten und seine nasse Vergangenheit. Und sie sind zu einer der größten Erfolgsgeschichten der NASA geworden.

Für das zuständige Team von hunderten Forschern und Technikern auf der Erde sind die beiden so etwas wie Kinder geworden, mit denen sie hoffen und bangen, um die sie sich sorgen. Wie etwa im Sommer 2007, als „Opportunity” in einem anhalten Staubsturm ums Überleben kämpfte.

Viele der Experten begleiten die Mission des Duos von Anfang an. Niemand von ihnen hätte sich träumen lassen, dass sie die kleinen Fahrzeuge auch heute noch operieren. Und bleiben die gerade mal golfcartgroßen Rover fit genug, kommen in diesem Jahr neue große Aufgaben auf sie zu.

So ist „Opportunity” schon zu seinem neuen Ziel unterwegs: Ein bislang unerforschter Krater, den er erkunden soll. Ist er durch einen Einschlag entstanden oder durch eine vulkanische Explosion?

Von „Opportunity” (übersetzt Chance oder Gelegenheit) erhofft man sich die Antwort. „Spirit” am entgegengesetzten Marspol soll einen Hügel und eine Grube anrollen, die die NASA neugierig gemacht hat.

Zunächst war „Spirit”, dessen Name für Entdeckergeist steht und der zur Gesteinsanalyse einen in Deutschland gebauten Spektrometer an Bord hat, am 3. Januar 2004 auf dem Marsboden gelandet, drei Wochen später folgte sein Zwillingsbruder. Die Hauptmission der Beiden: die Suche nach Beweisen für die frühere Existenz von Wasser, die Voraussetzung für die Entstehung von Leben.

Sie fanden die Beweise, und nicht nur das. Sie entdeckten Quarz im Marsboden, was auf einstige heiße Quellen hindeuten könnte. Und sie lieferten 250 000 Bilder, darunter atemberaubende Panorama- Farbaufnahmen vom Victoria-Krater, einem etwa 800 Meter breiten und 60 Meter tiefen Schlund, den „Opportunity” in den vergangenen zwei Jahren erforscht hat.

Die Rover legten der NASA zufolge mittlerweile knapp 21 Kilometer auf dem Marsboden zurück, kletterten einen Berg hinauf, stiegen in Krater herab, schlugen sich mit Sand und alternder Hardware in ihrem Innern herum.

Sie überlebten Staubstürme, die die Sonne derart verdunkelten, dass die Solarzellen der Roboter kaum noch genügend Energie erzeugen konnten, und sie übermittelten mit Hilfe des Mars-Odyssey-Orbiters mehr als 36 Gigabytes an Daten - ein wahrer Wissenschaftsschatz an Einblicken in die abermillionen lange Geschichte des Roten Planeten.

So hofft die NASA, dass ihre tapferen Lieblinge auf Rädern noch ein bisschen weitermachen. Sie haben inzwischen ihre Alterszipperlein, sind der NASA zufolge aber noch gesund genug für die geplanten Expeditionen.

„Diese Rover sind unglaublich widerstandsfähig, wenn man die extremen Umweltbedingungen in Betracht zieht, denen ihre Hardware jeden Tag ausgesetzt ist”, sagt Projektmanager John Callas vom Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena (Kalifornien). Aber man sei sich natürlich darüber im Klaren, dass jederzeit eines der wichtigen Roboterkomponente versagen könne.

„Opportunity”, just vor vier Monaten aus dem Victoria-Krater herausgeklettert, hat bereits gut eineinhalb Kilometer auf dem Weg zu seinem nächsten Ziel, dem Endeavour-Krater, zurückgelegt und dabei einige lose Gesteinsbrocken inspiziert. Endavour ist 20 Mal größer als Victoria und per „Luftlinie” etwa elf Kilometer davon entfernt, aber der Rover muss wegen der Unwegsamkeit des Geländes einige Umwege machen: Dadurch wird die Strecke erheblich länger.

„Spirit” hat gerade einen harten Winter hinter sich, der auf der südlichen Mars-Hemisphäre im Dezember endet. Um ein Haar wäre ihm wegen verstaubter Sonnenpaneelen der Saft völlig ausgegangen. „Es war knapp”, sagt Callas.

Sobald „Spirit”, der sich bisher hauptsächlich der Erkundung des Gusev-Kraters gewidmet und auf einem Plateau im Schlund überwintert hat, wieder zu Kräften gekommen ist, soll er sich auf den Weg zu seinen gut 180 Meter entfernten neuen Zielen machen - der nächste Schritt in der ersten Überland-Expedition der Menschheitsgeschichte auf einem anderen Planeten.
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