Kickern um die Weltspitze beim Tischfußball

Von: Anke Hoffmann, dpa
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Koblenz. Spielunterbrechung. Marc Balic will seine Jungs noch strammer stehen sehen, als sie es ohnehin schon tun. Er greift zum Schraubendreher, nimmt sich jede seiner Spielfiguren vor, um sie auf der Stange noch ein kleines bisschen fester zu ziehen. Fertig.

Balic ist deutscher Nationalspieler im Tischfußball. Er legt wieder los. Er pfeffert seinem Gegner einen Ball nach dem anderen ins Tor. Seine Bewegungen sind flink, aber knapp. Ein Ruck im Handgelenk, blitzschnelle Drehungen am Stangengriff, die Tischfiguren dribbeln und passen den Ball von der Abwehr bis in den Sturm und wieder zurück.

Tischfußball ist ein schnelles Spiel - und besonders rasant, wenn die weltbesten Spieler aufeinandertreffen. So wie derzeit in Koblenz, wo die Weltmeisterschaft im Tischfußball stattfindet. Etwa 330 Sportler treten in der Stadt in Rheinland-Pfalz gegeneinander an.

Die meisten Spieler kommen aus Europa, doch auch aus den USA, Marokko und Indien sind professionelle Tischfußballer angereist. 25 Nationen sind in der Sporthalle Oberwerth vertreten. Die deutschen Spieler, die mit 25 Teams antreten, gehören zu den Favoriten, besonders die Damen.

„Wir haben gute Chancen”, bestätigt denn auch Sandra Ranff. Die Hamburgerin lehnt an einem der 60 Fußballtische, die in der Sporthalle aufgestellt sind. An den meisten sind Spieler in Aktion, überall knallen Bälle gegen die Tischbande, ein permanentes Klackern erfüllt die Halle.

Während ihre männlichen Teamkollegen wie Marc Balic bereits um Tore kämpfen, beginnt für die Frauen das Turnier erst später. Entsprechend entspannt ist Sandra Ranff. Gerade hat sie mit einer ihrer Teamkolleginnen einige schnelle Bälle mit präzisen Schüssen aus dem Handgelenk über den Tisch gejagt. „Nichts Aufregendes”, sagt die 34-Jährige, die als amtierende Doppelweltmeisterin antritt. Zwar will sie sich den Titel auch bei diesem Turnier holen, aber für sie steht der Spaß im Vordergrund. „Es ist einfach toll, Wettkämpfe wie diese zu erleben: Hier kennt wirklich jeder jeden”, erzählt Ranff.

Sie spielt seit 15 Jahren Tischfußball, begann mit dem Kickern in einer Hamburger Kneipe. Sie spielte gut und traf Leute, die besser spielten und sie herausforderten. Ranff trainierte, fuhr 1996 zum ersten Turnier und wurde drei Jahre später Deutsche Meisterin. Siebenmal gewann sie diesen Titel - und noch wichtiger: Inzwischen ist Sandra Ranff vielfache Weltmeisterin, im Einzel, im Doppel, an unterschiedlich ausgestatteten Landestischen und im sogenannten Multitable-Spiel.

„Es gibt fünf vom Weltverband International Table Soccer Federation zugelassene Tischarten”, erklärt Volker Gröschl vom Deutschen Tischfußballverband, der das Turnier in Koblenz ausrichtet. An jedem dieser Tischtypen werden Weltmeisterschaften ausgetragen.

Den Meister der Meister ermitteln die Spieler in einem weiteren Wettkampf, der an allen fünf Verbands-Tischen, also „multitable”, ausgetragen wird. „Diese Turniere sind absolute Höhepunkte für die Szene”, sagt Gröschl.

In Koblenz allerdings geht es um den Weltmeistertitel am deutschen Tisch, der vor allem in Mitteleuropa gespielt wird ­ ein zusätzlicher Gewinnanreiz für Sandra Ranff und die deutsche Nationalmannschaft.

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