Keiner will das Dorf Liebon kaufen

Von: Henry Berndt, ddp
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Dorfversteigerung
Das Echo übertraf alle Erwartungen. In ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz berichteten im Frühjahr die Medien über die Dorfversteigerung in Internet. Foto: ddp

Liebon. Das Echo übertraf alle Erwartungen. In ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz berichteten im Frühjahr die Medien über die Dorfversteigerung in Internet.

Familie Schmidt aus Liebon, einem Vierseitenhof zwischen Kamenz und Bautzen mit eigenen gelben Ortsschildern, hatte auf der Auktionsplattform Ebay eine Anzeige geschaltet: „Einmalig!!! Kaufen Sie sich Ihr eigenes Dorf!”. Nach wenigen Tagen lief der Besucherzähler der Seite heiß, die Schmidts wurden mit Dutzenden Kaufanfragen überschüttet. Fast wollten sie den Verkauf abbrechen, weil sie sich all dem Stress nicht gewachsen fühlten.

Doch so schnell der Medienrummel kam - so schnell ebbte das öffentliche Interesse auch wieder ab. Eigentlich wollten Carsten und Alexandra Schmidt bis zum Sommer alles hinter sich haben und mit ihren Kindern in Richtung Cottbus ziehen. Ein Käufer hat sich bis heute - ein halbes Jahr nach der ersten Anzeige - aber noch nicht gefunden. Ihre Familie sitze nach wie vor „auf gepackten Koffern”, könne jederzeit ausziehen, sagt Alexandra Schmidt. Trotz verlockender Extras wie Brunnen, Spielplatz, Swimmingpool und schneller Internetanbindung bleiben die Angebote aber aus.

Enttäuscht gab das Paar im Mai seinem Makler „wegen Untätigkeit” den Laufpass und suchte sich einen neuen. Vermeintlich verprellte Interessenten für das Dorf, das zur Gemeinde Göda gehört, konnten jedoch nicht überzeugt werden. „Wir müssen wohl weiter Geduld haben”, sagt Schmidt. Vielleicht sei der knappe Zeitplan doch etwas vermessen gewesen. Jeder potenzielle Käufer habe schließlich tausend Sachen zu prüfen, etwa dass der - nicht vorhandene - Denkmalschutz nicht doch die nötige Sanierung behindere.

Auf ihren Wunschpreis von 300.000 Euro bestehen die Schmidts schon lange nicht mehr. Alles sei verhandelbar, heißt es. „Am Preis scheitert es aber sowieso nicht”, sagt der neue Immobilienmakler Peter Rietschel. Vielmehr stehe der Hof schlicht an der falschen Stelle - kilometerweit entfernt vom nächsten Nachbarn. „Die Lage ist für den Wert einer Immobilie entscheidend”, sagt er. Alle Ideen, hier ein Hotel oder eine Klinik zu betrieben, würden bereits an dieser Tatsache scheitern. Fünf Gespräche habe er in den vergangenen Wochen geführt. „Doch es geht einfach nicht vorwärts.”

Statt weiter auf die Auktionsplattform zu vertrauen, wo der Dorfverkauf seiner Ansicht nach nicht hingehört, setzt er nun auf seriöse Inserate in Immobilienportalen. Die öffentliche Aufmerksamkeit habe sicher nicht geschadet, aber Zählbares sei für Familie Schmidt bisher nicht dabei herausgekommen. „Bis jetzt habe ich in 17 Jahren alle meine Immobilien irgendwie an den Mann gebracht”, sagt Rietschel und fügt hinzu: „Das hier wird hoffentlich mein Meisterstück.”
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