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Karlheinz Böhm: Seine Frau Almaz führt das Lebenswerk weiter

Von: Sabine Dobel, dpa
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Der äthiopisch-deutsche Schauspieler und Gründer der Stiftung Menschen für Menschen, Karlheinz Böhm beim 30. Geburtstag der Stiftung Menschen für Menschen mit seiner Frau Almaz (rechts) und seiner Tochter Aida. Foto: dapd

München/Salzburg. Almaz Teshome war ein privilegiertes Mädchen im armen und von Männern dominierten Äthiopien. Sie konnte eine höhere Schule besuchen und Agrarwissenschaften studieren. Vom Schicksal einer Zwangsverheiratung blieb sie verschont - ihre Familie war fortschrittlich und gebildet.

Doch als der Gründer der Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen”, Karlheinz Böhm, die junge Viehzuchtexpertin bei seinem Projekt im Erer-Tal im Osten des Landes ernsthaft und voller Respekt um ihre Einschätzung und ihren Rat bat, war das für die damals 23-jährige Almaz eine Revolution. „Was ist Deine Meinung?” habe er sie gefragt, erzählt sie. „Das hatte ich noch nie gehört, bevor ich zu „Menschen für Menschen” kam.” Gleichberechtigung mit einem Mann, das war in den 1980er Jahren in Äthiopien außerhalb der Tagesordnung.

Seit fast einem Vierteljahrhundert sind die beiden inzwischen ein Paar, leben mit den beiden fast erwachsenen Kindern Nicolas und Aida bei Salzburg. Zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung hat die 47-jährige Almaz von ihrem 83-jährigen Mann ganz die Leitung der Organisation übernommen und führt nun sein Lebenswerk weiter.

Bei einer Feier am Samstagabend in München übernahm sie offiziell den Vorstandsvorsitz. Rund 300 Freunde und prominente Botschafter feierten das Jubiläum der Äthiopienhilfe, die Böhm am 13. November 1981 gegründet hatte. Böhm, der nun Ehrenvorsitzender ist, nahm wegen eines Infekts nicht teil. Aufgrund seines voranschreitenden Lebensalters und der Größe der Organisation wolle er das Team aus Weggefährten noch mehr in die Verantwortung nehmen - „allen voran meine liebe Frau Almaz”, ließ Böhm in einem Gruß wissen.

Bereits seit 2004 war Almaz Böhm Vorsitzende des Stiftungsrates. 2008 legte Karlheinz Böhm auch das Tagesgeschäft in ihre Hände; seitdem war sie geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

In Europa hält sie Vorträge über die Arbeit der Stiftung. In ihrem Heimatland, das sie mehrmals im Jahr besucht, kümmert sie sich persönlich um die verschiedenen Projekte, ist in deren Planung und Durchführung eingebunden. Als Äthiopierin vertrauen ihr die Menschen - sie spricht ihre Sprache und kennt ihre Lebensumstände.

Die Veränderungen in ihrem Land, nicht zuletzt initiiert von ihrem Mann und „Menschen für Menschen”, sind auch für Almaz Böhm überraschend. Vor allem im Hinblick auf die Frauen sei die Entwicklung regelrecht „revolutionär”, sagte sie zu Jahresbeginn. „Es ist eine Bewegung im ganzen Land. Ich habe nicht geglaubt, dass ich das in meinen Leben erleben würde. Es ist sprunghaft nach vorne gegangen.” Immer mehr junge Frauen planen ihr Leben selbstständig, eröffnen Minishops, handeln mit Erdnüssen oder Vieh - oder studieren sogar.


Vor allem aber wurden schädliche Traditionen zurückgedrängt. Unter Strafe stehen mittlerweile die Beschneidung von Frauen, Vergewaltigung und Zwangsverheiratung. All dies war früher nicht einmal Kavaliersdelikt. Böhm war es, der diese Themen erstmals ansprach - als Ausländer verschaffte er sich Gehör auch bei staatlichen Stellen. Immer öfter wagen Frauen nun sogar den Gang zur Polizei. „Sie reden darüber, sie zeigen jemanden an”, berichtet Almaz Böhm.

Ihre Hoffnung ist, dass sich „Menschen für Menschen” irgendwann zurückziehen kann, weil die Äthiopier die Hilfe nicht mehr brauchen. Wann das sein könnte, darüber will Almaz Böhm keine Prognose geben. „Wenn ich die Fortschritte der letzten 30 Jahre sehe, gibt das Hoffnung, dass es doch nicht so lange dauert”, sagt sie nur. Etwa könnten die Helfer Projektgebiete heute viel schneller in die Selbstständigkeit entlassen als früher - das zeige die Weiterentwicklung.

Verdrehte Rollen haben Böhm und seine Frau inzwischen bei ihrer Staatsbürgerschaft: Seine äthiopische Frau wurde mit der Heirat Österreicherin. Er selbst wurde äthiopischer Ehrenbürger - und erhielt damit auch einen Pass. Zu seinem 80. Geburtstag fasste er es so zusammen: „Ich bin jetzt ein Äthiopier - und meine Frau ist dort Ausländerin.”
 


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