Kuala Lumpur - Islam-Gelehrte machen Yoga zu Glaubensfrage

Islam-Gelehrte machen Yoga zu Glaubensfrage

Von: Christiane Oelrich, dpa
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Yoga
Die Yoga-Lehrerin Ninie Ahmad posiert im malaysischen Kuala Lumpur. Die 27-Jährige ist Muslimin und Yogi. Vor acht Monaten hat der Nationale Fatwa-Rat Yoga für Muslime verboten. Yoga habe zahlreiche hinduistische Elemente und könnte den Glauben der Muslime schwächen, befand der Rat. "Das ganze ist doch lächerlich", sagt Ahmad. Sie sieht keinen Konflikt mit ihrer Religion. Foto: dpa

Kuala Lumpur. Delilah (49) steht konzentriert in der Krieger-Position und atmet tief. Die Yoga-Übung trainiert das Gleichgewicht. Langsam geht sie zur Position Heldendreieck über. „Es entspannt mich” sagt die Malaysierin. „Ich weiß, was mir gut tut und was nicht.” Das sehen die Religionsbehörden in ihrer Heimat anders.

Vor acht Monaten hat der Nationale Fatwa-Rat Yoga für Muslime verboten. Yoga habe zahlreiche hinduistische Elemente und könnte den Glauben der Muslime schwächen, befand der Rat.

Bindend ist die Fatwa nicht, doch halten sich gläubige Muslime meist an solche Regeln. In Malaysia sind 60 Prozent der rund 25 Millionen Einwohner Muslime.

Jeder ethnische Malaye ist Muslim, schreibt die Verfassung vor. Nur indisch- und chinesischstämmige Einwohner können ihre Religion frei wählen.

Doch Delilah, muslimisch aufgewachsen, stört das nicht. „Ich habe dies noch nie als religiöse Aktivität betrachtet”, sagt die frühere Gastronomie-Unternehmerin mit drei erwachsenen Kindern.

Sie macht seit fünf Jahren Yoga. „Und wenn schon - eine Sache, die uns lehrt, den eigenen Körper zu lieben und zu respektieren, kann man doch nur unterstützen.”

Ihre Lehrerin Ninie Ahmad ist 27, Muslimin und Yogi trotz der Fatwa. Sie hat in einem schicken Einkaufszentrum in Kuala Lumpur gerade ihr eigenes Yoga-Studio „Beyoga” eröffnet. „Das ganze ist doch völlig lächerlich”, sagt sie.

„Es hat aber viel Interesse an Yoga geweckt.” Ahmad dehnt ihre Gliedmaßen auf einer Matte vor der Spiegelwand. Dann streckt sie sich grazil in Position.

Sie sieht keinen Konflikt mit ihrer Religion. „Zehn Jahre Yoga hat aus mir eine tiefgründigere Muslimin gemacht”, sagt sie. „Ich habe herausgefunden, was Körper und Geist zusammen leisten können, und deshalb schätze ich meinen Schöpfer mehr als zuvor.”

Dennoch, der Fatwa-Rat sorgt sich um das Seelenheil der Muslime. „Yoga kombiniert körperliche Übungen mit religiösen Elementen, Mantra-Singen und beten, um letztendlich eins mit Gott zu sein”, meinte der Ratsvorsitzende Abdul Shukor Husin.

Das könne den Glauben der Muslime verwässern. Entspannung könnten Muslime beim Beten erfahren, da seien keine Yoga-Übungen nötig. Das Urteil ist nicht unumstritten.

Die neun Sultane im Land haben eigentlich oberste Religionshoheit. Der Sultan von Selangor bei Kuala Lumpur, Sharafuddin Idris Shah, kritisierte den Rat. Die Gelehrten hätten die Sultane vor einem solchen Urteil konsultieren müssen, meinte er.

Nichtmuslimische Yogalehrer betrachten die Kontroverse eher ungläubig. „Das ganze kam völlig aus heiterem Himmel” sagt Mr Hoo, der seit vier Jahren ein Yoga-Studio betreibt. „Unsere Yoga-Klassen sind für die Fitness gedacht”. Das Mantra-Singen?

„Dabei geht es nur um die Vibrationen, die den Körper reinigen und Seele und Energie beeinflussen und entspannen. Dennoch lässt er die Matras in den Anfängerklassen nun weg, falls Muslime sich dabei unwohl fühlen.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Yoga praktizierende Muslime in Malaysia vom Glauben abgefallen wären. Ohnehin machen Yoga zu 90 Prozent chinesisch- und indischstämmige Malaysier.

Aber Delilah kennt einige Muslime, die die mehr meditativen Aspekte des Yogas nach der Fatwa aufgegeben haben. Im Großen und Ganzen sind die Yogalehrer aber überzeugt, dass die Popularität von Yoga weiter wächst. Ahmad glaubt, dass die Kontroverse vor allem das Interesse unter Muslimen anheizen wird.

„Das ist ein riesiger Markt, an den wir uns jetzt wenden”, sagt sie. Delilah geht zwei-, dreimal in der Woche ins Yoga-Studio. „Ich glaube an die Vernunft und folge meinem eigenen Gewissen.”
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