Amsterdam - Im Bett für den Frieden: Wie John und Yoko im Pyjama Politik machten

Im Bett für den Frieden: Wie John und Yoko im Pyjama Politik machten

Von: Thomas Burmeister, dpa
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„Bed-In” mit Lennon und Ono
John Lennon und seine Frau Yoko Ono im Bett im Hilton-Hotel in Amsterdam (Archivfoto vom 25.03.1969).

Amsterdam. Die Bilder gingen um die Welt wie einst die Piepsignale des ersten Sputnik: John Lennon und Yoko Ono im Bett. Eine Woche lang ließen sich die Frischvermählten vor rund 40 Jahren von morgens bis abends in der Präsidenten-Suite des Amsterdamer Hilton-Hotels im Pyjama fotografieren, filmen und interviewen.

„Jeder redet vom Frieden, aber keiner tut etwas dafür”, sagte Lennon den Reportern. „Mit diesem Bett-Happening in Amsterdam zeigen wir den Leuten, was man alles machen kann, um zu protestieren.”

Zu jenen, die das „Bed-In for Peace” schwer beeindruckte, gehörte auch Roberto Payer. „Ich war 19 und eigentlich Fan der Rolling Stones”, erzählt der Italiener. „Aber was John und Yoko da boten, war Pop-Politik vom Feinsten.” Inzwischen sorgt Payer als Direktor des Hotels gemeinsam mit dem niederländischen Beatles-Fanclub und einigen der damals beteiligten Fotografen dafür, dass die Daunen-Aktion nicht in Vergessenheit gerät.

Freilich wohl nicht ganz uneigennützig, denn die Räume, die längst „John and Yoko Honeymoon Suite” heißen und wie ein kleines Lennon- Ono-Museum aussehen, werden seit Jahren an gut betuchte Gäste vermietet. Zum 40. Jahrestag des „Bed-In” stellt das Hotel die Suite aber im März kostenlos als Begegnungsstätte für Fans und Friedensbewegte zur Verfügung. Zudem gibt es Ausstellungen, Diskussionsrunden und einen Fotowettbewerb zum Thema Frieden.

Auf die Idee zu der spektakulären Bett-Aktion waren John und Yoko angesichts des enormen Interesses der internationalen Presse an ihrer Hochzeit am 20. März 1969 auf Gibraltar gekommen. Spontan beschlossen sie, die Medienaufmerksamkeit für eine „positive Botschaft” zu nutzen. Mit Heerscharen von Reportern im Gefolge stiegen sie am 24. März kurz vor Mitternacht vor der Amsterdamer Edelherberge aus einem weißen Rolls Royce und begaben sich in die Präsidenten-Suite. Mit „friedlichem Humor”, wie John es nannte, wollten sie gegen Gewalt und Kriege auf der Welt protestieren, vor allem gegen den Vietnamkrieg.

Die Botschaft aus Amsterdam hatte der Popstar in einem Satz zusammengefasst, aus dem ein Welthit wurde: „Alles was wir sagen ist: Gebt dem Frieden eine Chance.” Zwei Monate nach dem Bed-In-Auftakt in Holland nahmen John und Yoko gemeinsam mit Freunden bei einer ähnlichen Aktion in der Suite 1742 des Queen Elizabeth Hotels in Montreal „Give Peace a Chance” auf. Der Song wird heute noch bei Demonstrationen wie eine Hymne gesungen und gilt als Paradebeispiel für ein politisches Engagement von Pop-Künstlern. Am 8. Dezember 1980 wurde Lennon in New York von einem geistig verwirrten Attentäter erschossen.

„Dass die Friedensbotschaft von John und Yoko heute noch genauso aktuell ist wie vor 40 Jahren”, sagt Payer, „sieht doch jeder, der sich in der Welt umschaut.” Doch jeder sieht auch, dass die Wirkung solcher Appelle nur begrenzt ist. Trotz aller Aufrufe gehen die Kämpfe im Gaza-Streifen ebenso weiter wie das Morden in Darfur. Und wie jetzt die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Universität Hamburg (AKUF) ermittelte, brachen auf der Welt seit jenem denkwürdigen 25. März 1969, als sich John und Yoko im Pyjama präsentierten, 139 Kriege aus.
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