Mainflingen - Hessische Atomuhr funkt für ganz Deutschland

Hessische Atomuhr funkt für ganz Deutschland

Von: Stefan Höhle, ddp
Letzte Aktualisierung:

Mainflingen. Jeweils um Mitternacht passiert im hessischen Mainflingen das gleiche, 365 Tage im Jahr - allerdings von der Öffentlichkeit unbemerkt.

Von einem rund 150 Meter hohen Funkmast am Mainufer wird um 0.00 Uhr ein permanent abgestrahltes Langwellensignal für 100 Millisekunden im Ausschlag abgesenkt.

Dieser Ausschlag setzt das Sekundenzeichen, das in einem Umkreis von 2000 Kilometern allen Empfängern die Zeit liefert. In einem Gebäude am Fuß des Sendemasts geben drei Atomuhren quasi den Herzschlag für alle Funkuhren in und um Deutschland vor.

Über das Langwellensignal werde die amtliche Zeit verbreitet, sagt Jens Simon von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Die drei Atomchronometer in Mainflingen im Kreis Offenbach stehen untereinander in Verbindung, „ticken” jeweils unabhängig voneinander und werden mehrmals jährlich auf acht Braunschweiger Referenz-Atomuhren ausgerichtet. „Das sind Korrekturen im Bereich einer Millionstelsekunde”, berichtet Simon.

Für den Standort der Sendeanlage in Mainflingen spricht nicht nur dessen zentrale Lage in Deutschland, sondern auch die Bodenfeuchte des ufernahen Geländes. „Langwellen werden nicht nur über die Atmosphäre transportiert, sondern auch an der Erdoberfläche - hohe Bodenleitfähigkeit ist somit eine wichtige Startbedingung”, beschreibt Simon die Qualitäten des Terrains.

Im Bundesauftrag verbreitet die PTB die amtliche Zeit. Die abgestrahlte Welle und die sekündliche Modulation - das eigentliche Signal - werden von IT-Unternehmen, TV-Anstalten, Energieversorgern, Ampelsystemen und am häufigsten inzwischen von Privatleuten empfangen. Die Langwelle sei ideal, erläutert Simon, denn sie dringe auch in Gebäude ein.

Die sekündliche Wellenmodulation nutzen die Physiker nicht nur, um das Verstreichen des 60sten Teils einer Minute zu kommunizieren. „Wir setzen den Ausschlag der Welle zwar jede Sekunde für kurze Zeit herab”, sagt Simon. „Doch diese Modulation dauert mal 100, mal 200 Millisekunden und sendet damit eine Information - nämlich null oder eins.” Ein Binärsystem, das auch als „Null-/Eins-Mathematik” bekannt ist.

„Zwei Einsen hintereinander stehen für die Drei, das ist der Mittwoch”, erläutert Simon. „Eins, eins, null ist die Sechs und damit der Samstag.” Mit jedem Sekundensignal sendet der Mainflinger Mast also auch eine Null oder Eins (ein Bit) und informiert während einer Minute auch über Monat, Jahr und Stunde. So können sich Funkuhren selbst neu stellen. Für alle nötigen Informationen kommt der Sender mit rund 50 Bits pro Minute aus.

Die Stadt Wien meldete jüngst, dass fast alle Kirchturmuhren der Stadt auf das Signal aus „Mainflingen bei Frankfurt” hören. Mit dem zwölften Schlag um 0.00 Uhr moduliert der Sender in Mainflingen seine abgestrahlte Welle für 100 Millisekunden herab und verschickt damit ein sogenanntes Null-Bit. Nicht als Teil des Binärcodes und ohne weitere Infos. Außer der einen: Es ist Mitternacht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert