Paris - Hausbesetzung lenkt Blick auf Einwanderer-Elend

Hausbesetzung lenkt Blick auf Einwanderer-Elend

Von: Miriam Kruse, dpa
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Frankreich / Afrikanische Einwanderer
Afrikanische Einwanderer ohne Bleiberecht besetzen am 20.07.2009 ein Gebäude in Paris. Mit einem so genannten „Ministerium für die Legalisierung” wollen die Ausländer ohne Bleiberecht in Frankreich auf ihre Situation aufmerksam machen. Foto: dpa

Paris. Der 37-jährige Goribe MPamara aus Mali hat in einer grünen Mappe alle seine Papiere gesammelt - Lohnabrechnungen, Kontoauszüge, eine abgelaufene Aufenthaltsberechtigung. Er hangelt sich seit Jahren in Paris mit gefälschter Sozialversicherungskarte von Job zu Job.

Steuern kann er damit zahlen, Sozialleistungen einfordern jedoch nicht. Seit einigen Tagen hält er mit etwa 1200 anderen Ausländern ein riesiges leerstehendes Gebäude im Norden der französischen Hauptstadt besetzt. Mit ihrem „Ministerium für die Legalisierung” wollen auf ihre Situation aufmerksam machen.

Die Protestaktion der Einwanderer, die meist aus Westafrika stammen, dauert nun schon 14 Monate, erregte aber bisher kaum Aufsehen. Zunächst hatten die die Ausländer ohne Bleiberecht ein Gewerkschaftsgebäude besetzt, ohne dass Behörden und Medien darauf reagierten. Ende Juni warf ein Sicherheitsdienst sie hinaus, daraufhin campierten sie drei Wochen lang auf einem Bürgersteig am Seine-Ufer im Pariser Viertel Marais.

Mitte Juli nun besetzten die „Papierlosen”, wie sie sich selbst nennen, ein Gebäude im Norden von Paris, aus dem kürzlich eine Behörde auszog. Seitdem beschäftigen sich die Zeitungen zunehmend mit dem Problem. Und auch die Behörden wachen langsam auf. „Die Präfektur hat uns angeboten, 300 Anträge auf Bleiberecht wohlwollend zu prüfen”, sagte ein Sprecher der Protestbewegung. Das sei den Protestierenden aber nicht genug: „Wir wollen, dass alle von uns das Bleiberecht bekommen.”

Goribe war im Jahr 2000 mit einem Touristenvisum nach Frankreich gereist und bei Verwandten untergekommen. Als seine Aufenthaltsgenehmigung ablief, arbeitete er illegal weiter - als Barmann, Bauarbeiter und in einem Hotel. „Ich habe immer Steuern gezahlt. Jetzt habe ich meinen Job verloren und kriege nichts!” klagt er. „Die wissen ganz genau, dass es uns gibt. Wir haben mitgeholfen, Frankreich aufzubauen!”

Baustellen, Reinigungsfirmen, Hotels und Restaurants sind typische Arbeitgeber für Ausländer ohne Papiere. Frauen arbeiten oft als Tagesmutter oder Altenpflegerin. „Sie nehmen uns keine Arbeit weg, sie machen die Arbeit, die die Franzosen nicht selber machen wollen”, meint eine ehrenamtliche Helferin, die Einwanderern bei der Lösung von bürokratischen Problemen unterstützt.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat sich in der Vergangenheit immer wieder gegen sogenannte Massenlegalisierungen von Arbeitern ohne Bleiberecht ausgesprochen. Seiner Ansicht nach zieht dies nur weitere illegale Einwanderer an. In einem unter der französischen EU-Ratspräsidentschaft verabschiedeten Einwanderungspakt haben sich die EU-Staaten nun vergangenes Jahr dazu verpflichtet, auf solche Praktiken zu verzichten.

Goribe ist skeptisch, dass die Besetzungsaktion Erfolg haben wird. „Ich wollte meine Familie aus Afrika rausholen und ihnen etwas Besseres bieten. Aber so geht das nicht, das hier ist doch kein Zustand. Die Franzosen wollen uns hier nicht”, sagt er.
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