Köln - Geplantes Jüdisches Museum in Köln steht auf Kippe

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Geplantes Jüdisches Museum in Köln steht auf Kippe

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Köln. Der Bau des umstrittenen Jüdischen Museums in Köln steht nach Finanzierungsproblemen völlig auf der Kippe. Der private Trägerverein, der die Finanzierung übernehmen soll, ließ auch eine zweite wichtige Frist verstreichen, berichtete die Stadt am Donnerstag.

Bis zum 2. Juni sollte die private „Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur” einen Vertrag mit der Stadt zur Rückerstattung der vorfinanzierten Planungskosten unterzeichnen. Die Stadt war mit 1,2 Millionen Euro in Vorleistung gegangen und wartet weiterhin auf die vereinbarte Rückzahlung der Hälfte der Summe. Nun sei offen, ob das Museum überhaupt realisiert werde, sagte Stadt-Sprecher Gregor Timmer.

Der Trägerverein war bereits einer ersten Zahlungsaufforderung mit Frist bis zum 31. März 2009 nicht nachgekommen. Es gebe nun drei Möglichkeiten, erklärte Timmer. Die Verwaltung könne dem Rat die umgehende Einstellung der Museumsplanungen vorschlagen. „Stimmt der Rat dafür, würde das dann heißen: Schluss, Aus, Ende.” Es gebe zudem die Möglichkeit, Exponate der jüdischen Kultur in „abgespeckter Form” in die ebenfalls auf dem Rathausplatz geplante unterirdische Archäologische Zone zu integrieren.

Eine dritte Option könne sein, dass die Stadt die Millionen-Kosten für Planung, Bau und Betrieb selbst übernimmt. Dies ist aber eher unwahrscheinlich, da die Domstadt vor wegbrechenden Gewerbesteuer- Einnahmen und deutlichen Sparmaßnahmen steht. Der Rat soll bei der nächsten Sitzung am 30. Juni entscheiden.

Der Vorsitzende der Gesellschaft, Benedikt Graf von und zu Hoensbroech, sprach der Stadt zufolge Ende Mai von Verzögerungen bei der Gründung einer Stiftung. Der dpa in Köln hatte er erklärt, der erste Anlauf zur Gründung einer Stiftung sei gescheitert, ein zweiter Anlauf aber auf gutem Wege.

Ohne die Stiftung, die als Bauherrin fungieren soll, könnten keine Spenden verbucht - und damit auch die Planungskosten nicht an die Stadt zurückgezahlt werden. Dies werde aber bis Herbst 2009 gelingen. Die Baukosten sollten insgesamt bei zehn bis elf Millionen Euro liegen.

Nach Worten von Timmer steht die Stadt aber unter Zeitdruck. „Wir müssen am 30. Juni zu einer Entscheidung kommen, wenn wir die erheblichen Fördergelder der Landesregierung für die Archäologische Zone nicht infrage stellen wollen.” Die Archäologische Zone soll nach bisherigen Planungen unter dem Jüdischen Museum liegen, der Bau zur Zone muss zwingend im Regionale-Jahr 2010 beginnen. Das Land NRW hatte dies zur Bedingung für Mittel in zweistelliger Millionenhöhe gemacht.

Der Rat hatte im August 2008 für das Museum - es soll auf einer 2000 Jahre alten jüdischen Geschichte aufbauen - vor dem Historischen Rathaus gestimmt, obwohl das Vorhaben in der Bevölkerung umstritten ist. Im Mittelalter hatte sich in diesem Teil der Altstadt das Judenviertel befunden. Die Archäologische Zone soll mit Resten einer mittelalterlichen Synagoge in den Keller des Jüdischen Museums integriert werden, sofern dieses denn realisiert wird.
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