Ein Bissen Deutschland in London

Von: Lisa Louis, dpa
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Bratwurst
Geschäftsführer Valentin von Amsberg in seinem Londoner Wurstladen „Kurz & Lang - The Bratwurst Company”. Deutsch, für viele Briten ist das gleich Bratwurst. An einer Ecke, in der Nähe vom Londoner Bahnhof Kings Cross, finden sie die Bestätigung aller Klischees. Hier liegt von Amsbergs Laden. Der Herr der Würste ist Valentin von Amsberg, ein gebürtiger Berliner, der seit rund drei Jahren den Briten erfolgreich die Bratwurst schmackhaft macht. Von der Rindswurst über die Currywurst bis zum Frankfurter Würstchen reicht das Angebot, dazu gibt es Hefe-Weizen und Kölsch. Foto: dpa

London. Deutsch, für viele Briten ist das gleich Bratwurst. An einer Ecke, in der Nähe vom Londoner Bahnhof Kings Cross, finden sie die Bestätigung aller Klischees. Hier liegt „Kurz & Lang - The Bratwurst Company”.

Der Herr der Würste ist Valentin von Amsberg, ein gebürtiger Berliner, der seit rund drei Jahren den Briten erfolgreich die Bratwurst schmackhaft macht. Von der Rindswurst über die Currywurst bis zum Frankfurter Würstchen reicht das Angebot, dazu gibt es Hefe-Weizen und Kölsch.

„Nachdem ich 2003 nach London gezogen bin, hat mir in der Mittagspause einfach etwas Warmes, Handfestes auf der Hand gefehlt”, sagt der 39-jährige Manager des Ladens. Zwei Jahre habe er in England mit Hilfe von „Care-Paketen” aus Deutschland „überlebt”. Bis er eines Abends mit einer Freundin, seiner jetzigen Geschäftspartnerin Ina Zimmermann (41), beschloss, aus diesem „Hungergefühl” eine Geschäftsidee zu machen. Am Tag darauf kündigte von Amsberg seinen Job als Marketing-Manager eines großen Finanzdienstleisters. Ein gutes Jahr später, im Juni 2006, gingen die ersten Würste über die Theke von Kurz & Lang.

Sehr zur Freude von Mauritio Lucorino (45), der regelmäßig „one Wurst” bestellt. Der Italiener arbeitet seit zwölf Jahren als Weintester in der englischen Hauptstadt. „Hmmm”, sagt er, als er in eine Frankfurter mit Senf im Brötchen beißt, „das ist einfach köstlich!” Auf den Geschmack von Würstchen ist er auf einer Reise durch Deutschland gekommen. Und um den wieder zu finden, scheut er auch den mehr als halbstündigen Weg von seinem Arbeitsplatz im Nordwesten Londons nicht.

Die Wurst in seinem Brötchen hat eine ungleich weitere Reise hinter sich: Sie kommt vom Fleischhof Bayer im 500-Seelen-Dorf Niederwallmenach zwischen Wiesbaden und Koblenz. Den haben von Amsberg und Zimmermann erst nach mehreren Monaten Suche in Deutschland entdeckt. „Bei all den Fleischskandalen war es uns wichtig, qualitativ hochwertige Ware zu verkaufen, von der wir wissen, wo sie herkommt”, sagt der Geschäftsführer.

Durch den langen Anfahrtsweg sind die Würste zwar nicht ganz billig: 3,90 Pfund, umgerechnet rund 4,10 Euro, kosten sie pro Stück. Doch für einen Bissen Deutschland zahlen Liebhaber auch gerne etwas mehr. „Es gibt einfach nichts Vergleichbares hier, das auch noch so schnell fertig ist”, sagt Unternehmensberaterin Rowena (42), die sich kurz für einen Snack von ihrem Arbeitsplatz davongestohlen hat und deswegen ihren Nachnamen lieber nicht verrät.

Der einzige Anbieter von deutscher Kost in London ist von Amsberg jedoch bei weitem nicht. Vom deutschen Fußball-Pub über ein „Bavarian Beerhouse” bis zum deutschen Bäcker: Der Freund der germanischen Hausmannskost muss schon lange nicht mehr hungern. Im Winter boomen deutsche Weihnachtsmärkte, an Wurst- und Glühweinbuden stehen auch nicht-deutsche Schlangen. Und deutsches Bier gilt bei den Briten schon lange als Delikatesse.

Dass Wurstpausen zur Norm werden, darauf setzt auch von Amsberg: Der nächste Kurz & Lang-Laden in London ist „nur noch eine Frage der Zeit, beziehungsweise der Immobilienpreise. Und danach wird weiter expandiert - erst in England, dann weltweit.”
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