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„Eifersucht ist wichtig!”: Liebesmythen auf dem Prüfstand

Von: Andrea Löbbecke, dpa
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Liebesmythen auf dem Prüfstand
Hand in Hand durchs Lebengehen: Tatsächlich ist es besser, wenn Partner auch mal alleine mit Freunden losziehen. Foto: dpa

Köln/Berlin. Um das Thema Partnerschaft ranken sich viele Mythen. Beispielsweise, dass große Eifersucht ein Zeichen großer Liebe ist. Oder, dass es zwischen Liebenden keine Geheimnisse geben darf. Sind sie nur Ausdruck verklärter Romantik? Oder ist an ihnen etwas Wahres dran?

Die wichtigsten Mythen im Überblick:

WENN EIN PÄRCHEN SICH LIEBT, UNTERNIMMT ES ALLES GEMEINSAM! „Nein! Zwar haben viele Pärchen vor allem in der Anfangszeit den Wunsch, alles gemeinsam zu erleben”, erklärt der Paartherapeut Manuel Tusch aus Köln. „Langfristig ist es aber wichtig, dass sich jeder seine eigene Welt erhält.” Nur wenn jeder auch seine Hobbys und Freundschaften pflegt, könne eine Partnerschaft lebendig bleiben. „Wichtig ist, dass Impulse von außen kommen.” Dann hätten sich die Partner mehr zu erzählen.

„Auf Dauer ist das nicht gut, alles gemeinsam zu unternehmen”, sagt auch die Paartherapeutin Vera Matt aus Berlin. „Im Extrem kann es sein, dass der eine den anderen einengt, das Pärchen nur noch im Doppelpack auftritt.” Es gebe nun mal Gespräche, die er nur mit seinen Kumpels und sie nur mit ihren Freundinnen führen kann - und zwar ohne den Partner.

WER NICHT EIFERSÜCHTIG IST, LIEBT DEN ANDEREN NICHT RICHTIG! Nein! Eifersucht ist ein Cocktail aus Verlustangst, Gefühl des Liebesentzuges und Minderwertigkeitsgefühl, erklärt Vera Matt. Sie sei eher ein Hinweis auf die Unfähigkeit, sich selbst anzunehmen und sich selbst als liebevoll oder wertvoll zu erleben. „Eifersucht ist kein Liebesbeweis!” Für Manuel Tusch ist dieses Gefühl dagegen eine Typfrage. Es könne durchaus ein Zeichen von Liebe sein, im Übermaß aber auch die Beziehung zerstören. „Wer eifersüchtig ist, hat oft Angst. In vielen Fällen hat das Gefühl nicht primär mit der Beziehung zu tun, sondern mit früheren, schlechten Erfahrungen”, sagt er.

GUTER SEX IST EIN ZEICHEN FÜR EINE INTAKTE BEZIEHUNG! Wird der Sex im Laufe der Beziehung schlechter - also für beide oder einen Partner weniger befriedigend -, kann dies ein Zeichen dafür sein, „dass es in der Beziehung kriselt”, sagt die Diplom-Psychologin Karin Krause aus Frankfurt/Main. Allerdings sollte es nicht gleich das Ende bedeuten, wenn die erste Leidenschaft im Bett abgekühlt ist. „Wichtig ist, darüber zu reden. Auch wenn es ein Tabu-Thema ist.”

Manuel Tusch rät ebenfalls, sich „offen zu verständigen”. Ist Sex für beide ohnehin „nicht so ein großes Thema”, könnten auch Paare, die selten miteinander schlafen, intakte Beziehungen führen. „Manchmal gibt es sogar Pärchen, die zoffen sich und haben dann den besten Sex”, sagt Vera Matt. Oft sei es jedoch so, dass eine intakte Beziehung die Grundlage für guten Sex ist.

IN EINER GLÜCKLICHEN LIEBESBEZIEHUNG GIBT ES KEINE GEHEIMNISSE! „Doch! Es sollte aber unterschieden werden zwischen guten Geheimnissen und belastenden”, erklärt Vera Matt. Ein gutes Geheimnis sei die von langer Hand geplante Überraschung. „Ein schlechtes Geheimnis ist pauschal gesagt etwas, was man aus Feigheit oder falscher Rücksicht verschweigt.” Auch Tusch betont: „Es ist wichtig, dass man seine Geheimnisse pflegt. Denn jeder Partner braucht seinen intimen Lebensbereich.” Dies bedeute natürlich nicht, den anderen zu hintergehen. Und Karin Krause ergänzt: „Wenn man seinem Partner nicht alles erzählt, sollte man sich klar machen, warum man so handelt.”

WER DEN HOCHZEITSTAG VERGISST, IST EIN SCHLECHTER PARTNER! „Nein”, lautet die deutliche Antwort von Paartherapeutin Krause. „Das ist ein Datum, und für manche Menschen haben Daten schlichtweg nicht eine so große Bedeutung.” Aufmerksam sollte man allerdings werden, wenn ein Partner, der immer dran gedacht hat, den Termin plötzlich vergisst. Auch für Manuel Tusch ist ein versäumter Hochzeitstag kein Drama: „Menschen sind vergesslich”, sagt er. Wenn für einen der Partner das Datum jedoch von großer Bedeutung ist, sollte der andere versuchen, auf diesen Wunsch einzugehen und daran zu denken.

PARTNER SOLLTEN MÖGLICHST VIELE GEMEINSAME INTERESSEN HABEN! „Besonders für den Anfang einer Beziehung sind gemeinsame Interessen gut”, sagt Tusch. Später sollten die Partner dann eigene Hobbys pflegen oder aufbauen. Für die Interessen des anderen sollte man offen sein. „Wenn jedoch Kinder da sind oder aus anderen Gründen wenig gemeinsame Zeit, sollten bei den Interessen beide nach Schnittmengen suchen”, rät der Therapeut. Wichtig für jede Beziehung sei, dass es gemeinsame Zeiten „als Paar” gibt. Das kann eine Radtour oder ein Wellnesstag zu zweit sein.

Neben gemeinsamen Interessen brauche es auch gemeinsame Ziele, sagt Vera Matt. Hierfür müsse sich jeder einzeln erst einmal klar machen, was ihm wichtig ist und welche übergeordneten Werte in seinem Leben eine Rolle spielen. „Je deckungsgleicher diese Ziele und Werte von Anfang an sind, desto einfacher wird es”, sagt die Psychologin.
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