Brüssel - Drogenkonsumenten in Europa immer älter

Drogenkonsumenten in Europa immer älter

Von: Marion Trimborn, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Die Zahl der Drogenabhängigen bleibt mehr oder minder konstant, auffallend ist jedoch, dass die Abhängigen im Schnitt älter werden. Das ist ein statistischer Effekt, da die Heroinepidemie der Achtziger eine stattliche Anzahl Schwerst- und Mehrfachabhängiger hinterlassen hat. „Normale” Abhängige - Hasch- und Ecstacy-Konsumenten beispielsweise - schaffen hingegen üblicherweise den Absprung. Foto: dpa

Brüssel. Früher hörten Europäer mit 30 auf, Drogen zu nehmen - heute sind immer mehr Drogenkonsumenten über 40. „Der Drogenmissbrauch ist kein Jugendphänomen mehr”, sagte der Leiter der EU-Drogenbeobachtungsstelle, Wolfgang Götz, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel.

Etwa jeder fünfte Drogenkonsument, der sich in Europa in Behandlung gebe, ist inzwischen älter als 40, in manchen Ländern ist es fast jeder dritte. Das zeigt der am Mittwoch vorgelegte Jahresbericht der Behörde.

Schuld ist: die Heroinepidemie der Achziger

Grund dafür sei die alternde Bevölkerung. In den 80er Jahren seien viele junge Leute an Heroin geraten und nicht mehr davon losgekommen - diese langjährigen Konsumenten seien älter geworden und ließen heutzutage das Durchschnittsalter der Drogenkonsumenten steigen. „Damals gab es eine Heroinepidemie, weil die Droge in Mode war”, sagte Götz. Von anderen Drogen wie Cannabis oder Party-Drogen könnten sich die meisten lösen, weil sie sich nicht mehr ausprobieren müssten und Rücksicht auf ihre Familie und Kinder nähmen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass heutzutage Ältere ohne Drogenerfahrung vermehrt zu Rauschgiften griffen.

Auf die Gesellschaft sieht der Experte eine Kostenlawine zurollen. Die Behandlung von Älteren sei teuer, weil sie besondere Therapien benötigten. „Ein 40-jähriger chronischer Heroinabhängiger braucht eine Behandlung wie ein 60-Jähriger, weil sein Körper so schnell gealtert ist”, sagte der Behördenchef. Viele hätten eine lange Drogenkarriere mit Entzug und Gefängnis hinter sich. Oft seien sie mit HIV oder Hepatitis infiziert und alkoholabhängig. „Da reicht es nicht, eine Ersatzsubstanz zu geben”, sagte Götz. „Da ist die Geriatrie gefragt.” Die Entzugskliniken in Europa seien meist auf Jugendliche eingerichtet - das Angebot gehe an den Älteren vorbei.

Drogenproduzenten werden immer erfinderischer

Drogenproduzenten werden dabei immer erfinderischer: 2009 wurden in Europa so viele neue Drogen beschlagnahmt wie nie zuvor. „Die Dealer wollen Geld verdienen, deshalb ist so viel Innovation auf dem Markt”, sagte Götz. An erster Stelle des europaweiten Drogenkonsums steht aber nach wie vor Cannabis, mit dem sich jährlich etwa 23 Millionen Menschen berauschen. Der Konsum sei aber rückläufig. Rund 14 Millionen Europäer nehmen Kokain, zwei Millionen Amphetamine.

Die EU-Drogenbeobachtungsstelle mit Sitz im portugiesischen Lissabon liefert Daten und Statistiken. Die Prävention und Bekämpfung der Drogenprobleme liegt dagegen in den Händen der Mitgliedsstaaten.
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