Kelberg - Der Kinderschänder brachte immer Geschenke mit

Der Kinderschänder brachte immer Geschenke mit

Von: Birgit Reichert, dpa
Letzte Aktualisierung:
Kinderschänder
Ein Fahndungsbild des Bundeskriminalamts (BKA) zeigt einen Mann, der mehrfach Kinder schwer sexuell missbraucht und kinderpornografische Videos hergestellt haben soll (Gesicht von der Redaktion unkenntlich gemacht). Foto: dpa

Kelberg. Wenn der freundliche junge Mann im kleinen Eifeldorf auftauchte, hatte er immer Geschenke dabei: Süßigkeiten oder andere kleinen Päckchen, erzählt ein Einwohner von Retterath in der Verbandsgemeinde Kelberg (Rheinland-Pfalz).

In Wirklichkeit aber kam vermutlich ein Kinderschänder zu Besuch. Das Auto des 37- Jährigen, der jetzt in Kempten in Untersuchungshaft sitzt, stand häufig vor dem Haus der Familie von Marcel und Pascal.

„Er war oft da”, sagt ein Nachbar. In dem alten Bauernhaus, in dem auch tagsüber immer die Rollläden heruntergelassen waren.

Im Oktober 2005 war die Familie mit fünf Kindern in den Vulkaneifelkreis gezogen: Drei Mädchen und die Zwillingsbrüder Marcel und Pascal, deren Namen auch in den brutalen Sex-Videos des Kinderschänders auftauchen.

Der 37-Jährige aus Mayen aus der Eifel kannte die Familie möglicherweise schon vor dem Umzug, wohnte sie doch zuvor im Kreis Mayen-Koblenz.

Der Beschuldigte habe die Familie damals „unterstützt und Einkäufe erledigt”, sagt die Sprecherin der Kreisverwaltung Vulkaneifel, Verena Bernardy. Es sei bekanntgewesen, dass er bei der Familie „ein- und ausgegangen” sei.

Im August 2006 dann erstattete ein Nachbar der Familie Anzeige gegen den regelmäßigen Besucher. Der Grund: Sein Sohn erzählte ihm von „Pipimännchen-Geschichten”, über die Marcel und Pascal von Treffen mit dem Mayener berichteten.

„Das war Gespräch zwischen den Kindern”, sagt ein Einwohner. Doch ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verlief im Sande - weil niemand in der Familie eine Aussage machen wollte.

„Für uns im Dorf war die Sache dann erledigt”, sagt der Einwohner. Seitdem sei der Besucher zurückhaltender gewesen und habe den Kontakt mit anderen Dorfbewohnern gescheut.

„Er hat am Dorfleben nicht teilgenommen”, sagt Ortsbürgermeister Hermann Hay. Warum der Mann gekommen sei, habe er nicht gesagt. „Wir haben alle gedacht, er ist ein Freund der Familie”, sagt ein Nachbar.

Doch es kehrte keine Ruhe ein. Es gab neue Hinweise, die Schule meldete sich beim Jugendamt der Kreisverwaltung Vulkaneifel.

Von März 2007 an bis zum Wegzug der Familie vor zwei Monaten in den Kreis Cochem-Zell schickte das Jugendamt regelmäßig eine „Sozialpädagogische Familienhilfe” in die Familie.

Da die Zusammenarbeit aber nicht optimal verlief und die Kinder weiter „verhaltensauffällig” waren, schaltete das Amt im Oktober 2007 das Familiengericht ein, um den Eltern das Sorgerecht zu entziehen.

„Wir haben aus unserer Sicht alles getan, was notwendig und möglich war”, sagt Bernardy.

Die Mutter war inzwischen fortgezogen, und der Vater lebte alleine mit den fünf Kindern. Als das Familiengericht das Sorgerecht entzog, legten die Eltern Widerspruch ein, der Richterspruch ist deshalb noch nicht rechtskräftig.

Eine vom Gericht im Januar 2008 verhängte Kontaktsperre zu dem 37-Jährige zeigte aber Wirkung.

Sein Auto tauchte nicht mehr auf. „Wir haben ihn hier schon lange nicht mehr gesehen”, sagt der Einwohner.

Dass der 37-Jährige auch im Haus von Marcel und Pascal Filme von seinen Schandtaten gedreht hat, halten die Einwohner des Ortes für gut möglich. „Es gibt Aufnahmen, die so aussehen, als seien sie hier aufgenommen worden”, hieß es.
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