Bonn/Bremen - Der elektrische Radler: Fahren mit Pedelecs muss geübt werden

Der elektrische Radler: Fahren mit Pedelecs muss geübt werden

Von: Heiko Haupt, dpa
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Fahren mit Pedelecs
Ungewöhnlich hohes Tempo: an den Umgang mit einem Pedelec müssen sich Radfahrer wegen des enormen Beschleunigungsvermögens erst gewöhnen. Foto: dpa

Bonn/Bremen. Rasende Radler gelten als Ärgernis - doch in jüngster Zeit verändert sich ihr Bild merklich. Es sind nicht mehr jugendliche Geschwindigkeit-Junkies oder Fahrradkuriere, die überschnell auf Straßen und Radwegen unterwegs sind.

Ganz normale Durchschnittsmenschen oder Senioren genießen derzeit eine neue Möglichkeit, auf einfache Weise die Reisezeiten zu verkürzen.

Denn nachdem es bisher vor allem Varianten des Standardfahrrads - vom Mountainbike bis zum Trekking-Rad - waren, mit denen die Hersteller um Kunden buhlten, haben sie nun die elektrische Zusatzkraft entdeckt: Der Trend geht zum Pedelec. Doch wer mit elektrischer Unterstützung radeln will, sollte das üben und sich auf ein verändertes Fahrverhalten ebenso wie auf das Tempo einstellen.

„Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb sind im Moment der Trend überhaupt”, bestätigt Bettina Cibulski, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Bremen. Auch wenn sich die Zahlen noch im überschaubaren Bereich befinden, ist die Entwicklung deutlich: „Von bisher gerade einmal 0,5 Prozent Anteil an den jährlich in Deutschland verkauften 4,5 Millionen Fahrrädern ist der Anteil auf nun schon 1,5 Prozent gewachsen - erwartet wird in der Zukunft noch einmal eine Verdoppelung.”

Grundsätzlich werden bei Fahrrädern mit Elektro-Unterstützung zwei Typen unterschieden - die Pedelecs und die E-Bikes. Wobei letztere eher die Ausnahme darstellen: Bei einem E-Bike kann die Leistung des Elektromotors wie bei einem Mofa mit Drehen am Lenkergriff geregelt werden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h, notwendig sind ein Versicherungskennzeichen und ein Mofa-Führerschein. Den größeren Anteil haben die Pedelecs: Hier gibt es einen Elektromotor, der den Fahrer beim Tritt in die Pedale lediglich unterstützt. Die Höchstgeschwindigkeit darf mit Motorunterstützung 25 km/h nicht überschreiten - dann schaltet der Motor ab.

Die angegebenen Geschwindigkeiten dürften manchem Autofahrer auf den ersten Blick lächerlich erscheinen - sie sind es aber im direkten Vergleich nicht. „Ein Fußgänger hat ein Durchschnittstempo von 7 km/h, ein normales Fahrrad ist mit 15 km/h etwa doppelt so schnell unterwegs”, erklärt ADFC-Sprecherin Cibulski. Die mit einem Pedelec erreichbaren 25 km/h sind also schon ein merklicher Unterschied. Radfahrer müssen sich beim Umstieg auf ein Pedelec auf diesen Umstand einstellen - und vor allem darauf, dass sie das höhere Tempo wegen der Elektrounterstützung schneller und mit weniger Anstrengung erreichen.

Hinzu kommt, dass der Unterschied nicht nur die Endgeschwindigkeit betrifft. „Die Pedelecs sind wegen der Elektro-Unterstützung gerade auch beim Anfahren wesentlich schneller”, sagt Welf Stankowitz vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Damit verbunden sind zwei mögliche Probleme: Speziell auf nasser Straße kann das Hinterrad des Pedelecs auch mal ins Rutschen kommen. Vor allem aber müssen sich die Autofahrer darauf einstellen, dass ein Elektro-Radler zum Beispiel an einer Kreuzung wesentlich schneller vom Fleck kommt.

Außerdem, so Stankowitz, „sind die Pedelecs eine ganze Ecke schwerer als ein herkömmliches Fahrrad.” Selbst ein hochwertiges Modell ist laut dem ADFC kaum unter 25 Kilogramm zu finden - es gibt aber auch Modelle, die 40 Kilogramm wiegen. Das bereitet natürlich Probleme, wenn so ein Zweirad in den Keller geschleppt werden muss. Außerdem ist die Gewichtsverteilung anders als beim Durchschnittsfahrrad: Die schweren Akkus finden sich manchmal am Heck, manchmal am Rahmenrohr. Das hat Einfluss auf das Fahrverhalten.

Und höheres Gewicht bedeutet auch stärkere Belastungen für die Bremsen. Weil aber in der Regel Bremsen aus dem normalen Fahrradprogramm zum Einsatz kommen, kann das zu einem anderen Bremsverhalten und zu einem verlängerten Bremsweg führen. Die Kombination aus unangestrengtem Tempo, höherem Gewicht und längerem Bremsweg ist etwas, das ein Pedelec-Käufer beachten muss. „Insgesamt gilt, dass eine vorausschauende Fahrweise ratsam ist”, sagt Bastian Roet, Verkehrssoziologe des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Zu empfehlen ist außerdem die Nutzung eines Fahrradhelmes.

Und dann sind noch Dinge zu beachten, die Besitzern herkömmlicher Fahrräder völlig fremd sind. Zum Beispiel das Thema, wo ein Fahrrad mit akkubetriebenem Elektromotor geparkt werden sollte. Wer zum Beispiel mit dem Pedelec zur Arbeit fährt, sollte das Zweirad im Sommer nicht über Stunden in der prallen Sonne stehenlassen. „Wenn so ein Akku durch die Sonneneinstrahlung zu heiß wird, kann er Schaden nehmen”, warnt Bastian Roet. Und in so einem Fall muss auch der elektrisierte Radler wieder kräftig in die Pedale treten.
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