Aachen/Johannesburg - Das lange Warten auf Pfarrer K.

Das lange Warten auf Pfarrer K.

Von: Marlon Gego
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Genugtuung für die Opfer: Das Gericht ordnete an, dass K. nach Deutschland ausgeliefert werden soll. Symbolfoto: dpa

Aachen/Johannesburg. Vier Jahre und einen Monat lang hat die Staatsanwaltschaft Krefeld auf die Auslieferung von Pfarrer K. gewartet. Am Dienstag nun entschied ein Gericht in Johannesburg/Südafrika, dass der Geistliche aus dem Bistum Aachen zurück in seine Heimat geschickt werden soll.

Der südafrikanische Justizminister hat formell das letzte Wort, doch Berichten von südafrikanischen Zeitungen zufolge soll eine Entscheidung noch diese Woche fallen, was für K.s Auslieferung spricht. Dann endlich könnten die Staatsanwälte Anklage gegen K. erheben, wegen mehr als 30 Fällen von zum Teil schwerem sexuellen Missbrauch.

Die Taten fallen in den Zeitraum zwischen 2002 und 2006, während K. als Pfarrer in Nettetal am Niederrhein tätig war, das zum Bistum Aachen gehört. 2007, als sich die Hinweise auf K.s Vorliebe für Saunagänge mit minderjährigen Jungen und Alkoholexzesse mit Minderjährigen im Pfarrhaus mehrten, ging der Geistliche im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz nach Südafrika. Dort übernahm er die Seelsorge einer deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Johannesburg. Doch es dauerte nicht lange, bis aus Südafrika die ersten Beschwerden über Pfarrer K. öffentlich wurden.

In einem Camp für Kommunionskinder soll K. 2008 mehrere Kinder sexuell belästigt und missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft in Johannesburg erhob Anklage gegen K., sein Prozess begann 2010. Durch diverse Verzögerungen schleppte sich der Prozess bis Anfang dieser Woche, als das Gericht in Absprache mit Staatsanwaltschaft und K.s Verteidigung bekanntgab: Der Prozess gegen den Pfarrer wird eingestellt.

Wie die südafrikanische Zeitung „Times Live“ berichtete, sei das Gericht nach fünf Jahren zu der Überzeugung gelangt, dass es schwer werde, K. die Vorwürfe aus dem Camp 2008 nachzuweisen. Damit seine Opfer in Südafrika aber Genugtuung widerfahren könne, ordnete das Gericht an, dass K. nach Deutschland ausgeliefert werden und der deutschen Justiz überantwortet werden solle.

Dabei war auch die Staatsanwaltschaft Krefeld erst relativ spät aktiv geworden, obwohl K.s Taten bereits während seiner Zeit in Nettetal öffentlich geworden waren. Erst 2010, nachdem das Bistum Aachen den Vater eines betroffenen Jungen ermutigt hatte, Anzeige gegen K. zu stellen, nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf. Die Zahl der Anzeigen mehrte sich. Im Mai 2010 schließlich gestand Pfarrer K. die ihm in Deutschland zur Last gelegten Taten, jedenfalls weitgehend. Die Vorwürfe, die in Südafrika gegen ihn erhoben worden waren, bestritt er bis zuletzt.

Bis 2010 hielt das Bistum Aachen seine schützende Hand über Pfarrer K. Die Verantwortlichen weigerten sich, anonymen Hinweisen nachzugehen, auch das Vorsprechen eines Regionaldekans beim Bistum hatte kaum Konsequenzen. Auch die Deutsche Bischofskonferenz informierte das Bistum nicht über die gegen K. erhobenen Vorwürfe, bevor sie ihn 2007 auf seinen Wunsch hin nach Südafrika entsandte.

„Das muss man schon eingestehen“

Es dauerte bis Dezember 2011, als Bistumssprecher Franz Kretsch­mann gegenüber unserer Zeitung erstmals bekannte: „Aus heutiger Sicht kann man sicher sagen: Man hätte anders reagieren müssen, als wir es 2003 und 2007 getan haben.“ Hätte das Bistum 2003 beziehungsweise 2007 vor K.s Versetzung nach Südafrika den Kenntnisstand über sexuellen Missbrauch gehabt, wie man ihn heute nach dem Bekanntwerden so vieler Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche habe, sagte Kretschmann damals, hätte man die Anzeichen im Fall K. „anders werten können. Das muss man schon eingestehen“.

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