Wiesbaden/Eberswalde - „CSI Deutschland”: Spurensucher bei BKA und LKA

„CSI Deutschland”: Spurensucher bei BKA und LKA

Von: Imke Hendrich, dpa
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Dem Täter auf der Spur: Winfried Marquardt vom Landeskriminalamt (LKA) im brandenburgischen Eberswalde ist Sachverständiger für Werkzeug und Formspuren. Weit über 5000 Schuhprofile hat Marquardt allein in seiner Datenbank, Tausende weitere in Prospekten. Foto: dpa

Wiesbaden/Eberswalde. Verwischte Schuhspuren, ein dünnes Haar, verzerrte Worte auf dem AB: Das alles können Mosaiksteine auf dem Weg zu einem Mörder, Dieb oder Kinderschänder sein.

Faszinierend, was mit geschultem Blick auf einen Fingerabdruck, mit ausgeklügelter Bildbearbeitung von Tatortfotos oder Sprachanalyse bei Drohanrufen möglich ist: Experten der Kriminaltechnik brachten so Kaufhaus-Erpresser „Dagobert” zur Strecke, fanden die heiße Spur nach einer Bombendrohung am Düsseldorfer Flughafen oder identifizierten Kindsmörder wie im Fall der kleinen Ulrike aus dem brandenburgischen Eberswalde.

Allein beim Bundeskriminalamt (BKA) arbeiten rund 300 dieser Fachleute alljährlich etwa 10.000 Anfragen ab, berichtet der Abteilungsleiter des Kriminaltechnischen Instituts, Hans-Gerhard Heuser. Die Palette reicht vom Druckingenieur, der Ausweise unter die Lupe nimmt, über die Doktorin der Agrarwissenschaften, die sich mit Pflanzen-, Tier- und Bodenspuren befasst, bis zum Lebensmittel-Chemiker als Sachverständigem für Toxikologie.

Solche „wissenschaftlichen Handwerker”, wie sie Benno Schultz, Leiter des Kriminalwissenschaftlichen Zentrums am Brandenburger Landeskriminalamt (LKA), nennt, gibt es auch an allen LKA-Standorten. Ein Besuch vor Ort in Eberswalde hat einen Hauch von „CSI Miami”, auch wenn solche TV-Serien nur bedingt die Wirklichkeit widerspiegeln. „Vor allem gibt es dort wahre Multitalente, die schier alle Disziplinen auf sich vereinen”, findet Schultz. Ganz anders ist da der Alltag bei BKA oder LKA.

Nicht nur Gen-Spuren können Täter überführen

Dort gibt es eigens Experten für Fingerabdrücke, Sprecheranalyse, Handschriften, DNA und Schusswaffen, oder - wohl eher unbekannt - auch für Schuhprofile. „Ich identifiziere nicht den Täter, aber sein Schuhwerk”, erklärt Winfried Marquardt vom LKA Brandenburg. Der Sachverständige für Werkzeug und Formspuren ist stets auf der Höhe in Sachen Mode. „Kommt die neue Kollektion raus, fahren wir zu eher günstigeren Schuhläden und fotografieren Sohlen und Modelle. 200- Euro-Stiefel müssen wir im Regelfall nicht kennen, die trägt unsere Klientel nicht.”

Weit über 5000 Schuhprofile hat Marquardt allein in seiner Datenbank, Tausende weitere in Prospekten. Wird ein Verdächtiger gefasst, kann er unter Umständen über seine am Tatort getragenen Turnschuhe „stolpern” - wenn sie in Blutlachen oder auf Beeten Abdrücke hinterlassen haben. Mit Rillen oder Bögen befassen sich ein paar Zimmer weiter auch die Experten für Daktyloskopie. Diese Analyse von Fingerabdrücken hilft seit mehr als 100 Jahren in Deutschland bei Ermittlungen.

Ein Fingerabdruck auf der Tatwaffe: Am Computer setzt der Fachmann mindestens zwölf Marker an charakteristischen Stellen und schickt den „codierten” Abdruck ans BKA. Binnen einer Stunde wird dort per Computer ein Abgleich mit Abdrücken von 3,3 Millionen Kriminellen vorgenommen. Das LKA bekommt dann die Fingerabdrücke übermittelt, die mit denen von der Tatwaffe übereinstimmen könnten, und hofft bei der Feinanalyse auf einen Treffer. Über eine Fingerspur an einer Flasche am Fundort der Leiche konnten die Experten im Jahr 2001 den Mörder der 12-jährigen Ulrike aus Eberswalde überführen.

Ein Eichenblatt führte nach jahrelangen Ermittlungen in einem anderen Fall zum Täter: Nach dem Fund einer Frauenleiche in einem Wald in Holland im November 1998 wurde eben dieses Blatt im Kofferraum des Autos des verdächtigen Ehemanns aus Wuppertal gefunden. Erst Jahre später konnte mit Hilfe der ausgereifteren DNA-Analyse festgestellt werden, dass das Eichenblatt vom Fundort stammte, wie Heuser vom BKA berichtet.

2006 wurde der Mann der Toten verurteilt. „Damit wurde erstmals weltweit in einem Strafverfahren eine derartige DNA-Analyse an pflanzlichem Untersuchungsmaterial durchgeführt, die entscheidend zur Urteilsfindung beigetragen hat.”

Auch durch die Analyse menschlicher DNA gab es in den vergangenen Jahren in Deutschland immer wieder Durchbrüche nach teils jahrzehntelangen mühseligen Ermittlungen. Für Wirbel sorgte im vergangenen Jahr die „Wattestäbchen-Affäre”: Die Fahnder waren nach dem Polizistinnenmord von Heilbronn 2007 monatelang einer vermeintlichen Serienkillerin auf der Spur, ehe sich herausstellte, dass bei den Ermittlungen verschmutzte Wattestäbchen benutzt wurden. Laut BKA hat inzwischen eine Projektgruppe national gültige Standards zur Vermeidung möglicher Kontaminationen erarbeitet.
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