London - Cameron nähert sich der Downing Street: Brown angeschlagen

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Cameron nähert sich der Downing Street: Brown angeschlagen

Von: Annette Reuther, dpa
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Das Ende der Labour-Ära? Gordon Brown und die Labour Party haben mitlerweile nur noch geringe Chancen, wiedergewählt zu werden. Alles läuft auf eine Regierung unter Leitung der Conservatives, der sogenannten Tories, heraus. Wer auch immer im Königreich die Macht übernimmt, hat jedoch ein Problem: England ist hoch verschuldet und hat einen defizitären Staatshaushalt, eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit droht und damit einhergehend eine lange, heftige Rezession mit all ihren Folgen. Foto: ddp

London. Der Endspurt ist eingeläutet im britischen Wahlkampf, doch auf den letzten Metern lahmt Premierminister Gordon Brown gewaltig. Für seinen Konkurrenten David Cameron von den konservativen Tories ist die Ziellinie dagegen in greifbare Nähe gerückt.

Denn Browns Labour-Partei muss kurz vor der Wahl am kommenden Donnerstag immer mehr schlechte Nachrichten verkraften: Die Umfragen sehen düster aus, bei der jüngsten TV-Debatte landete der Premier auf dem letzten Platz und am Wochenende entzogen ihm obendrein mehrere Zeitungen die Unterstützung.

Aus einem „Rennen mit drei Pferden” zwischen Cameron, Brown und dem hochgejubelten Chef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, scheint eines mit zwei Pferden geworden zu sein. Zwar hält Cameron in Umfragen den Spitzenplatz. Aber womöglich kommt er nicht auf eine absolute Mehrheit, weshalb er auf die Unterstützung der „Lib Dems” angewiesen sein könnte. Und die haben Höhenluft geschnuppert, nachdem sich sowohl die Zeitung „Guardian” als auch das Schwesterblatt „Observer” für die kleinere Partei ausgesprochen hat.

Damit laufen Labour weitere Unterstützer weg, nachdem sich schon die „Times” und das Massen-Boulevardblatt „Sun” den Tories zugewandt hatten. Auch andere Medien unterstützen die Konservativen mehr oder weniger offen - auch wenn sie offiziell (noch) keine Wahlempfehlung ausgesprochen haben.

Brown wirkt da wie ein angeschlagener Boxer im Ring: „Ich bin nicht müde. Es ist nicht zu viel für mich”, sagte er am Wochenende. „Ich gebe nicht auf. Ich habe gezeigt, dass ich ein Kämpfer bin.” Doch Medien spekulieren schon über seine Nachfolge. Denn wenn Labour verliert, ist es höchst unwahrscheinlich, dass Brown als Chef überleben kann.

Egal, wer nächsten Donnerstag gewinnt: Es warten riesige Probleme auf den neuen Premier und seine Mannschaft. Großbritannien ist mit 163 Milliarden Pfund (187 Milliarden Euro) haushoch verschuldet, das Defizit ist fast so hoch wie das in Griechenland, Ökonomen warnen schon vor einer Herabstufung des Kreditratings.

Doch vor der Wahl rückt keine Partei mit konkreten Sparplänen heraus. „Alle drei Parteien drücken sich darum herum, wie groß die Einschnitte in der Zukunft sein werden”, sagte Howard Archer vom Wirtschaftsforschungsinstitut Global Insight. Zwar verkauft sich Brown als Experte für die Wirtschaft. Doch er hat zehn Jahre als Finanzminister selbst das Loch gegraben, in dem die Briten nun sitzen. Der öffentliche Sektor ist aufgebläht und verschlingt zu viel Geld, kritisierte das Wirtschaftsmagazin „The Economist”. „Das ist eine Zeitbombe, für deren Entschärfung Brown schlecht ausgerüstet ist.”

Und mit der Krise in Griechenland ist das Thema Rezession, aus dem sich Großbritannien als letztes der großen Industrieländer erst vor kurzem herausgekämpft hat, wieder brisanter geworden.

Sollte Cameron also in die Downing Street einziehen, stehen ihm ungemütliche Zeiten bevor. Sparmaßnahmen im großen Stil sind unumgänglich, auf die Briten kommen „Jahre der Entbehrungen” zu, prognostizieren Experten. Aus der englischen Notenbank verlautete sogar, dass es für die nächste Regierung so ungemütlich werden könnte, dass die aufgebrachten Bürger sie danach Jahrzehnte in die Opposition verdammen könnten.
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