Blitzer-Seite: Polizei vermutet Verräter in den eigenen Reihen

Von: Andreas Rabenstein, dpa
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Die Berliner Polizei ist derzeit verärgert über die Internetseite blitzberlin.de, auf der Details benannt werden, die die Nutzer vor hohen Bußgeldern bewahren sollen. Foto: dpa

Berlin. Kein Wunder, dass Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch unglücklich ist über die Internetseite. Alles, was Raser am Steuer vor hohen Bußgeldern rettet, ist dort aufgelistet. Wo wird am häufigsten geblitzt, in welchen getarnten Autos legt sich die Polizei auf die Lauer, wie erkennt man Blitzfallen und zu welchen Uhrzeiten halten sich die Polizisten zurück.

So detailliert sind die Informationen und die zahllosen Fotos auf blitzberlin.de, dass die Polizei lange einen Verdacht hegte: „Verräter” aus den eigenen Reihen arbeiteten für die Gegenseite. Endgültig bewiesen oder widerlegt ist die Vermutung nicht.

Unter dem Punkt „Berliner Messfahrzeuge - die vollständige Liste, Stand Februar/2010”, listet blitzberlin.de alle 38 Autos auf, mit denen die Polizisten Raser jagen.

Penibel werden die Modelle und Farben wie „silber-met. 3er BMW” oder „hellgrün-met. Opel Astra G Caravan” angegeben. Ausgerüstet sind sie mit Video, Radar, Lichtschranken oder den hochmodernen Laser-Messgeräten. Es folgen die aktuellen Kennzeichen und Fotos, der eigentlich unauffällig zum Einsatz am Straßenrand positionierten Wagen.

Erstaunlich dabei: Viele Fotos sind ganz aus der Nähe aufgenommen, zahlreiche Bilder zeigen den Einbau der Technik in Großaufnahmen. Häufig wurde aus dem Innenraum der zivilen Polizeiautos fotografiert. Stellen, an die normale Hobbyfotografen nur schwerlich gelangen.

Entsprechend genervt zeigt sich die Polizei, auch wenn sie den Ärger in ihrer Behördensprache gut verpackt: „Veröffentlichungen dieser Art widersprechen den polizeilichen Bemühungen zur Hebung der Verkehrssicherheit.” Die Sperrung der Seite lasse sich aber „rechtlich nicht durchsetzen”, erklärt ein Sprecher etwas resigniert. Allerdings beobachte die Polizei die Inhalte „regelmäßig”.

In der Vergangenheit wechselte die Polizei immer mal wieder die Kennzeichen ihrer Autos. Die Internetseiten-Betreiber verkündeten daraufhin unter dem Schriftzug „New” das neue Nummernschild. Inzwischen stellen sie süffisant fest, die Wechselaktion stagniere. „Das Blitzberlin.de-Team begrüßt das und hofft, das dadurch eingesparte Geld kommt sinnvollen Anschaffungen zugute, wie z. B. Schutzwesten oder Funkgeräten für Beamte.” Auch solche Sätze deuten auf Mitarbeiter innerhalb der Polizeiwachen hin.

„Derzeit” gebe es dafür aber keine Anhaltspunkte, erwidert die Polizei. Und kündigt gleichzeitig an, dass man trotz der Warnungen einen „möglichst hohen Überwachungsdruck” erzeugen wolle, vorrangig mit „mobiler Geschwindigkeitsüberwachung”, sprich Radarfallen und Blitzgeräten von zivilen Polizeiautos aus.

Aber auch dagegen findet der aggressive Autofahrer Tipps. Neben einer Liste aller festinstallierten Messanlagen und den „Messstellen-Top-Ten” präsentiert die Seite auch Hinweise, wo Kontrollen kaum zu befürchten sind: „In Straßen, in denen nur alle halbe Stunde ein Auto vorbeikommt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gemessen”, heißt es. „Hochverdächtig” seien dagegen „alle Straßen, deren Namen auf -allee, -chaussee oder -damm enden, als auch Gebiete bzw. Tempo 30- Zonen mit Schulen, Kitas oder Krankenhäusern”.

Vorgesorgt wird auch für die Zukunft. In einem Autobahntunnel werden derzeit sogenannte schwarze Blitzer aufgebaut, neuartige Messgeräte, die mit Infrarot unsichtbar blitzen und fotografieren. Die Internetseite beruhigt: „Blitzberlin.de wird ausführlich berichten, sobald die Geräte installiert und aktiv sind.”

Letztlich müssen aber auch die Blitz-Warner einräumen, dass es ein probates Mittel gibt, sich vor hohen Bußgeldern zu schützen, ohne eine Liste ziviler Polizeiautos auswendig zu lernen. Unter dem Stichwort „News & Anleitung” notieren sie: „Last but not least: Der beste Schutz vor Blitzern ist immer noch das Einhalten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit.”
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