Abgesichert wie noch nie: Countdown zur Jubiläums-Wiesn

Von: Sabine Dobel, dpa
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Pressekonferenuz zum Jubiläums-Oktoberfest
Das 200. Oktoberfest findet vom 18. September bis 3. Oktober in München statt. Foto: dpa

München. Das größte Volksfest der Welt hat Geburtstag: Zum 200-jährigen Bestehen erinnert München an die Ursprünge des Oktoberfests - zugleich herrschen die strengsten Sicherheitsvorkehrungen seiner Geschichte.

Historisches Bier und Pferderennen, Mieder und eine romantische Hochzeit - fast wie vor 200 Jahren will München den runden Geburtstag des Oktoberfests feiern. Schon jetzt laufen die Aufbauarbeiten für das größte Volksfest der Welt auf Hochtouren.

Am 18. September heißt es „Ozapft is”, für Nicht-Bayern: Das erste Bierfass ist angezapft, es darf gefeiert werden - unter dem Schutz der strengsten Sicherheitsvorkehrungen in der Geschichte des Festes.

Wirte und Schausteller hoffen auf ein besonders gutes Geschäft: Laut Festleiterin Gabriele Weishäupl könnte das Jubiläum noch mehr Besucher anlocken als die sonst üblichen sechs Millionen - auf dem Festgelände würde es noch enger.

Zudem gilt in den stets von Überfüllung bedrohten Bierzelten mit Tausenden Gästen erstmals ein komplettes Rauchverbot. Nach außen drängende Raucher, nach innen drängende Gäste sowie Ordner könnten sich gehörig in die Quere kommen. Und die tödliche Katastrophe von Duisburg schürt die Debatte um die Organisation von Großveranstaltungen.

Doch Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle sieht die gerade am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen als ausreichend - es sind die schärfsten, die es je bei einer Wiesn gab. „Aber man kann nie ausschließen, dass etwas passiert - Unvorhergesehenes ist immer möglich”, sagt Blume-Beyerle. „Jeder, der auf eine Großveranstaltung geht, begibt sich in eine größere Gefahr, als wenn er in den Wald zum Pilzesammeln geht.”

Drei Sperrgürtel, unter anderem mit Beton-Litfaßsäulen und Blumenkübeln, sollen das Fest schützen. Nach Drohungen des Terror- Netzwerks El Kaida gegen Deutschland hatten die Behörden schon 2009 die Maßnahmen massiv verschärft. Nicht zuletzt war die Wiesn vor 30 Jahren Ziel eines der größten Terroranschläge in der deutschen Nachkriegsgeschichte geworden: Am 26. September 1980 explodierte in einem Mülleimer eine Bombe und riss 13 Menschen in den Tod. Es gab mehr als 200 Verletzte. Ob der Rechtsextremist Gundolf Köhler wirklich Einzeltäter war, ist bis heute umstritten.

Derzeit werden auf der Theresienwiese kilometerweise Kabel verlegt und Hunderte Kubikmeter Beton gemischt - jedes Jahr müssen die Böden für die Bierzelt-Küchen neu betoniert und nach dem Fest wieder abgerissen werden. Fast die Hälfte des Jahres, von Juli bis November, sind die Helfer mit Auf- und Abbau beschäftigt. „Sonst hätten wir ja keine Arbeit”, kommentiert Toni Pletschacher, dessen Zeltbaufirma jedes Jahr dabei ist, den Baumarathon für das gut zweiwöchige Fest.

Zum Jubiläum dauert die Wiesn einen Tag länger bis zum 4. Oktober, und sie wird mit insgesamt 35 Hektar noch größer als sonst: Eine historische Wiesn erinnert neben Bierzelten und Fahrgeschäften an die Ursprünge des Fests bei der Hochzeitsfeier des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Zum Gedenken wird Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) länderübergreifend drei Paare trauen, die wie der Prinz und seine Prinzessin aus Bayern und Sachsen kommen.

Nicht ohne Hintersinn ließ man 1810 das Volk mitfeiern: Das sollte nach der Erhebung Bayerns zum Königreich das Gemeinschaftsgefühl fördern und die Ausrichtung auf das Herrscherhaus in München unterstreichen. Zusammengehörigkeit stiftet das Fest bis heute: Italiener schunkeln mit Australiern, Bayern mit den sonst geschmähten Preußen, und zum Anstich sitzen Politiker aller Parteien einträchtig beieinander.

Wie früher brät auf der historischen Wiesn ein „Lohnwürstelbrater” gegen Entgelt mitgebrachte Würste, es gibt Pferderennen, vor 200 Jahren Höhepunkt der Feier, und ein bernsteinfarbenes Spezialbier, das stilecht aus Holzfässern in handgemachte Steinmaßkrüge fließen wird - sonst kommt das Bier längst heute aus Containern. Auch der Bierpreis erreicht historisches Niveau: Zwischen 8,30 Euro und 8,90 Euro kostet die Maß, so viel wie noch nie.

Während Ude zum Anstich wahrscheinlich wie immer in seiner Lederhose erscheinen wird, hat sich Festleiterin Weishäupl für die Eröffnung eine geschichtsträchtige Garderobe zurechtgelegt: Sie wird im Münchner Mieder und in Riegelhaube kommen, wie sie die Münchnerinnen im 19. Jahrhundert trugen. „Schmeichelhaft ist das alles nicht”, räumt sie ein, und schwer seien die historischen Klamotten auch. „Da muss man einfach durch.”
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