Wolfsburg - Gladbach: Malli düpiert Borussias Abwehr

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zur Webansicht Sa. 16.12.2017

Gladbach: Malli düpiert Borussias Abwehr

Von: Stefan Herrmanns
Letzte Aktualisierung:

Wolfsburg. Es muss im Frühjahr 2011 gewesen sein, als ein Nachwuchsspieler im Büro von Max Eberl, dem Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, saß, um über seinen ersten Profivertrag zu verhandeln. Aber die Bedingungen des jungen Mannes waren für die Gladbacher nicht akzeptabel.

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Gute Laune bei den Wolfsburger Torschützen Yunus Malli (Mitte) und Daniel Didavi, stummes Entsetzen bei Gladbachs Kapitän Lars Stindl (r.). Foto: imago/Hübner

Der damals 19-Jährige, noch kein einziges Mal für die erste Mannschaft zum Einsatz gekommen, wollte sich in seinem Vertrag festschreiben lassen, nur bei den Profis zu trainieren und nicht etwa bei der U 23. Eberl lehnte ab – und so wechselte Yunus Malli ablösefrei zu Mainz 05. Am Sonntagabend dürften die Borussen diese Entscheidung zutiefst bedauert haben. Yunus Malli, inzwischen beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, war der überragende Mann gegen die Gladbacher. Ein Tor und einen Assist steuerte er zum 3:0 (2:0)-Heimsieg des VfL bei.

Von den acht Mannschaften, die zuletzt gegen Bayern München gewonnen hatten, konnte keine einzige auch das folgende Spiel für sich entscheiden. Diese Serie hatte Borussias Trainer Dieter Hecking unbedingt durchbrechen wollen. Der Wunsch blieb unerfüllt. Dazu verpassten die Gladbacher den Sprung auf Platz zwei in der Fußball-Bundesliga. „Normalerweise sollte ein Sieg gegen Bayern beflügeln, uns hat’s eher gehemmt“, sagte Matthias Ginter. „Das ist bitter, weil wir den nächsten Schritt machen wollten.“

Toller Heber von Didavi

Gleich mit ihrem ersten Angriff, nach gerade mal drei Minuten, gingen die Wolfsburger vor 24.265 Zuschauern durch Malli in Führung. Den Angriff hatte er mit einem Tunnel gegen Matthias Ginter selbst eingeleitet; nach einer flachen Hereingabe von Mario Gomez traf er mit einem platzierten Schuss neben den Pfosten zum 1:0.

Noch schöner war sein Beitrag zum zweiten Tor Mitte der ersten Halbzeit, als Malli mit einem Aufsetzer Daniel Didavi freispielte, der Yann Sommer mit einem feinen Heber überwand. An der Seitenlinie fluchte Trainer Hecking über das täppische Abwehrverhalten seines Teams. „Wir waren nicht präsent genug, viel zu weit weg von den Gegenspielern“, sagte Torhüter Sommer. „Das war in der ersten Halbzeit zu einfach für Wolfsburg.“

Nicht einmal 14 Monate sind vergangen, seitdem Dieter Hecking Trainer der Wolfsburger war. Aus der Startelf seines letzten Spiels mit dem VfL standen nur Torhüter Koen Casteels und Mario Gomez am Sonntagabend noch auf dem Platz. An keinem Bundesligastandort ist die Fluktuation so hoch wie in Wolfsburg. Aber eins ist gewiss, egal wer spielt: Zu Hause gegen Gladbach reicht es eigentlich immer.

Nur zwei Mal haben die Gladbacher in Wolfsburg gewonnen, zuletzt vor 14 Jahren. Seitdem gab es noch zwei Unentschieden. Im konkreten Fall reichten den Wolfsburgern eigentlich Malli und Didavi, die unter dem neuen Trainer Martin Schmidt, dem dritten seit Heckings Entlassung, regelrecht aufgeblüht sind.

In der ersten Hälfte machten die Gladbacher ein durchaus akzeptables Auswärtsspiel – allerdings erst nach dem 0:2. Bis zur Pause erspielten sie sich noch einige Chancen, ließen im Abschluss allerdings die letzte Entschlossenheit vermissen. Mehr als zwei Abseitstore durch Hazard und Kapitän Lars Stindl innerhalb von nur zwei Minuten sprangen nicht heraus. Fast mit dem Halbzeitpfiff vergab Hazard die beste Chance, als er nach einem langen Pass frei vor Casteels eigentlich alle Zeit hatte, aber überhastet verzog.

Hecking hatte schon nach einer halben Stunde wechseln müssen, nachdem sich Tony Jantschke erneut am Kopf verletzt hatte. Mickael Cuisance kam für ihn aufs Feld, Ginter rückte zurück in die Innenverteidigung, Nico Elvedi übernahm Jantschkes Position als Rechtsverteidiger. Borussia fand immer wieder Räume für ihren Kombinationsfußball, brachte Torhüter Casteels aber kaum einmal in echte Verlegenheit. Der letzte Glaube, dem Spiel noch eine Wende geben zu können, schien den Gladbachern zu fehlen.

Richtigen Druck konnten sie in der zweiten Hälfte nicht aufbauen. Im Gegenteil: Die besseren Chancen hatten die Wolfsburger. Und mehr Wucht dazu. So wie 20 Minuten vor dem Ende, als Josuha Guillavogui aus 25 Metern frei zum Schuss kam und der Ball, von Denis Zakaria noch abgefälscht, zum 3:0-Endstand im Tor landete.

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