Aachen - Spruchkammer entscheidet über Strafe für Fuat Kilic

Anzeige
zur Webansicht Sa. 16.12.2017

Spruchkammer entscheidet über Strafe für Fuat Kilic

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Mannschaft hat ein strammes Pensum, in acht Tagen tritt Alemannia Aachen drei Mal an. Trainer Fuat Kilic hat noch einen zusätzlichen Termin, und die Verhandlung vor der Spruchkammer am Mittwochabend in Duisburg ist ein ziemliches wichtiges „Auswärtsspiel“ für ihn.

Image
Wichtiger Termin: Fuat Kilic muss sich am Mittwoch vor der Spruchkammer des Verbandes verantworten. Foto: imago/Manngold

Aachens Trainer muss sich wegen der Vorkommnisse am Ende des Spiels gegen Wattenscheid 09 (1:2) verantworten, als er vehement einen Strafstoß forderte und dem Schiedsrichter Jonas Seeland (Ennepetal), viel mehr noch seinem Assistenten Philipp Hüwe sehr, sehr nahe kam. Zudem sitzt auch Alemannia Aachen, vertreten durch Geschäftsführer Martin vom Hofe, am Mittwoch auf der Anklagebank, weil auch Fans bei diesem Spiel vom Anfang des Monats aus Verbandssicht übers Ziel hinausschossen.

Der Vorsitzende Hubert Jung aus Zülpich gilt als ein ziemlich erfahrener Mann. Seit 39 Jahren ist er Sportrichter. Die Spruchkammer des Westdeutschen Fußballverbands hat er vor zwei Jahren übernommen. Im Alltag besteht die Spruchkammer meistens aus drei Vereinsvertretern. Bei besonderen Fällen – das ermöglicht die Satzung – wird das Gremium erweitert. Die Verhandlung am Mittwochabend ist so ein Fall. Trainer sind nicht so oft angeklagt wie Spieler, sagt Jung. Und weil es eben um einen Fußball-Lehrer geht, wird noch ein Vertreter vom Bund Deutscher Fußballlehrer hin­zugezogen, der den Fall ein bisschen aus anderer Sicht beurteilen kann.

Die Sportgerichtsbarkeit ist ein besonderes Pflänzchen in der Rechtsprechung, weil der Ankläger gleichzeitig auch der Richter ist. Die Anklage gegen Fuat Kilic fußt primär auf dem Sonderbericht des Schiedsrichters. Darin wird dem Aachener Trainer vorgehalten, er habe den Assistenten in den Bauch gekniffen und an der Schulter berührt. Zudem habe er nach Spielschluss noch einen ziemlich erzürnten Auftritt in der Schiedsrichterkabine gehabt.

In der Anklage geht es allerdings nicht um eine „Tätlichkeit“, vor der Beweisaufnahme lautet der Vorwurf „grob unsportliches Verhalten des Trainers“. Jung hat den Schiedsrichter und seinen Assistenten, der im Hauptberuf Polizist ist, geladen. Der Strafrahmen beginnt mit einer Geldstrafe, kann vom mehrwöchigen Innenraumverbot bis hin zu einer kompletten Sperre ausgedehnt werden, die einem Berufsverbot auf Zeit gleich käme. Jung sagt, es hänge auch einiges davon ab, wie sich Kilic vor der Spruchkammer präsentieren werde.

Der temperamentvolle Coach betritt Neuland. Der Verweis auf die Tribüne war bereits eine ungewohnte Erfahrung, eine Verhandlung gegen ihn ist eine Premiere. Alemannias Funktionäre haben sich verabredet, im Vorfeld öffentlich keine Stellungnahme abzugeben. Auch das Verhalten von Kilic wurde nicht eingeordnet. „Wir werden vor der Verhandlung nichts sagen“, sagen sowohl der Insolvenzverwalter Christoph Niering als auch der von ihm verpflichtete Anwalt Horst Kletke.

Für den Verein ist das eine ungemütliche Situation. Kilic ist innerhalb von zwei Jahren zur wichtigsten Person am Tivoli geworden. Er ist Bezugsperson für seine Spieler, hat in einer betont schwierigen Lage mit geringen Mitteln wieder eine junge, gierige Mannschaft aufgebaut. Die Saison diente, solange die Insolvenzfahne über dem Tivoli weht, eigentlich der Konsolidierung. Die Mannschaft ist gut unterwegs, ein bisschen Kletter-Phantasie besteht auch noch. Auf den Trainer wollen sie nicht mal stundenweise verzichten.

Nach Spielende hatte Kilic noch behauptet: „Die Konsequenzen sind mir egal. Mich ärgert die Arroganz, wie mit uns Trainern umgegangen wird. Alle werden geschützt, die Schiedsrichter, die Spieler, nur Trainer ist ein ungeschützter Berufszweig.“ Ein paar Stunden später hatte er sich öffentlich entschuldigt, weil „ich nach dem Tribünenverweis viel zu aufgebracht reagiert habe“. Nach zehn Jahren Profifußball hat er noch nichts auf dem Kerbholz. Er hofft auf eine faire Verhandlung. „Ich weiß was ich gemacht habe, und weiß auch, was ich nicht gemacht habe.“

 Leserkommentare (2)

Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.