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zur Webansicht Sa. 18.11.2017

Rohdiamant in Alemannias Abwehr: Neuzugang Alexander Heinze

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Frühschicht begann in der Steuerkanzlei, danach folgte eine Trainingseinheit, abends kümmert er sich um seine Bachelorarbeit. Der Tag von Alemannias Neuzugang Alexander Heinze ist durchaus ausgefüllt, er mag diesen Zweiklang zwischen Kopf- und Beinarbeit.

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„Und Action“: Alexander Heinze (links, hier mit Meik Kühnel) hat schnell einen guten Ruf bei Alemannia erworben. Foto: Wolfgang Birkenstock

Er hatte nie die Gedanken, sich nur auf den Fußball zu verlassen, und so hat er sich schon früh um die berufliche Perspektive jenseits der Kreidelinien gekümmert. Gestresst wirkt der Verteidiger an diesem Tag eher nicht, das Pensum in den letzten Jahren während seines dualen Studiums sei häufig größer gewesen, 38 Stunden in der Firma, abends Training beim FK Pirmasens, am Wochenende Spiel in der Regionalliga Südwest, sagt er.

Der Bachelor-Student der Universität Trier hat seine Scheine in der Betriebswirtschaftslehre gemacht, nun wartet die Abschlussarbeit, die sich mit den „Bilanzeigenheiten von Kapitalgesellschaften in der Fußballbundesliga“ beschäftigen wird. Der genaue Titel ist noch offen, das Genre ist aber klar. Heinze beschäftigt sich mit der eigenen Branche.

Die erste eigene Bilanz nach seinem Vereinswechsel fällt durchaus fröhlich aus. Heinze hat sich schnell etabliert, „obwohl es für mich neu ist, unter Profibedingungen zu leben“. Aber insgeheim, sagt er, habe er sich die Umstellung schlimmer vorgestellt. Es zahlt sich aus, dass Heinze extrem auf Ernährung und Fitness achtet.

Sein neuer Trainer outet sich schnell als Fan. „Ich mag ihn, er ist ein überragender Typ.“ Damit spielt Fuat Kilic nicht auf die vieles überragende Körpergröße von 196 Zentimetern an, vielmehr gefällt Kilic dessen unprätentiöse Spielweise. Heinze hatte in den ersten Wochen ein paar Pirouetten zu viel in sein Spiel eingebaut, aber schnell auf einen sehr schnörkellosen Modus umgestellt.

Sein neuer Ausbilder wundert sich, dass nicht mehr Vereine auf den großen Verteidiger aufmerksam geworden sind, als Heinze im Sommer an der Spielerbörse gehandelt wurde. Neun Jahre kickte der 23-Jährige beim FK Pirmasens, sie hätten ihn gerne auch nach dem Abstieg gehalten, aber Heinze wollte sich auf das Abenteuer Profifußball einlassen. Das Angebot Alemannia passte, auch, weil es 16 Wochenstunden bei einem Steuerberater beinhaltete. In ein paar Jahren will er den „Steuerberater machen“, sagt er.

Der Zeitpunkt ist noch vage. Erst einmal schauen, wie sich das Abenteuer anlässt. Kilic vermutet einen „Riesenschub“ beim Abwehrriesen, „wenn er sich noch mehr an das Tempo gewöhnt hat, das wir gehen wollen“. Der Trainer sieht noch viele brachliegende Felder. „Alex weiß noch gar nicht, wie gut er ist.“ In Aachen vermuten sie, dass sie da einen Rohdiamanten gefunden haben.

Zur angestoßenen Entwicklung gehört auch, dass sie den eher ruhigen Verteidiger öfter auf dem Platz vernehmen wollen. Heinze solle stärker coachen, solle „extrovertierter“ auftreten, fordert Kilic. Auch das ist ein Prozess. „Das ist wieder ein Schritt“, sagt Heinze. Der Profifußball erfordert mehr Lautstärke.

Einen eher unfreiwilligen Regionalliga-Rekord hält Alexander Heinze, der an einem Heiligen Abend geboren wurde, bereits. Beim Auswärtsspiel bei Astoria Walldorf im Februar sah er nach handgestoppten 57 Sekunden die Rote Karte. Ein Mitspieler hatte beim Pass geschludert, und Heinze machte, was die Situation erforderte. Er rettete, allerdings nicht ganz regelkonform, für den Schiedsrichter war das ein Fall von Notbremse, für den Verteidiger ein Fall von „Kann-man-auch-mit-Gelber-Karte-ahnden“.

Strafmandate sind für den Verteidiger eher eine Rarität wie Treffer. „Er ist sehr geschickt im Zweikampf, weil er gut antizipiert“, sagt sein Trainer. Heinze wird nur selten beim Foulspielen gesichtet. Der Verteidiger musste nach dem Rekord-Rot ein paar Spiele aussetzen, Pausen sind eher eine Ausnahme, seit fünf Jahren ist der Abwehrspieler verletzungsfrei.

Er hat schon eine Serie von 100 Spielen in Folge in der Startformation geschafft. Bei Alemannia steht erst ein Spiel in der Statistik, am Samstag geht es erstmals auf Reisen. Heinze sagt, dass er keinen Grund sehe, warum die Mannschaft beim SC Verl nicht erfolgreich sein solle.

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Lippold, Fiedler - Winter, Pütz, Kühnel, Fejzullahu, Mohr - Hammel - Torunarigha

Schiedsrichter: Jonathan Lautz (Burbach)

Bilanz: 18 Spiele/ 7 Siege/5 Remis/ 6 Niederlagen/27:27 Tore

Live-Ticker ab 14 Uhr

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