Aachen - Peter Hackenberg: „Keiner wird sich gegen den möglichen Aufstieg wehren“

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zur Webansicht Mi. 15.08.2018

Peter Hackenberg: „Keiner wird sich gegen den möglichen Aufstieg wehren“


Letzte Aktualisierung:

Aachen. Am Mittwoch hat Peter Hackenberg eine Art Geburtsanzeige aufgegeben. Der Verteidiger deutete nach seinem Tor mit einem fiktiven Schnuller Nachwuchs an. Hackenberg, der seinen ersten Treffer für Alemannia erzielt hatte, nutzte die letzte Gelegenheit, um auf das anstehende Ereignis aufmerksam zu machen. Denn am nächsten Morgen wurde Karl Alexander Hannibal Hackenberg geboren.

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Hinweis auf den erwarteten Nachwuchs: Alemannias Peter Hackenberg feiert seinen ersten Treffer. Foto: Wolfgang Birkenstock

Sportlich steht gleich wieder ein wichtiges Ereignis für den jungen Vater an, am Samstag, 14 Uhr, gibt der Tabellenführer KFC Uerdingen seine Visitenkarte ab. Vor der Begegnung sprach Christoph Pauli mit ihm.

Was erwarten Sie von dem Spitzenspiel gegen Uerdingen?

Hackenberg: Das wird eine hart umkämpfte Partie, Uerdingen hat gerade eine gute Phase, wir sammeln seit der Winterpause ebenfalls viele Punkte. Für solche Tage spielt man Fußball, für solche Anlässe quält man sich durch die Vorbereitung. Für uns ist es grandios, dass wir noch in dieser Phase dabei sind, wenn es um etwas geht.

Begegnen sich da zwei Teams annähernd auf Augenhöhe?

Hackenberg: Die Voraussetzungen lassen sich nicht vergleichen, Alemannia ist ein Verein in der Insolvenz, Uerdingen hat einen Etat, der eher in der 2. Liga anzusiedeln ist. Finanziell liegen wohl eher drei Ligen zwischen den Teams, aber am Ende des Tages liegt die Wahrheit auf dem Platz. Mit einem Sieg im Nachholspiel in Rhynern und einem Sieg gegen Uerdingen wären wir gleichauf. Das kann noch richtig spannend werden. Der Trainer leistet hier sehr, sehr gute Arbeit, die Spieler haben sich großartig entwickelt. Wir können richtig stolz auf diese Saison sein.

Als Sie im Winter zurückkehrten, lag das Team auf Platz 5 mit neun Punkten Rückstand auf die Spitzenteams. Inzwischen hat Aachen den Abstand verringert. Gibt es da einen Zusammenhang?

Hackenberg (grinst): Das müssen wirklich andere beurteilen. Ich versuche immer, das Beste aus dem Team, beziehungsweise aus den herrschenden Umständen zu machen. Hier bin ich in eine intakte Mannschaft mit einem sehr guten Spielkonzept gekommen, das Fuat Kilic entwickelt hat. Es ist eine neue Herausforderung, aber ich fühle mich sehr wohl.

Mussten Sie Ihr Spiel umstellen, weil Ihr Trainer mehr Mut auch von zentralen Abwehrspielern fordert?

Hackenberg: Definitiv habe ich so noch nie spielen müssen. Wir verteidigen auch in letzter Linie sehr mannbezogen. Damit gehen wir ein relativ hohes Risiko, andererseits haben wir den Vorteil, dass wir schon vorne gute Ansätze zum Pressen und für die Verteidigung finden. Die Herangehensweise ist interessant, und die Punkte sprechen für sich. Man kann dem Trainer nur gratulieren, dass er mit diesem Etat und diesen Möglichkeiten diese Spielidee gefunden hat.

Am Samstag muss die gut eingespielte Abwehr, die aus drei Verteidigern mit Türsteherfigur bestand, verändert werden, da Alex Heinze gesperrt ist. Ist das eine deutliche Schwächung?

Hackenberg: Alex macht seine Sache überragend in der gesamten Saison und ist enorm wichtig für uns. Wir haben in dieser Saison allerdings schon sehr oft auf viele Leistungsträger verzichten müssen. Gegen Dortmund zuletzt fehlten Torunarigha, Mohr, Damaschek und auch Fejzullahu. Auch diese Partie war deklariert als ein Endspiel im Aufstiegsrennen. Wir haben Charakter gezeigt, und das haben wir auch Samstag vor.

Sie sind nach zwei Jahren zurückgekehrt. Lässt sich das Team annähernd mit der Mannschaft vergleichen, die Sie im Winter 2016 verlassen mussten?

Hackenberg: Damals hatten wir ganz andere Charaktere sowohl in der Kabine als auch im Trainerstab. Und es herrschte ziemlich viel Unruhe. Das Team damals war im Schnitt deutlich älter.

Aktuell sind Sie mit zarten 29 Jahren schon der Senior unter den Feldspielern.

Hackenberg: Das kann ich nicht dementieren. Der Trainer wollte mehr Erfahrung haben, das war auch einer der Gründe, warum er mich zurückgeholt hat. Meine Aufgabe ist es, die Jungs zu unterstützen, sie mitzureißen, ihnen Tipps zu geben.

Sie machen den Eindruck, dass Sie gerade richtig Spaß an Ihrem Beruf haben.

Hackenberg: Das ist so. Ich will den Wettkampf, will was erreichen. Als ich damals nach Eupen gegangen bin, hatten wir zwölf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer, die wir noch aufgeholt haben. Das ist ein schönes Motiv: vermeintlich uneinholbare Teams noch abzufangen. Ich mag es, bis zur letzten Sekunde an das Beste zu glauben.

Haben Sie den Eindruck, dass die Performance dieser Mannschaft entsprechend registriert wird?

Hackenberg: Für diese Umstände hier wird phantastische Arbeit geleistet. Daran besteht kein Zweifel. Es gibt am Wochenende ein Spitzenspiel mit Aachener Beteiligung. Damit konnte niemand rechnen. Die Zuschauerzahlen könnten besser sein, aber hier ist in den letzten Jahren viel Kredit verschenkt worden. Das wird nicht vergessen, obwohl da gerade eine andere Mannschaft unterwegs ist. Wenn wir aber weiterhin so enthusiastisch auftreten, werden bald wieder viele Fans dabei sein wollen.

Die Mannschaft äußert sich gerade eher zurückhaltend zum Schlussspurt in der Liga. Es wird lieber auf die interne Tabelle verwiesen, die Hin- und Rückrunde miteinander vergleicht. Hat die Gruppe nicht längst Blut geleckt, weil es plötzlich eine Möglichkeit gibt, noch intensiv ins Aufstiegsrennen einzusteigen?

Hackenberg: Keiner wird sich gegen einen möglichen Aufstieg wehren, ein Verein wie Alemannia gehört auch nicht in die Regionalliga. Mit dieser Chance hat wirklich keiner gerechnet. Der Klub ist immer noch in der Insolvenz. Jetzt wird es sich zeigen, ob wir schon so weit sind, Teams wie Uerdingen bibbern zu lassen. Die haben deutlich mehr zu verlieren als wir.

Mögliche Aufstellung: Depta - Fiedler, Hackenberg, Pluntke - Kühnel - Konate-Lueken, Pütz, Azaoughi, Winter - Fejzullahu, Mickels

Schiedsrichter: Florian Visse (Ibbenbüren)

Bilanz: 23 Spiele/5 Siege/10 Remis/8 Niederlagen/27:31 Tore