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zur Webansicht Mo. 25.09.2017

Ein Fest der schönen Stimmen im Theater Aachen

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wenn der zehnjährige Geburtstag einer so verdienstvollen Institution wie der Theater Initiative Aachen e.V. zu feiern ist, darf das Festkonzert auch schon mal die Drei-Stunden-Marke ankratzen.

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Gala-Abend zum zehnjährigen Bestehen der Theater Initiative Aachen im Theater Aachen: „A Night With Rising Stars!“, unter anderem mit der aktuellen Theaterstipendiatin Panagiota Sofroniadou. Die musikalische Leitung hatte Kapellmeister Justus Thorau. Foto: Andreas Steindl

Dass sich der Abend im nahezu voll besetzten Theater Aachen so lang hinzog, lag freilich weniger an den Darbietungen der jungen Gesangs-Stipendiaten, sondern an etlichen mehr oder weniger ergiebigen Reden und unfreiwillig komischen Interview-Versuchen.

Unter den vielfältigen Aktivitäten der Theater Initiative gehört die finanzielle und berufsfördernde Unterstützung eines Stipendiaten pro Saison zu den wichtigsten Leistungen. Die blutjungen, noch in der Ausbildung befindlichen Nachwuchskräfte werden in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule bereits mit unterschiedlich großen Aufgaben ins Ensemble des Aachener Theaters integriert.

Anspruchsvolle Darbietungen

Von den bisher zehn Sängerinnen und Sängern stellten sich unter dem Titel „A Night With Rising Stars!“ fünf mit anspruchsvollen Darbietungen vor. Das Motto ist nicht zu hoch gegriffen. Die erfreulichen Karrieren von Maximilian Krummen und Camille Schnoor, die jetzt ans Münchner Gärtnerplatztheater wechselte, sind nur zwei Beispiele für die Außen- und Nachwirkung der Aktivitäten. Diese beiden Talente konnten aufgrund familiärer Umstände zwar nicht an dem Festakt teilnehmen, doch auch die verbliebenen fünf Akteure, darunter vier Damen und der Bariton Michael Terada als Hahn im Korb, präsentierten ein Niveau, das eine weitere Förderung verdient.

Den stimmlich ausgereiftesten Eindruck hinterließen die Sopranistinnen Soetkin Elbers und Suzanne Jerôsme, die beide gemeinsam am 17. April des nächsten Jahres im Ballsaal des Alten Kurhauses barocke Duette singen werden. Die Belgierin Soetkin Elbers hat sich mittlerweile zu einer gefragten Barock-Spezialistin entwickelt. Mit ihrem samtweichen Timbre und ihrer makellosen Legato-Kultur präsentierte sie sich als ideale Interpretin einer elegischen Arie aus Händels „Giulio Cesare“. Und in einer hochvirtuosen Arie aus Haydns „Orpheus“-Vertonung breiteten ihr die halsbrecherischen Koloraturen nicht die geringsten Mühen.

Als ihr ebenbürtig erwies sich die Französin Suzanne Jerôsme. Dass sie sich auf dem barocken Tummelfeld ebenso sicher fühlte wie ihre Kollegin, zeigte sie mit einer koloraturreichen Händel-Arie. Noch stärker beeindruckte sie mit geradezu entmaterialisiert schönen Gesangslinien in den beiden „Hebräischen Melodien“ von Ravel und einem atmosphärisch dichten Gesang von des Debussy-Zeitgenossen Henri Duparc.

Die Beiträge der restlichen Sängerinnen fielen nicht ganz so ausgeglichen aus. Gleichwohl ließen auch sie ein hohes, ausbaufähiges Potenzial erkennen. Panagiota Sofroniadou, die diesjährige Stipendiatin, erfreute mit einem sauberen Vortrag von Lehárs Vilja-Lied und einer bewegten Interpretation von Schuberts Lied „Gretchen am Spinnrad“ in der Orchestrierung von Franz Liszt. Rosemarie Weissgerber konnte mit der Arie der Anna aus Nicolais „Lustige Weiber von Windsor“ überzeugen, der Griff zu Zerbinettas Bravour-Arie aus Richard Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“ erwies sich an diesem Abend allerdings als etwas zu kühn.

Der Bariton Michael Terada, der zwar nicht zu den Stipendiaten gehört, aber dennoch einige Förderung erfahren hat, rundete als einziger Mann in der Runde den Abend mit sympathischen und spielfreudigen Vorträgen aus Mozarts „Zauberflöte“ und „Così fan tutte“ ab. Das Aachener Sinfonieorchester unter Leitung von Kapellmeister Justus Thorau erwies sich als erfreulich flexibel bei der Unterstützung der unterschiedlichen Beiträge.

Somit kann der Abend als nachhaltiger Beweis für die Effektivität der Förderpolitik der Theater-Initiative Aachen gewertet werden. Vielleicht wird sich ja in naher Zukunft sogar der Traum von einem kleinen Opern-Studio verwirklichen lassen.

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