Stolberg - De Karamba Männcher setzen ihren musikalischen Schlussakkord

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zur Webansicht Sa. 16.12.2017

De Karamba Männcher setzen ihren musikalischen Schlussakkord

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Ein Abend mitten in der Karnevalssession: Für die Band De Karamba Männcher steht ein Auftritt in den Kurpark-Terrassen in Aachen-Burtscheid auf dem Programm.

Als die Formation dort allerdings am späten Abend auftaucht, ist der Saal bereits dunkel. Während seine Musikerkollegen Anlage und Instrumente aus dem Wagen laden, wirft Manfred Kern noch einen Blick auf den Vertrag, den er vorne im Wagen deponiert hat. Schnell ist klar: In den Kurpark-Terrassen werden De Karamba Männcher nicht spielen – zumindest nicht an diesem Abend. „Wir waren ein Jahr zu früh dran“, sagt Manfred Kern und lacht. Anekdoten wie diese können er und seine Bandkollegen Dirk Lüdtke, Hardy Pauls und Börnie Pauls zuhauf erzählen.

Darunter auch die Geschichte von ihrem kleinsten Auftritt. Dieser fand in einem Partykeller mit rund acht Zuschauern statt. „Nachher stellte sich heraus, dass wir für eine Toiletteneinweihung gebucht waren“, sagt Börnie Pauls. Spaß hatten die Karambas und ihr Publikum natürlich trotzdem. So wie bei all ihren Auftritten.

Am Samstag, 9. Dezember, steht allerdings ein ganz besonderer Auftritt auf dem Programm: Dann stehen De Karamba Männcher zum letzten Mal auf einer Bühne. Nach 33 Jahren nehmen die Musiker Abschied. Ein Rückblick auf die Karriere der ältesten Stolberger Mundartband.

Entstanden aus Spielmannszug

Angefangen hat alles im Jahr 1985. Gegründet wurde die Formation von Helmut Pauls (dicke Tromm), Günter Hagen (Gesang), Rainer Peitsch (Gitarre), Irene Scholz (Akkordeon) und Manfred „Manni“ Kern (Trömmelchen). Die Band entstand damals aus dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Stolberg. Der erste Auftritt fand beim Karnevalsabend des Spielmannszuges im Franziskuskeller statt.

Schnell folgten weitere Auftritte. Ein Jahr später fand dann der erste Auftritt bei einer Karnevalsgesellschaft – auf der Seniorensitzung der KG Lustige Atschinesen – statt. Präsident Hans Josef Wellmann gehörte fortan zu den größten Förderern der Truppe. „Er bezeichnete die Karambas damals als Glücksgriff für den Karneval“, so Kern.

1986 gab es dann auch den ersten personellen Wechsel: Auf Irene Scholz folgte Börnie Pauls am Akkordeon. Der erste Auftritt bei einer großen Karnevalssitzung stand wenige Tage später in der Stolberger Stadthalle bei der KG De Wenkbülle unter dem damaligen Präsidenten Günter Debey an.

Schnell wurden De Karamba Männcher auch über die Stolberger Stadtgrenzen hinaus bekannt. Es fanden Auftritte in Eschweiler, Aachen, Geilenkirchen, Köln, Leverkusen, im hessischen Gießen, in Frankfurt sowie in den Niederlanden und in Belgien statt. Letzteres war gerade in den 1980er und 90er Jahren noch eine Herausforderung. „Das war noch lange nicht so einfach wie heute. Wenn man Pech hatte, stand man stundenlang am Zoll“, sagt Kern.

Ein weiterer Meilenstein in der Bandgeschichte: die Aufnahme der ersten CD im Jahr 1989. Bis heute folgten noch fünf weitere Tonträger. Immer häufiger waren die Musiker nun mit den großen Kölner Karnevalband zusammen im Programm. „Wir haben mal in Nippes gespielt und alles, was Rang und Namen hatte, war dabei. Jeder durfte nur drei Lieder spielen, aber der Präsident bekam uns nicht von der Bühne. Das Publikum wollte unbedingt noch eine Zugabe haben“, erinnert sich Kern. Und die habe es dann auch bekommen.

Bei den Räubern, Paveiern, den Höhnern und Brings spielten die Karambas bereits im Vorprogramm. Und wie waren die Kollegen hinter der Bühne so? „Sehr nett und freundlich. Von den Paveiern fehlte mal einer, den haben wir dann übers Telefon zum Auftritt gelotst“, sagt Kern.

Eine Anekdote, an die sich Kern und Pauls auch gerne erinnern ist die von den vergessenen Trommelstöcken im Aachener Eurogress. „Dort spielte damals noch eine Liveband, die uns dann netterweise ausgeholfen hat. Und natürlich ist dann das passiert, was sonst nie passiert: Die Stöcke sind mir beim Spielen kaputt gegangen“, sagt Kern und lacht.

Auftritt im Fernsehen

Highlights gab es in den vergangenen 33 Jahren etliche. Vor allem im Jahr 1995. Im Januar trat die Formation in der Närrischen Hitparade des WDR in der Rheinhalle in Köln auf, im gleichen Jahr wurde der zehnte Geburtstag im Rittersaal der Stolberger Burg gefeiert. Das war auch der letzte Auftritt von Helmut Pauls, der aus gesundheitlichen Gründen die Band verließ. Für ihn stieg sein Sohn Bernd – von allen nur Hardy genannt – ein.

Es folgte eine schwere Zeit für die Truppe. Im Mai 1996 starb Gründungsmitglied Helmut Pauls. 1998 verabschiedete sich Rainer Pietsch aus zeitlichen Gründen, für ihn kam Theo Müller dazu. Anfang Dezember 2001 starb auch er. Schließlich verließ auch Gründungsmitglied Günter Hagen die Gruppe. „Das war wahrlich keine leichte Zeit und wir hingen am seidenen Faden. Ein Jahr als Trio – das war nicht unser Ziel“, sagt Kern. Über das Trommler- und Pfeiferkorps Breinig kam ein Kontakt zu einem Gitarristen aus Bonn zustande. Dirk Lüdtke komplettiert die Truppe nun seit 15 Jahren.

Im Jahr 2005 schrieb die Gruppe ihrem guten Freund Jürgen Wiechmann, der als Prinz Wiechi I. durch die Stolberger Säle zog, das Prinzenlied auf den Leib, 2008 ging es auf eine musikalische Reise nach Österreich. Das Jahr 2015 stand im Zeichen des 30. Bandgeburtstages. Und dann kam das Jahr 2016: Im September entschied sich die Band, nach 33 Jahren den musikalischen Schlussakkord zu setzen. „Als der Entschluss von uns bekanntgegeben wurde, brodelte die Gerüchteküche“, so Kern. Im Streit sei man jedoch keineswegs auseinandergegangen.

Und was erwartet die Fans nun beim allerletzten Konzert? Um 20 Uhr geht's am Samstag, 9. Dezember, in der Alten Brennerei los. Dann werden alle Stühle rausgekramt und es wird ein letztes Mal musiziert. „Wir werden bestimmt dreieinhalb bis vier Stunden spielen. Um gewisse Lieder kommt man ja einfach nicht herum“, sagt Börnie Pauls und lacht.

Wenn Pauls und Kern allerdings an ihren letzten Auftritt denken, wird ihnen mulmig zumute. „Das ist ein komisches Gefühl. Man kann es nicht so richtig beschreiben. Vor allem die letzten 15 Minuten des Auftritts werden für uns bestimmt nicht einfach“, sagt Paul und Kern fügt hinzu: „Wir haben tausende Erinnerungen und Anekdötchen. Wir haben immer unser Bestes gegeben. Spaß und Kameradschaft kamen bei uns immer an erster Stelle. Das kann uns keiner mehr nehmen.“

Ganz von der Bildfläche verschwinden die Karambas dann übrigens doch nicht: Jeden Monat wollen sie sich im Rahmen eines Stammtisches treffen, damit sie sich auch in Zukunft nicht aus den Augen verlieren und so vielleicht die eine oder andere Anekdote noch zum bisherigen Repertoire der Band hinzukommt.

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