Aachen/Simmerath - Keine Energie aus dem Rursee

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zur Webansicht Fr. 15.12.2017

Keine Energie aus dem Rursee

Von: René Benden
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Simmerath. Ein Pumpspeicherkraftwerk am Rursee wird es nicht geben. Der Stadtwerke-Verbund Trianel gab am Freitag bekannt, dass er die Pläne zum Bau eines Wasserkraftwerks in der Nordeifel nicht weiterverfolgt. Damit ist das größte Öko-Stromprojekt der Region am Ende, noch bevor es richtig begonnen hat. Der gesellschaftliche Widerstand war zu groß, der politische Rückhalt zu gering. So sah es zumindest Trianel.

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Idylle, die genauso bleiben soll: Die Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee sind vom Tisch. Foto: Peter Stollenwerk

Projektleiter Markus Hakes ließ am Freitag am Rande einer Gesellschafterversammlung wissen, dass die beteiligten Stadtwerke für eine Investition in Höhe von 700 Millionen Euro in die Eifel nicht mehr zur Verfügung stünden. Das obwohl der Rursee „der beste und wirtschaftlichste Talsperren-Standort in Nordrhein-Westfalen“ sei.

Doch die politische Unterstützung sei schlicht und ergreifend zu schwach gewesen. Zuvor hatte der Regionalrat im Regierungsbezirk Köln die Entscheidung über die Regionalplanänderung am Rursee erneut verschoben. Diese Planänderung wäre obligatorisch gewesen, wenn Trianel das Pumpspeicherkraftwerk in der Eifel ernsthaft hätte weiterverfolgen wollen.


Im Düsseldorfer Landtag schlug die Nachricht vom Scheitern des Millionen-Projekts am Rursee wie eine Bombe ein. Noch am Donnerstag hatten SPD und Grüne einen Antrag eingebracht, in dem sie forderten, den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken zu forcieren. Entsprechend niedergeschlagen nahmen die rot-grünen Abgeordneten zur Kenntnis, dass eines der größten Projekte dieser Art nun vom Investor verworfen worden ist.

Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen machte sich erst gar keine Mühe, seinen Frust zu verbergen:  „Eine 700-Millionen-Euro-Investition ist vom Tisch. Das wäre die größte Investition in die Eifel gewesen, ohne dass der Steuerzahler auch nur einen Euro gezahlt hätte. Das ist absolut enttäuschend.“   

Ganz ähnlich sah das der SPD-Landtagsabgeordnete für die Nordeifel, Stefan Kämmerling: „Diese Investition hätte für die klammen Kommunen bedeutende Gewerbesteuereinnahmen generiert und nicht zuletzt eine Menge sichere Arbeitsplätze geschaffen.“ Schuld seien die CDU und die Liberalen. Das Projekt sei politisch „an technikfeindlichen CDU- und FDP-Politikern im Land gescheitert, die die Pläne immer wieder mit unhaltbaren und unsachlichen Argumenten torpediert haben“, sagte Priggen.

Freude dagegen herrschte am Freitag bei den Gegnern des Projekts. Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ teilte in einer Pressemitteilung mit: „Die Bürgerinitiative sieht sich erleichtert, dass bei Trianel die ökonomische Vernunft gesiegt hat. Eine erfolgreiche Energiewende braucht keine neuen Pumpspeicher.“
Die politische Aufarbeitung des gescheiterten Projekts dürfte interessant werden. Wurde Trianel doch mit großem Wohlwollen aller relevanten politischen Akteure begleitet, als der Stadtwerke-Verbund im Sommer 2011 verkündete, er wolle ein Pumpspeicherkraftwerk in der Eifel bauen.

Über ein Jahr hielt diese Unterstützung, bis plötzlich im Herbst 2012 die Stimmung umschlug. Dabei brachen vor allem innerhalb der CDU die Linien. Während sich Städteregionsrat Helmut Etschenberg von der CDU am Freitag enttäuscht über das Aus des Pumpspeicherkraftwerks zeigte, sagte Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn, ebenfalls CDU: „Ich fühle mich in meinem Meinungswechsel von einer dem Pumpspeicherwerk positiv gegenüberstehenden Person zu einem Kritiker durch die Trianel-Entscheidung bestätigt.“

Trianel hat das Projekt Pumpspeicherkraftwerk aber noch nicht aufgegeben. Der Stadtwerkeverbund konzentriert sich nun auf die beiden verbliebenen möglichen Standorte  in Ostwestfalen und Thüringen.

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