Landwirte in Jülich müssen die letzten Rüben vor dem Frost schützen

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zur Webansicht Sa. 16.12.2017

Jülicher Landwirte müssen die „sehr gute Rübenernte“ vor dem Frost schützen

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:

Jülich. Im Gebiet, aus dem die Zuckerfabrik in Jülich beliefert wird, sind aufgrund der hohen Erträge, die erzielt worden sind, zwar noch die letzten Rüben im Boden, doch auch die sollten bis spätestens Sonntag gerodet worden sein.

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Mit der Klünder-Scheibe, die für die Mietenpflege entwickelt worden ist, zieht ein Landwirt seinen geernteten Zuckerrüben den Wintermantel aus Vlies über, um die süßen Feldfrüchte vor den angekündigten Frösten zu schützen. Foto: Zuckerfabrik Jülich

„Wir können nur die schützen, die geerntet worden sind“, sagt Heinz Leipertz, Leiter Landwirtschaft der rheinischen Zuckerfabriken der Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG. Die viermonatige, bis weit in den Januar reichende Rübenkampagne ist mit einem Frostmanagement verbunden, das flexibel gehandhabt wird und sich an den prognostizierten Temperaturen orientiert.

Da für das kommende Wochenende rübenschädigende Fröste mit örtlich bis zu –7 Grad vorhergesagt sind, haben Pfeifer & Langen sowie der Rheinische Rübenbauern-Verband am Montag eine Frostwarnung an die Rübenbauern herausgegeben, verbunden mit der Aufforderung, alle Rübenmieten abzudecken, deren Transport zur Fabrik erst nach dem 18. Dezember vorgesehen ist.

Gefrorene Zuckerrüben, die erst bei Temperaturen unterhalb von -3 Grad Schaden nehmen, sind nicht das Problem bei der Verarbeitung, sondern vielmehr Feldfrüchte, die nach dem Einfrieren wieder aufgetaut sind: „In der Pflanze bilden sich dann Schleimstoffe und Pilze, die innerhalb weniger Tage dafür sorgen würden, dass die Fabrik stillsteht“, schildert Leipertz die Konsequenzen großer Temperaturschwankungen rund um den Gefrierpunkt, die den Knollen ziemlich zusetzen.

Um hier Vorsorge zu treffen, werden den Mieten „Wintermäntel“ aus speziellem Vlies umgelegt, die sie vor Frostschäden und weiteren Wetterunbilden schützen sollen. Zudem sorgt die Abdeckung dafür, dass sich Verluste beim Zuckergehalt der Rüben durch Veratmung und eine Umwandlung zu Invertzucker in Grenzen halten. Zudem bleiben die Knollen trocken, so dass auch der Erdbesatz reduziert wird.

Hoher Aufwand

Die Abfuhrorganisationen, meistenteils Maschinenringe, die die Rüben roden und später zur Fabrik transportieren, setzen nach dem Roden nun die Klünder-Scheibe ein, um die Miete abzudecken. Bevor die Rüben später verladen werden, muss die Miete wieder abgedeckt werden, was ebenfalls in der Regel maschinell geschieht.

Dieser höhere Aufwand ist auch notwendig, um in den Genuss der Frostversicherung zu kommen, die nur bei Verlusten abgeernteter Zuckerrüben einspringt, die in einer abgedeckten Rübenmiete gelagert waren. Ansonsten gelte, so Heinz Leipertz, „die Abnahmegarantie für alle verarbeitungswürdigen Rüben“.

Das ist in der laufenden Kampagne eine ziemlich große Menge, denn bei einer Ausweitung der Rübenanbaufläche im Einzugsgebiet des Werkes Jülich auf rund 19.000 Hektar und Erträgen von rund 90 Tonnen pro Hektar rollte und rollt eine ziemliche Rübenschwemme Richtung Herzogstadt. Da die Pflanzen mit einem, so Leipertz, „sehr guten Zuckergehalt von rund 18 Prozent“ zusätzlich neben der reinen Masse auch süße Klasse aufweisen, darf mit Fug und Recht bereits heute von einer herausragenden Ernte gesprochen werden, auch wenn der Leiter Landwirtschaft solche Superlative sicher tunlichst vermeiden würde, solange nicht die letzte Zuckerrübe verarbeitet ist.

Da ist es gut, dass der Bau eines weiteren Weißzuckersilos mit einer Kapazität von 45.000 Tonnen zügig vorangeht, denn dessen Kapazitäten werden dringend gebraucht, wenn ein Teil der Ernte in einem nachgelagerten Schritt bei der Dicksaftkampagne im Frühjahr des kommenden Jahres weiterverarbeitet und das Silo eröffnet wird.

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