NRW gibt überraschend Gelder für Ortsumgehung Hückelhoven (L364n) frei

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Plötzlich doch grünes Licht für Ortsumgehung Hückelhoven

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:

Hückelhoven. Dass die Straße nun doch einigermaßen zügig kommen soll, ist auch für die Planer beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen eine Überraschung. Die Landesstraße L364n, die Ortsumgehung von Hückelhoven, lag fünf Jahre lang „auf Eis“. Nun sei das Projekt „wieder aufgetaut“, sagt Markus Reul von Straßen NRW.

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Wahrscheinlich wird die L364n später weitergeführt, um auch Hilfarth vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Über die dortige Breite Straße rollen aktuell täglich 14.000 bis 15.000 Fahrzeuge. Foto: Daniel Gerhards

Das geht auch aus dem Entwurf des Bauprogramms 2018 für Landesstraßen hervor, der unserer Redaktion vorliegt. Insgesamt will das Land NRW im kommenden Jahr 21 neue Straßenbau-Projekte im Gesamtvolumen von 37 Millionen Euro anschieben.

Die Ortsumgehung soll von der Autobahnabfahrt Hückelhoven-Ost, den Gladbacher Berg hinunter, östlich des Friedhofes und über die Straße Am Lieberg hinweg bis zur L117 führen. Dort, also zwischen Hückelhoven und Doveren, ist dann erst einmal Schluss. Dadurch würden die Gladbacher Straße, der Hückelhovener Markt und die Dinstühler Straße entlastet, sagt Dr. Achim Ortmanns, Hückelhovens Technischer Beigeordneter.

Zunächst wolle Straßen NRW nun einen Kreisverkehr an der Autobahnanschlussstelle Hückelhoven-Ost bauen. „Das können wir kurzfristig realisieren“, sagt Reul. Das bedeutet, dass der Kreisverkehr im Frühjahr gebaut werden soll. Parallel würden Verträge mit Ingenieurbüros geschlossen, die die Entwürfe für die vier Brücken, die für den Bau der Straße nötig sind, erstellen sollen.

Zu weiteren Details konnte Reul noch wenig sagen, da sich die Planungen in einem frühen Stadium befinden. Es ist bislang unklar, wann die Straße fertig sein soll. Auch die avisierten Baukosten stehen noch nicht fest. Im Entwurf des Landesbauprogramms ist zwar die Rede davon, dass die Straße rund zehn Millionen Euro kosten soll. Die Zahl ist aber wahrscheinlich nicht mehr realistisch. Denn sie stammt noch aus einer Planung, die bereits acht Jahre alt ist. Und das Straßenbauen ist in der Zwischenzeit eben teurer geworden. Um welchen Betrag die Kosten steigen, konnte Reul noch nicht sagen.

Hintergrund ist, dass die schwarz-gelbe Rüttgers-Regierung schon einmal grünes Licht für die Straße gegeben hatte. Darauf folgte im Jahr 2009 ein sogenannter Planfeststellungsbeschluss für die Hückelhovener Ortsumgehung. Straßen NRW begann im Jahr 2010 mit den Vorarbeiten für den Kreisverkehr nahe der Autobahn. Man rodete Flächen, die für die Straße benötigt werden, und der Kampfmittelräumdienst rückte an. Ende 2012 zog die rot-grüne Landesregierung allerdings die Bremse und drehte dem Projekt den Geldhahn zu. Nun, fünf Jahre später, soll die Straße doch gebaut werden.

Den lang ersehnten Baubeginn begrüßt man im Hückelhovener Rathaus. Die ersten Bestrebungen, die Straßen zu bauen, liegen immerhin „bestimmt schon 20 Jahre“ zurück, wie Ortmanns sagt. Er fordert aber auch, dass die Straße in der Folge weitergeführt wird. Der erste Bauabschnitt bringe eine Entlastung für Hückelhoven, aber noch keine für Hilfarth. „Ihre volle Wirkung entfaltet die Straße erst, wenn sie fertig ist“, sagt er. Damit meint er, dass sie von der L117 weiter an Hilfarth vorbei geführt wird. Letztlich soll sie dann zwischen Hilfarth und Brachelen wieder auf die „alte“ L364 treffen. Die Ortsumgehung Hückelhoven bezeichnete er als „halbe Landstraße“.

Dass aus der „halben“ eine „ganze“ Landstraße wird, ist allerdings noch Zukunftsmusik. Denn während für den Abschnitt zwischen Autobahn und L117 schon Baurecht besteht, befinde sich die Ortsumgehung Hilfahrt noch in einem früheren Stadium. Es muss unter anderem noch festgelegt werden, wo die Hilfarther Ortsumgehung genau verlaufen soll. Ortmanns sagt allerdings auch dazu, dass dieser mögliche zweite Bauabschnitt wegen einer nötigen Überquerung der Rur aus technischer und ökologischer Sicht komplizierter werden könnte.

Trotz alledem sei die Ortsumgehung Hilfarth von großer Bedeutung: Mit 14 000 bis 15 000 Fahrzeugen pro Tag ist die Breite Straße in Hilfarth aktuell die zweitmeist befahrene Straße in Hückelhoven. Noch mehr Fahrzeuge rollen aktuell nur über die L117 in Ratheim, wo bereits an einer Umgehungsstraße gebaut wird.

Dass die Ortsumgehung Hilfarth ebenfalls kommt, ist wahrscheinlich. Allerdings wird das wohl länger dauern. Das Verfahren soll, so Gerlinde Quack von Straßen NRW, im kommenden Jahr mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung beginnen. Ein „theoretischer Baubeginn“ sei erst in sechs bis sieben Jahren zu erwarten.

Was sich beim Straßenbau in Hückelhoven tut, beobachtet man auch in Geilenkirchen sehr genau. Denn die Verantwortlichen der Stadt fordern eine bessere Anbindung von Lindern an die Autobahn. „Eine ortsdurchfahrtsfreie Anbindung an die Autobahn spielt für die Entwicklung des Industriegebiets in Lindern eine wichtige Rolle“, sagt Geilenkirchens Technischer Beigeordneter Markus Mönter. Die wäre mit den Ortsumgehungen Hückelhoven und Hilfarth beinahe realisiert. Denn auf dem Weg von Lindern zur Autobahnauffahrt Hückelhoven-Ost müssten die Lkw immer noch durch Brachelen fahren.

Zwischenzeitlich gab es Bestrebungen, das mögliche Linderner Industriegebiet mit einer neuen Auffahrt auf die A46 zwischen Dremmen und Hückelhoven-West an das Autobahnnetz anzubinden. Weil die L364n nun vorangetrieben wird, kommt keine zusätzliche Anschlussstelle an die A46. „Die zusätzlich Autobahnabfahrt ist mit der aktuellen Planung gegenstandslos“, sagt Ulrich Hollwitz, Sprecher des Kreises Heinsberg.

In Lindern könnte in Zukunft ein riesiges interkommunales Gewerbegebiet entstehen. Im Landesentwicklungsplan sind zwischen Randerath, Lindern und Brachelen 240 Hektar für flächenintensive Großindustrie vorgesehen. 100 Hektar dieser Fläche befinden sich bereits in öffentlichem Besitz. Den Großteil besitze das Land, einen kleinen Teil die Stadt Geilenkirchen, sagt Mönter. Ein Industriegebiet in dieser Größenordnung zu entwickeln und zu vermarkten, sei eine Aufgabe, die man nur im Konsens mit den Nachbarkommunen bewältigen könne, sagt er. Will heißen: Sollte das Industriegebiet kommen, wären wohl neben der Stadt Geilenkirchen auch Heinsberg und Hückelhoven im Boot.

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