Aachen - Zehn Monate Vollsperrung mitten durch Kornelimünster?

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zur Webansicht So. 17.12.2017

Zehn Monate Vollsperrung mitten durch Kornelimünster?

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mehr als ein Jahr Baustelle und insgesamt zehn Monate Vollsperrung mitten in der Ortsdurchfahrt Kornelimünster: Mit dieser Horrorvision wollten sich die Mitglieder der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim nicht so ohne Weiteres abfinden.

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Der Napoleonsberg in Kornelimünster gilt als Hauptverkehrsstraße von überörtlicher Bedeutung. Eine mehrmonatige Vollsperrung der Ortsdurchfahrt würde für Chaos sorgen, befürchten die Politiker. Foto: Harald Krömer

Deshalb empfahlen sie dem städtischen Mobilitätsausschuss einstimmig und eindringlich, die Verwaltung prüfen zu lassen, ob man die anstehenden Sanierungsarbeiten am Napoleonsberg nicht doch so hinbekommen könnte, dass eine monatelange Vollsperrung zu vermeiden ist.

Gut 2,4 Millionen Euro

Dass etwas gemacht werden muss – und zwar bald – steht indes außer Frage. Die Stützmauer zur Inde hin, immerhin 9,50 Meter hoch, ist mächtig marode und muss dringend saniert werden. Das größere Problem ist aber die sogenannte Kragplatte obendrauf, die ebenfalls Schäden aufweist. Die Kragplatte ist eine Stahlbetonplatte, die an der Seite zur Inde hin wie ein Balkon über die Stützmauer hinausragt. Diese Kragplatte sorgt dafür, dass die Last durch den Verkehr verringert wird.

Die Sanierung soll genutzt werden, um in der Ortsdurchfahrt auch etwas mehr Platz für Fußgänger und eine sicherere Führung für Radfahrer zu schaffen. Dafür soll eine neue und deutlich breitere Stahlbetonplatte montiert werden. Die Kosten für die gesamte Maßnahme sind auf gut 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Der Planungsauftrag ist längst erteilt. Als aber am Mittwoch in der Bezirksvertretung das Konzept und vor allem der Bauzeitenplan vorgestellt wurden, da schrillten quer durch alle Fraktionen die Alarmglocken.

Baubeginn, so erläuterte Jonas Fuhrmann vom beauftragten Planungsbüro Kempen Krause Ingenieure, werde voraussichtlich im Sommer/Herbst 2018 sein. 13,5 Monate Bauzeit sind veranschlagt – sofern nicht die Archäologen bedeutende Funde ans Licht bringen. In dem Bereich werden nämlich Bodendenkmäler vermutet. Auch die Kampfmittelbeseitiger müssen das Gelände sondieren.

Für den Abbruch der Kragplatte sind zunächst drei Monate veranschlagt – unter Vollsperrung. Für die Sanierung der Stützwand, die ebenfalls drei bis vier Monate dauern dürfte, könnte man sich mit einer einspurigen Verkehrsführung und einer Baustellenampel behelfen, sagte Fuhrmann. Danach aber kommt es richtig dicke. Sieben Monate dauert es nach derzeitigem Planungsstand, die neue Stahlbetonplatte zu errichten. Und dafür müsste die viel befahrene Landstraße 233 zwischen dem Steinkaulplatz und der Einmündung Korneliusmarkt noch einmal komplett gesperrt werden.

„Zehn Monate Vollsperrung, das ist so nicht machbar“, kommentierte Bernd Krott (SPD) entsetzt. Ein Verkehrschaos sei programmiert. „Und das wäre auch der Tod für die letzten Geschäfte, die wir in Kornelimünster noch haben, und es wäre eine enorme Belastung für die Gastronomie.“ Die Schäden an Mauer und Platte seien so gewaltig, dass die Maßnahme sogar aufs kommende Jahr vorgezogen werden, erklärte Bezirksbürgermeister Jakob von Thenen (CDU). „Aber man kann den Ort doch nicht einfach abnabeln.“

Um die drohende Vollsperrung samt großräumigen Umleitungen abzuwenden, brachte die Politik sogar noch einmal die kleine Variante ins Spiel, die eigentlich längst aus dem Rennen war: Sanierung der Stahlbetonplatte, aber ohne Verbreiterung des Gehwegs.

Mobilitätsausschuss entscheidet

Nun liegt der Ball erst einmal beim Mobilitätsausschuss. Der soll prüfen lassen, ob sich durch eine kleinere Stahlbetonplatte die Bauzeit verkürzen lässt und ob auf eine Vollsperrung dann weitestgehend verzichtet werden kann. Der Mobilitätsausschuss tagt am Donnerstag, 14. Dezember, 17 Uhr, im Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße.

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