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zur Webansicht Do. 21.09.2017

Wie konnte die Kuppel des Doms so gewölbt werden?

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die E-Mail erreichte Helmut Maintz am 6. September 2010, und ehrlich gesagt: Der Dombaumeister war skeptisch. Martina Kempff hatte ihm geschrieben, sie plane ein Buch über den Bau des Aacheners Doms, einen Roman. Maintz, so sagt er das heute, hielt die Idee zunächst für „höchst abenteuerlich“.

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Erstpräsentation in der Aula der Domsingschule: Buchhändler Walter Vennen, Domprobst Helmut Poqué, Autorin Martina Kempff und Dombaumeister Helmut Maintz (stehend, v. r.). Foto: Andreas Herrmann

Natürlich bemerkte Kempff das Misstrauen, beim ersten Treffen drückte Maintz ihr einen Packen Papier in die Hand, Dombaulektüre. Kempff las, sie recherchierte. Heute sagt Maintz: „Sie hat sehr, sehr genau recherchiert.“ Kempff sagt: „Ohne ihn hätte ich das Buch nicht schreiben können“.

„Die Gabe der Zeichnerin“ (Pendo, 432 Seiten, 19,99 Euro), so heißt der historische Roman über den Bau des Aachener Doms, den Martina Kempff, 1950 in Stuttgart geboren, geschrieben und am Donnerstag in der Domsingschule vorgestellt hat; musikalisch begleitet durch das Trio Aquisgrana, moderiert von Walter Vennen von der Buchhandlung Schmetz am Dom, Schirmherr der Lesung war Helmut Maintz. In den hinteren Reihen der sehr gut besuchten Aula hatte man sogar Domblick, praktisch.

Auch Martina Kempff hatte oft im Aachener Dom gesessen und die Kuppel betrachtet. Doch wer hatte diese Kuppel derart wölben können?

Viele Fragen an Karl den Großen

Kempffs Geschichte beginnt 794, Ezra heißt die Protagonistin in dem Roman. Sie ist die Tochter eines oströmischen Baumeisters, der vom Kalifen nach Aachen entsandt wird. Sie ist wie ein Junge erzogen worden, doch versucht sie dies zu verbergen.

Karl der Große höchstpersönlich sieht eine durch sie gezeichnet Bau-Skizze und bestellt Ezra zu sich. Hier lernt sie erstmals den jungen Baumeister Lucas kennen - der ihrem Geheimnis auf die Schliche kommen wird.

Natürlich gibt es viele Theorien über den Bau Aachener Doms, und am liebsten spräche Dompropst Helmut Poqué mit jenem Mann darüber, der ihn hat bauen lassen.

So viele Fragen an Karl den Großen habe er, sagt Poqué: „Legen wir Gedanken herein, an die du nie gedacht hast?“, „Warum ein Oktogon?“, „Was war das Vorbild?“, „Wer hat diesen Dom als Baumeister gebaut?“. So gesehen darf der Dompropst sich glücklich schätzen, „Antworten in unterhaltsamer Lektüre“ zu erhalten.

Die Rohfassung hat Helmut Maintz im Februar 2012 erreicht, im Sommerurlaub vergangenes Jahr hat er Zeit gefunden - obwohl der Dombaumeister im Sommerurlaub üblicherweise keine Literatur über den Aachener Dom liest, er sagt es mit einem Lächeln. Er hat trotzdem gelesen, sagt Maintz, „immer weiter und mehr“.

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